Der beförderte Trainer René Wagner will bei den FC-Profis den Druck lösen. Mit Vorgänger Kwasniok hat der Klub bereits alles geregelt.
Im Kampf um den KlassenerhaltWagner will FC-Spielern die Last von den Schultern nehmen

FC-Trainer René Wagner (r.) gibt während der Einheit am Dienstag Anweisungen.
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Rettungsmission mit Verwechslungsgefahr beim 1. FC Köln – zumindest für manche Fans und Medien am Geißbockheim. René Wagner, der beförderte Coach und neue Cheftrainer des Bundesliga-Aufsteigers, Ersatztorhüter Matthias Köbbing und Christian Osebold, Leiter der medizinischen Abteilung beim FC, teilen nicht nur eine gewisse äußerliche Ähnlichkeit, sondern auch dieselbe Frisur – alle drei sind Kahlköpfe. Zumindest von weitem wird die Verwechslung damit zur nahezu unvermeidlichen Übung.
Wagner konnte darüber lachen, nahm es sportlich: „Es ist schön, dass ich danach gefragt werde. Für den Außenstehenden ist das sehr lustig, für mich gab es aber eine Problematik, weil alle gedacht haben, dass ich Sonntag hier war.“ Es war der Tag, an dem die Verantwortlichen die bedrohliche sportliche Situation des abstiegsgefährdeten Klubs analysierten, der von den vergangenen 18 Ligaspielen nur zwei gewonnen hatte und auch im Derby gegen Borussia Mönchengladbach nicht über ein 3:3 hinauskam. Es war eine Analyse, an deren Ende die Freistellung von Cheftrainer Lukas Kwasniok stand.
FC-Mission mit Verwechslungsgefahr
Für die Verwechslung – besonders mit Osebold – hat Wagner Verständnis. Seiner Aussage nach ergehe es auch seiner Frau und der Frau Osebolds so, dass sie beide an der Seitenlinie nicht auseinanderzuhalten seien – und dem ein oder anderen Reporter sei das ebenfalls passiert. Eines aber betonte Wagner nachdrücklich: „Wenn ich als Co-Trainer am Sonntag am Geißbockheim gewesen wäre, dann hätte ich viel falsch gemacht.“
Hatte er nicht. Und dann wurde es ernst. Wagner machte am Dienstag bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in neuer, verantwortlicher Position vielmehr einiges richtig. Klar und sachlich skizzierte der bisherige Interimstrainer, der im Erfolgsfall zur Dauerlösung werden will, seine Pläne für die kommenden Wochen und die restlichen sieben Bundesliga-Spiele. In denen will, nein muss der Aufsteiger den Klassenerhalt perfekt machen. Die neue Rolle sei noch sehr ungewohnt, sagte Wagner – er wolle sich schnell daran gewöhnen. „Ich kenne die Mannschaft, ich kenne die Jungs. Ich war zweimal im Verein, ich kenne die Stadt – daher macht es mich auch stolz. Aber darum geht es jetzt gar nicht, sondern nur darum, eine Aufgabe zu erfüllen. Das ist jetzt das Ziel in den nächsten Wochen.“
Wagner will den Profis im Abstiegskampf die Last von den Schultern nehmen. „Es liegt an uns, den Druck von den Spielern weitestgehend zu lösen.“ Ruhe bewahren sei jetzt das Gebot, sagte er – von außen werde viel auf die Mannschaft einprasseln, ein Trainerwechsel sei schließlich normalerweise nie etwas Gutes. „Für uns ist es jetzt wichtig, uns auf das zu fokussieren, was uns gegen Frankfurt helfen kann.“
Nach der Länderspielpause wird es für Wagner und sein Team dann mit dem Auswärtsspiel am 5. April bei der Eintracht wieder ernst. Bis dahin bleibt Zeit, die Mannschaft neu auszurichten – und der gebürtige Sachse will sie nutzen. „Ich kann besser arbeiten, wenn ich organisiert bin und mir nicht viele Gedanken über das mache, was außerhalb passiert. Aber natürlich ist es an uns, den Druck von den Spielern weitestgehend zu nehmen“, sagte der 37-Jährige, dessen zweite Einheit Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler, Vizepräsident Ulf Sobek und Kaderplaner Tim Steidten aufmerksam verfolgten.
