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Lage für Kölner immer brenzligerEin Derby-Punkt, der für den FC zu wenig ist

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21.03.2026, Nordrhein-Westfalen, Köln: Fußball, Männer: Bundesliga, 1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach, 27. Spieltag, RheinEnergieStadion. Jakub Kamiński (l, 1. FC Köln) und Torwart Marvin Schwäbe (1. FC Köln) nach der Partie. Foto: Marius Becker/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. +++ dpa-Bildfunk +++

Enttäuschung bei den Kölnern Jakub Kaminski (l.) und Marvin Schwäbe nach dem 3:3 im Derby gegen Gladbach

Nach dem 3:3 im Derby gegen Gladbach folgen

Das Derby nicht verloren, aber den Cheftrainer. Nach dem 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach wirkten fast alle im Lager des 1. FC Köln konsterniert. Ein Sieg gegen den Erzrivalen, der in dieser Saison selbst wenig Stabilität gezeigt und bereits den Coach gewechselt hatte, war fest eingeplant – drei Punkte gegen den ungeliebten Nachbarn hätten nicht nur emotional, sondern vor allem tabellarisch Erleichterung gebracht. Doch am Ende musste der FC froh sein, dass Eric Martels Treffer in der 84. Minute wenigstens das Unentschieden rettete – ein Punkt, der im Kampf um den Klassenerhalt dennoch zu wenig ist. Und am Ende Lukas Kwasniok zum Verhängnis wurde. Der Trainer ist seit Sonntagabend schon wieder Geschichte.

Die prekäre Lage des 1. FC Köln machte die Wirkung des Spiels noch deutlicher: zwei Siege aus den vergangenen 18 Spielen – eine Bilanz, die den Verein tief in den Tabellenkeller drängt. Der FC ist auf Platz 15 abgerutscht und konnte froh sein, dass St. Pauli am Sonntag nach Führung noch mit 1:2 gegen Freiburg verlor. Die Mannschaft wirkte engagiert, suchte Lösungen und kämpfte verbissen um jeden Zentimeter Rasen, doch die Stabilität über 90 Minuten fehlte erneut. Fehler im Aufbau und defensive Unsicherheiten kosteten regelmäßig Punkte.

Irgendwie passte es an diesem frühlingshaften Samstagnachmittag zu diesem Derby und der prekären Situation des FC, dass ein Ex-Spieler der Kölner die Szene dominierte – und das gleich mehrfach. Jens Castrop, 2023 nach acht Jahren am Geißbockheim mehr oder weniger gehen gelassen, kehrte auf seine eigene, beeindruckende Art nach Müngersdorf zurück. Nur 30 Sekunden waren gespielt, da traf er bereits zum 1:0 für Borussia Mönchengladbach. Das Stadion verstummte schlagartig, ein Moment des kollektiven Schrecks für die FC-Fans, die unmittelbar vor dem Anpfiff ihre Mannschaft durch eine lautstarke Ansage von Ultra-Capo Stephan Schell eingeschworen hatten.

Doch die Kölner schlugen zurück. Nach Castrops Blitztor antwortete der FC mit einer bemerkenswerten Trotzreaktion: Said El Mala traf in der 4. Minute zum Ausgleich – sein bereits zehntes Saisontor. Ragnar Ache legte in der 7. Minute das 2:1 nach – sieben Minuten, drei Tore, eine Achterbahn der Gefühle. Ein Derby, das wahrlich nicht immer hochklassig, sondern fehlerbehaftet war, das aber alle Emotionen bündelte. Doch Castrop hörte an diesem Tag nicht auf. Als wolle er beweisen, was der FC durch seinen Weggang verloren hatte, legte der 22-Jährige in der 21. Minute Philipp Sander das 2:2 mustergültig auf, bevor er in der 60. Minute mit einem traumhaften Distanzschuss zum 3:2 traf – ein Wirkungstreffer für den FC, der brauchte, um ins Spiel zurückzufinden. „Ich war selbst ein bisschen überrascht, dass er so reinfliegt. Es war definitiv das bisher schönste Tor in meiner Karriere“, gestand Castrop später.

Für Cenny Neumann, der kurzfristig sein Bundesliga-Startelf-Debüt auf der rechten Abwehrseite gab, wurde Castrop an diesem Nachmittag zum personifizierten Albtraum.

