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FC punktet am MillerntorWaldschmidts Elfmetertreffer rettet schwache Kölner

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Treffer – versenkt! Luca Waldschmidt jubelt nach seinem 1:1-Ausgleichstreffer. Der Angreifer bewies bei seinem Elfmetertor gute Nerven.

Treffer – versenkt! Luca Waldschmidt jubelt nach seinem 1:1-Ausgleichstreffer. Der Angreifer bewies bei seinem Elfmetertor gute Nerven. 

Durch einen Elfmeter kurz vor Schluss kommt der 1. FC Köln noch zu einem 1:1 im Kellerduell bei St. Pauli

Als am Freitagabend am Millerntor der Schlusspfiff ertönte, stiegen Raketen in den Himmel, Böller detonierten. Das Feuerwerk galt allerdings nicht dem Keller-Duell zwischen dem FC St. Pauli und dem 1. FC Köln, sondern dem Volksfest Hamburger Dom in unmittelbarer Nähe des Stadions. Passender zum Niveau des aus Kölner Sicht über weite Strecken gruseligen Spiels war allerdings die Geisterbahn hinter dem Gästeblock.

Lange hatte der FC in dieser Saison mit dem vermeintlichen Fußballgott gehadert, der den Bundesliga-Aufsteiger immer wieder im Stich gelassen hatte. Seit René Wagner Cheftrainer ist, hat sich auch das geändert. Die Kölner duselten sich nach spielerisch schwachem Auftritt zu einem 1:1 beim FC St. Pauli. Luca Waldschmidt traf in der 86. Minute per Elfmeter – ein Punkt, der im Saisonendspurt noch Gold wert sein könnte. Der FC bleibt im vierten Spiel in Folge ungeschlagen, davon drei unter Wagner, und kommt dem Klassenerhalt einen weiteren Schritt näher. Der Vorsprung auf die Kiezkicker auf dem Relegationsplatz beträgt weiterhin fünf Punkte, auf den ersten direkten Abstiegsplatz sind es zehn. Bitter allerdings: FC-Stürmer Ragnar Ache hat sich vermutlich einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen.

„Es ist ein sehr wichtiger Punkt für uns. Wir haben den Abstand gehalten, das ist entscheidend. Der Spielverlauf hat nicht mehr hergegeben. Mit Ball ist uns nicht viel gelungen“, sagte Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler nach der Partie. Torhüter Marvin Schwäbe, einmal mehr einer der besseren Kölner, ergänzte: „Es ist enorm wichtig, dass wir uns nicht aufgegeben haben. Luca ist ein sicherer Schütze, in solchen Situationen kommt es auf Erfahrung an.“

Vor dem Anpfiff hatte der FC noch an den letzten Bundesliga-Sieg am Millerntor erinnert. Der liegt fast ein Vierteljahrhundert zurück: Am 24. November 2001 gewannen die Kölner mit 2:1. Seitdem begegneten sich beide Klubs im Oberhaus dort nur noch einmal – St. Pauli setzte sich am 29. Januar 2011 3:0 durch. Eine Statistik, die für Wagner vor seinem dritten Spiel als Cheftrainer allerdings kaum Relevanz gehabt haben dürfte – beim Kölner Sieg war er damals 13 Jahre alt.

Personell nahm der mittlerweile 37-Jährige im Vergleich zum 3:1-Erfolg gegen Bremen nur eine Änderung vor: Für den formschwachen Kristoffer Lund rückte Alessio Castro-Montes in die Startelf und übernahm die Position hinten links. Der Anpfiff verzögerte sich um fünf Minuten, weil beide Fanlager unter den Klängen von „Hells Bells“ (AC/DC) ein beachtliches Feuerwerk zündeten. Spektakulär anzusehen, aber eben verboten – und die Sicht auf das Spielfeld war zeitweise erheblich eingeschränkt.

Sportlich bot die Anfangsphase wenig Erbauliches. Zwar hatte Said El Mala nach einem Ballgewinn und Zuspiel von Ragnar Ache früh die Chance zur Führung, schoss jedoch über das Tor (7.). Auf der Gegenseite kam Hountondji nach einer Ecke frei zum Abschluss, wirkte jedoch überrascht. In der Folge bestimmten Hektik, Ungenauigkeiten und viele Ballverluste das Geschehen. Struktur oder Spielkontrolle waren auf beiden Seiten kaum zu erkennen.

Es ist ein sehr wichtiger Punkt für uns. Wir haben den Abstand gehalten, das ist entscheidend. Der Spielverlauf hat nicht mehr hergegeben. Mit Ball ist uns nicht viel gelungen
FC-Sportgeschäftsführer Thomas Kessler nach dem Schlusspfiff

In der 33. Minute verhinderte Schwäbe mit einer starken Fußabwehr gegen Hountondji den Rückstand und hielt seine Mannschaft im Spiel. St. Pauli war in dieser Phase das aktivere Team, wusste die optische Überlegenheit jedoch nicht in zwingende Chancen umzumünzen. Wie auch. Es hat schon seinen Grund, warum die Hamburger erst 26 Treffer erzielt haben.

Erst nach der Pause zeigte der FC offensiv zumindest wieder ein Lebenszeichen – und zwar durch El Mala. Nach 54 Minuten setzte sich der Offensivspieler im Alleingang durch und traf mit einem Distanzschuss die Latte. Kurz darauf musste erneut in höchster Not gerettet werden: Nach einer Flanke von Sinani und einem Kopfball von Ando klärte der eingewechselte Marius Bülter den Ball Zentimeter vor der Linie (57.).

Ragnar Ache musste mit einer Oberschenkelverletzung vom Feld, ihm droht eine wochenlange Pause.

Ragnar Ache musste mit einer Oberschenkelverletzung vom Feld, ihm droht eine wochenlange Pause.

In der 69. Minute nutzten die Gastgeber die Kölner Nachlässigkeiten konsequent aus: Nach einer Hereingabe von Sinani konnte Eric Martel zunächst nicht entscheidend stören, Hauke Wahl brachte den Ball erneut scharf in den Strafraum, wo Karol Mets aus kurzer Distanz zur verdienten Führung einköpfte. Vom FC kam auch danach offensiv nur wenig. Umso überraschender fiel der Ausgleich, der eher aus einer Einzelaktion entstand. Jakub Kaminski, erneut der auffälligste Kölner, wurde im Strafraum von Mets ungeschickt am Fuß getroffen. Nach VAR-Eingriff entschied der Schiedsrichter auf Elfmeter – eine korrekte Entscheidung. Luca Waldschmidt übernahm Verantwortung und verwandelte souverän zum Endstand (86.).

FC St. Pauli: Vasilj - Ando, Wahl, Mets - Pyrka, Rasmussen, Irvine, Ritzka (65. Saliakas) - Sinani, Pereira Lage (87. Kaars) - Hountondji (77. Metcalfe). – 1. FC Köln: Schwäbe - Sebulonsen (79. Chávez), Simpson-Pusey, Özkaçar - Thielmann (46. Maina), Jóhannesson (79. Waldschmidt), Martel, Castro-Montes (70. Lund) - Kaminski - Ache (51. Bülter), El Mala. – Schiedsrichter: Jöllenbeck (Freiburg). – Tore: 1:0 Mets (69.), 1:1 Waldschmidt (86., Elfmeter). – Zuschauer: 29.546 (ausverkauft).