Nach nur zwei Siegen aus den vergangenen 18 Bundesliga-Partien taumelt der FC trotz verheißungsvollen Saisonstarts der Abstiegszone entgegen – lediglich zwei Punkte trennen ihn noch vom Relegationsrang. Laut Sportchef Kessler könnte der Interimscoach in der Tat zur Dauerlösung beim FC werden – wie lange er das Team übergangsweise führen wird, ist noch offen. Wagner selbst gibt sich in dieser Frage klar: „Jetzt geht es darum, die Aufgabe zu erfüllen. Nichts anderes beschäftigt mich. Ich bin da relativ klar. Alles andere wird so kommen, wie es kommen soll.“
Die größte Chance habe er, wenn alle anderen Erfolg hätten – weshalb er sich nun darum kümmere, dass es den Spielern und dem Staff gut gehe und man gemeinsam Spiele gewinne. Während er sich wegen der neuen Aufgabe bereits mit seinem einstigen Chef Steffen Baumgart ausgetauscht hatte („Er hat mir gesagt, dass ich bei mir bleiben soll und die neue Rolle ein paar andere Themengebiete aufmachen wird“), bestand zum entlassenen Kwasniok noch kein Kontakt. Dass dieser sich bislang nicht öffentlich geäußert hat, überrascht wenig – der Trainer soll sich nach seiner Freistellung zurückgezogen haben.
Für seinen Vorgänger fand Wagner dennoch anerkennende Worte. „Lukas war ein Trainer, der unfassbar inhaltlich gearbeitet hat, jemand, der Fußball jeden Tag, jede Sekunde, jede Millisekunde einfach auch gelebt hat“, sagte er. Etwas, das Wagner als künftiger Cheftrainer zum Vorbild nehmen will.
Welche Impulse er selbst setzen kann, das wird sich noch herauskristallisieren. Er sei erst am zweiten Tag, sagte Wagner, und habe noch nicht alle Stellschrauben gefunden: „Wir haben ja meistens funktioniert, die Performance war gut an den Spieltagen. Bis auf vielleicht gegen Augsburg, wo es nicht ganz gepasst hat. Jeder Trainer, jeder Staff hat immer kleine Dinge, die verbessert werden können. Es ist meine Aufgabe, die jetzt zu suchen.“ Einen Plan für Frankfurt gebe es bereits. Was die Atmosphäre in der Mannschaft betrifft, setzt Wagner auf ein klares Prinzip: Er kenne die Leute, kenne auch ihre Macken – und wolle so kommunizieren, dass alle es gemeinsam trügen.
Vertrag regelt Abfindung für Kwasniok – Internes Testspiel im Stadion
Dass ein Trainerwechsel nicht nur Gewinner kennt, sieht Wagner nüchtern. „Das Gefühl habe ich definitiv. Das bringt ein Trainerwechsel ja mit sich. Es gibt immer Jungs, die mit der aktuellen Situation unzufrieden sind. Aber es gibt auch Spieler, die super zufrieden waren. Um die gilt es sich auch zu kümmern.“ Wer zuletzt eine tragende Rolle gespielt habe, frage sich jetzt, ob das so bleibe. „Es gibt nicht immer nur Jungs, die mit einer breiten Brust rumlaufen, sondern ganz im Gegenteil, die sich jetzt Gedanken machen, was mit ihnen passiert.“ Wagner, der am Mittwoch ein internes Testspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Rhein-Energie-Stadion angesetzt hat, will auch diese Spieler mitnehmen – nicht nur jene, die auf eine neue Chance hoffen.
Mit Vorgänger Kwasniok hat der Klub bereits nichts mehr zu regeln. Der 44-Jährige stand eigentlich noch bis 2028 in Köln unter Vertrag. Doch in seinem Kontrakt war klar geregelt, was im Fall einer vorzeitigen Freistellung erfolgt und welche Abfindung der Coach erhält. Nach Informationen dieser Zeitung ist die Summe niedriger, als spekuliert wurde: Es sollen rund 700.000 Euro sein. Eine gesonderte Einigung war damit hinfällig.

