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„Ich werde Ärger kriegen“Stadionsprecher Trippel sorgt für Diskussionen – Strafe droht

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Michael Trippel an seinem Arbeitsplatz im Rhein-Energie-Stadion

Michael Trippel an seinem Arbeitsplatz im Rhein-Energie-Stadion

Der Stadionsprecher kommentierte eine Schiedsrichter-Entscheidung mit „pfui, widerlich“; später wies er das Publikum noch auf ein Versäumnis des Video-Assistenten hin.

Seit 1999 ist Michael Trippel als Stadionsprecher des 1. FC Köln am Mikrofon; der mittlerweile 71-Jährige begrüßt das Publikum in Müngersdorf traditionell in der „schönsten Stadt Deutschlands“. Seit mehr als 40 Jahren ist er in der Fanarbeit des 1. FC Köln aktiv. Was beim FC passiert, ist ihm eine Herzensangelegenheit. Er nimmt die Dinge persönlich.

Regelmäßig färbt er seine „Stimme Kölns“ emotional, vor allem, wenn er den Eindruck hat, sein FC werde Opfer von Unrecht. So geschehen am Samstagabend im Spiel gegen Borussia Dortmund, als Jahmai Simpson-Pusey nach einem Foul an Maximilian Beier infolge eines Eingriffs des Video-Assistenten die Rote Karte sah. Eine nachvollziehbare Entscheidung, die verständlicherweise dennoch viele Menschen im Stadion ärgerte – und auch den Mann am Mikrofon: „Pfui, widerlich!“, bellte Trippel in sein Mikrofon.

Das war eine subjektive Ansage, die das Regelwerk so nicht vorsieht. Im „Handbuch für Stadionsprecher und Platzansager“ des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist niedergelegt, was der Mann oder die Frau am Mikrofon soll, darf und nicht darf, wenn ein Bundesligaspiel ausgetragen wird. Der Fußball-Weltverband (Fifa) verbietet grundsätzlich eine „Spielkommentierung“. Im DFB-Handbuch wird zudem das Uefa-Sicherheitsreglement zitiert, dort heißt es in Artikel 43: „Über die Lautsprecheranlage dürfen Durchsagen mit neutralem Inhalt gemacht werden. Die Lautsprecheranlage darf nicht verwendet werden für: die Verbreitung politischer Botschaften; die Unterstützung der Heimmannschaft; jegliche Form von Diskriminierung der Gastmannschaft.“

Sah für ein Foul an Maximilian Beier nach Eingriff des Video-Assistenten die Rote Karte: Jahmai Simpson-Pusey.

Sah für ein Foul an Maximilian Beier nach Eingriff des Video-Assistenten die Rote Karte: Jahmai Simpson-Pusey.

Nach dem Schlusspfiff klärte Trippel noch das Publikum darüber auf, dass Dortmunds Yan Couto in der Nachspielzeit den Ball im Strafraum mit der Hand gespielt hatte. „Ich werde Ärger kriegen, aber in der Nachspielzeit gibt es ein klares Handspiel eines Dortmunders, aber das guckt sich noch nichtmal einer an.“ Damit wiegelte Trippel die Zuschauer noch einmal auf, einen positiven Beitrag zur Sicherheitslage bedeutete das nicht – mindestens.

Thomas Kessler kritisierte die Aussagen später deutlich. „Bei aller Emotionalität, die Michael auch haben kann – er ist lange in diesem Klub, und ich bin auch lange in diesem Klub, und ich weiß, dass man emotional dann auch mal weggehen darf. Aber es ist nicht richtig, dass der Stadionsprecher im Rahmen eines Spiels seine Emotionen über das Mikrofon preisgibt“, sagte der Kölner Sport-Geschäftsführer: „Das gefällt mir nicht. Darüber werden wir im Nachgang sprechen.“

Mit dem zu erwartenden Ärger könnte Trippel recht behalten. Der DFB wird Ermittlungen aufnehmen, sollte es zu einer Strafe kommen, wird der 1. FC Köln die Verantwortung für das Verhalten seines Sprechers tragen müssen.