Die zweite Halbzeit war zerfahren: Struktur, Ballbesitz und Ideen fehlten, viele Aktionen verpufften schon in der gegnerischen Hälfte. Doch dann profitierte der FC von einer neuen Stärke – dem Offensiv-Standard: Der eingewechselte Florian Kainz schlug einen Eckball präzise vor das Gladbacher Tor, Martel stieg hoch und köpfte platziert ein. Schon beim 1:1 in Hamburg in der Vorwoche hatte der FC nach einem Eckball ausgeglichen.

Eric Martel fliegt zwei Minuten nach seinem Tor zum 3:3 vom Platz

Doch nur zwei Minuten später flog Martel vom Platz. Gelb-Rote Karte nach einem Luftzweikampf mit Gladbachs Joe Scally, der den Ellbogen des Kölners ins Gesicht bekam. „Ich gehe hoch zum Luft-Zweikampf und der Gladbacher springt in mich rein. Ich weiß nicht, was ich da machen soll, vielleicht schneide ich mir beim nächsten Mal die Arme ab. Zudem kommt der Schiedsrichter zu mir und sagt, dass es eine Abseitssituation war. Dann darf er mir für die Aktion danach nicht Gelb-Rot geben“, schilderte Martel. „Nach dem Ausgleich mit den Fans im Rücken hätten wir gute Chancen gehabt, das Spiel komplett zu drehen. So mussten wir noch ein bisschen zittern. Man hat der Mannschaft nie angemerkt, dass uns die Rückstände zurückgeworfen haben. Das zeigt den Charakter dieser Mannschaft.“

Kölns Verteidiger Cenk Özkacar betonte: „Wir wollten den Sieg unbedingt. Wir haben nach dem frühen Gegentor eine starke Reaktion gezeigt und das Spiel gedreht. Es war mein erstes Derby in einem Heimspiel, sehr emotional. Als die Fans mit uns nach dem Aufwärmen gesprochen haben, war das sehr leidenschaftlich. Es tut mir leid, dass wir ihnen die drei Punkte nicht schenken konnten.“

Kölns Trainer Lukas Kwasniok fasste die Achterbahnfahrt zusammen: „Nach 90 Minuten war es ein leistungsgerechtes Unentschieden. Es war eine wilde Partie, mit Höhen und Tiefen. Ein Traumtor von Castrop verändert dann das Spiel. Mit der Gelb-Roten Karte war es schwierig. So galt es, den Punkt über die Ziellinie zu retten. Die Mannschaft und ich glauben zu einhundert Prozent daran. Es bleibt ein Kampf bis zum Schluss.“ Allerdings nicht mehr für Kwasniok, denn der wurde am Sonntagabend von seinen Aufgaben entbunden. Der bisherige Co-Trainer Reńe Wagner übernimmt.

Sportchef Thomas Kessler hatte bereits am Samstag deutlich gemacht, dass das Remis im Überlebenskampf zu wenig ist: „Die Erwartungshaltung waren klar: drei Punkte. Wir haben eine Länderspielpause vor der Brust und haben heute eine große Enttäuschung erlebt, dass wir nur einen Punkt geholt haben. Es ist sehr emotional kurz nach so einem Spiel. Heute wurde viel geboten, leider keine drei Punkte für den 1. FC Köln. Wenn man zuhause drei Tore schießt, sollte man in der Lage sein, so ein Spiel zu gewinnen. Die Tabellensituation ist von Woche zu Woche prekärer, und das Ziel ist klar: den 1. FC Köln in der Bundesliga zu halten. Wir haben die Überzeugung, dass die Qualität vorhanden ist, die Klasse halten zu können. Aber es gibt Gründe, warum wir momentan nicht in der Lage sind, drei Punkte zu holen. Die müssen wir offen erörtern.“

Dieses Derby verdeutlichte die Realität der Saison in aller Schärfe: defensive Unsicherheiten, fehlende Konstanz, der kurzfristige Ausfall eines Leistungsträgers, ein überforderter Teenager in einer Schlüsselposition und Szenen wie Martels Platzverweis – all das zeigt, dass jeder weitere Punktverlust den Klassenerhalt gefährdet. Es bleibt eine Saison auf des Messers Schneide. Doch nun trägt ein anderer auf der Trainerbank die Verantwortung.