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Kampf um KlassenerhaltDie Kölner Krise spitzt sich zu

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1. FC Köln vs. Borussia Dortmund, 25. Spieltag, 07.03.2026, 18.30 Uhr, links: Eric Martel (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

Hoffen und Bangen: Eric Martel (v.l.), Marvin Schwäbe, Dortmunds Waldemar Anton

Die Lage des 1. FC Köln hat sich noch einmal verschlechtert. Bereits am Samstag beim HSV steht auch für Trainer Kwasniok viel auf dem Spiel.

Die Profis des 1. FC Köln und des Hamburger SV hatten am Montag eines gemeinsam: trainingsfrei. Gelegenheit also, im Abstiegskampf durchzuatmen und die Köpfe freizubekommen, ehe beide Mannschaften am Dienstag in die Vorbereitung auf den 26. Spieltag starten. Dann treffen die zwei Bundesliga-Aufsteiger im direkten Duell im Volksparkstadion aufeinander (Samstag, 18.30 Uhr). Die Stimmungslage an Rhein und Elbe ist allerdings unterschiedlich.

Der FC trauerte der verpassten Chance gegen Borussia Dortmund hinterher. Die 1:2-Niederlage war bitter und unglücklich, der Frust über den Videoschiedsrichter nach dem nicht gegebenen Handelfmeter in der Nachspielzeit immens. Viel mehr wäre an diesem Samstagabend gegen den BVB möglich gewesen, der nicht wie ein Spitzenteam aufgetreten war – und schon gar nicht wie Deutschlands Fußball-Kraft Nummer zwei hinter dem souveränen Branchenführer FC Bayern München.

Beim HSV dagegen war nach dem 2:1-Sieg im Kellerduell beim VfL Wolfsburg die Freude groß. Nach zwei Heimniederlagen gegen RB Leipzig (1:2) und Bayer 04 Leverkusen (0:1) gelang den Norddeutschen der erhoffte Befreiungsschlag beim Krisenklub aus der VW-Stadt – mit personellen Konsequenzen in Wolfsburg. Für den HSV jedoch zählte vor allem eines: Der Aufsteiger hat 29 Punkte auf dem Konto, neun Zähler Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz, den Wolfsburg einnimmt, sowie fünf Punkte Vorsprung auf Stadtrivale FC St. Pauli auf dem Relegationsrang. Auch der FC und 1. FSV Mainz 05 liegen fünf Punkte zurück.

Nächste Woche können wir gegen Köln nachlegen. Da können wir einen großen Schritt machen.
HSV-Mittelfeldspieler Nicolai Remberg über das Spiel gegen den FC

„Das waren Big Points“, sagte Hamburgs Mittelfeldabräumer Nicolai Remberg. „Wir haben es hinbekommen, das Spiel mit unseren Fans im Rücken noch zu unseren Gunsten zu drehen. Durch sind wir natürlich noch lange nicht – das wäre Quatsch. Da kann noch alles passieren. Aber es waren drei ganz wichtige Punkte. Nächste Woche können wir gegen Köln nachlegen. Da können wir einen großen Schritt machen.“ Sollte der HSV gewinnen, hätte er den FC bei dann noch acht ausstehenden Spieltagen bereits auf acht Punkte distanziert. Genau das wollen – und müssen – die Kölner verhindern.

Die Leistung der Kölner stimmte auch gegen Dortmund, doch wieder einmal standen sie am Ende mit leeren Händen da. Nach nur zwei Siegen aus den vergangenen 16 Partien und angesichts einer Konkurrenz, die im Tabellenkeller inzwischen fleißig punktet, hat sich die Lage für den FC zugespitzt.

Insbesondere nach dem Sonntag: Der FC St. Pauli holte einen Punkt gegen Eintracht Frankfurt und zog nach sieben Zählern aus den vergangenen drei Spielen nach Punkten mit Köln gleich. Und im späten Spiel gewann Werder Bremen mit 4:1 beim von Steffen Baumgart trainierten 1. FC Union Berlin. Die Bremer, die zuletzt kaum konkurrenzfähig wirkten, überholten die Kölner sogar in der Tabelle.

Immerhin: Beim FC wird der Ernst der Lage offenbar nicht schöngeredet. „Wir brauchen jetzt Punkte, das ist ganz klar“, betonte Tom Krauß nach der Niederlage gegen Dortmund. Im Abstiegskampf gehe es sehr eng zu, man dürfe sich nicht von Nebenschauplätzen beeinflussen lassen. „Es ist nichts verloren, wir sind immer noch über dem Strich. Doch wenn wir weiter nicht punkten, geht es natürlich in die andere Richtung.“

Kapitän Marvin Schwäbe machte ebenfalls deutlich, dass es für seine Mannschaft in den kommenden beiden Duellen mit Hamburg und Gladbach vor der Länderspielpause keine Ausreden mehr gebe. „Wir stecken da unten drin und wollen uns da rausarbeiten. Jetzt kommen Spiele gegen Mannschaften auf Augenhöhe, die wir gewinnen müssen. Wir dürfen uns nicht rausreden – wir hätten gern ein paar Punkte und Tore mehr.“

Kwasnioks Team muss liefern – sonst droht dem FC-Trainer das Aus

Am zuversichtlichsten wirkte Trainer Lukas Kwasniok. „Wir werden in Hamburg und gegen Gladbach genau das gleiche Gesicht zeigen wie gegen Dortmund. Und dann bin ich absolut überzeugt davon, dass wir das Ding drehen – auch wenn der eine oder andere das vielleicht mehr hören will oder kann.“ Die Mannschaft sei „unverwüstlich“, erklärte Kwasniok und ergänzte mit einem Schmunzeln: „Und der Dicke dort vorne auch.“ Öffentlich wollte Sportgeschäftsführer Thomas Kessler den Druck nicht zusätzlich erhöhen. „Wir schauen auf die Tabelle und wissen, dass wir punkten müssen, wenn wir die Klasse halten wollen – wir haben nie etwas anderes behauptet. Das ist unser Ziel, und wir werden nächste Woche die Chance haben, unsere gute Leistung auch wieder mit drei Punkten zu belohnen.“

Doch gelingt dem wortgewaltigen Kwasniok mit seiner Mannschaft die Wende vor der Länderspielpause nicht, dürfte es für den 44-Jährigen äußerst eng werden. Mehr noch: Sollte der FC in Hamburg auf ganzer Linie enttäuschen und erneut ohne Punkte bleiben, könnte nach Informationen dieser Zeitung bereits danach – und somit noch vor dem Derby gegen Gladbach – Schluss für Kwasniok sein. Denn aus dem Geißbockheim heißt es, dass alle Entscheidungen und das Handeln der Verantwortlichen allein am Wohl und an der Zukunft des 1. FC Köln auszurichten seien – mit dem Ziel, die größtmögliche Aussicht auf den Klassenerhalt zu wahren. Noch haben Kwasniok und seine Spieler es selbst in der Hand, diese Entscheidungen auf dem Platz zu beeinflussen.