Cenk Özkacar hat sich nach größeren Startproblemen beim FC festgespielt. Doch die Zukunft des ausgeliehenen Verteidigers hängt immens vom Klassenerhalt ab.
Klarer Wunsch des VerteidigersCenk Özkacar möchte beim 1. FC Köln bleiben

Offenbar stimmt da die Chemie: Cenk Özkacar auf dem Trainingsplatz mit FC-Trainer Lukas Kwasniok
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Es hat gedauert, aber Cenk Özkacar ist mittlerweile angekommen beim 1. FC Köln – sportlich, privat ohnehin. Und dies mitten in einer schwierigen Phase für seine neue Mannschaft, seinen neuen Klub, der um den Klassenerhalt in der Bundesliga kämpfen muss.
An sieben von neun möglichen Spieltagen stand der türkische Innenverteidiger in diesem Jahr in der Startelf des FC. Nach einem schwierigen Beginn beim Aufsteiger hat sich der Sommer-Neuzugang festgespielt, Verantwortung übernommen – und sendet klare Signale in Richtung Zukunft. Auch wenn diese noch an einem seidenen Faden hängt. Denn über allem steht der Kölner Klassenerhalt.
„Ja, ich will unbedingt hier bleiben“, sagt Özkacar und lässt keinen Zweifel an seiner Haltung. „Ich bin sehr glücklich im Verein und in der Stadt, meine Frau ebenfalls.“ Zugleich gibt sich der Verteidiger realistisch: „Es ist jetzt aber noch zu früh, um darüber zu sprechen. Wir haben zuerst noch einen großen Job vor uns.“ Erst der Klassenerhalt, dann alles Weitere. Dass er sich eine Zukunft am Geißbockheim, bei einem „gesunden Verein“ vorstellen kann, wirkt indes wie eine ehrliche Überzeugung.
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Ja, ich will unbedingt hier bleiben. Ich bin sehr glücklich im Verein und in der Stadt. Doch wir haben zuerst noch einen groß Job vor uns.
Dass sich der 24-Jährige mittlerweile festgespielt hat, war lange nicht selbstverständlich, von einigen vielleicht gar nicht mehr erwartet worden. Trainer Lukas Kwasniok hatte zunächst auch offen Zweifel an der Belastbarkeit des Innenverteidigers geäußert – unter anderem nach einem Einsatz in der Hinrunde in Dortmund (0:1), als Özkacar früh mit Krämpfen ausgewechselt werden musste. „Wenn er beginnt, hat er halt Ganzkörperkrämpfe“, sagte Kwasniok damals.
Noch zu Beginn des Jahres stand Özkacar sogar trotz massiver Verletzungsnot nicht im Kader. Fünf Innenverteidiger fehlten dem Aufsteiger verletzungsbedingt – und dennoch saß der Leihspieler aus Valencia beim Jahresauftakt in Heidenheim auf der Tribüne. Vor der Winterpause hatte der Türke lediglich 376 Bundesliga-Minuten gesammelt und nur viermal in der Startelf gestanden. Im Januar wurde in Medienberichten deshalb sogar über eine vorzeitige Auflösung der Leihe spekuliert.
Wende nach schwierigem Start
Doch danach widerlegte der Türke alle Bedenken. Ging über die volle Distanz, wirkte stabiler und robuster. Von der angespannten personellen Situation in der Defensive profitierte Özkacar nicht nur, sondern er war auch da und ergriff die Chance. Sportchef Thomas Kessler hatte dem Leihspieler bereits im Winter öffentlich den Rücken gestärkt und betont, man sei „weit davon entfernt“, zu sagen, Özkacar funktioniere nicht. Inzwischen dürfte sich diese Einschätzung bestätigt haben – auch mit Blick auf die Zukunft. Die Kaufoption für den vom Valencia CF ausgeliehenen Innenverteidiger soll dem Vernehmen nach bei rund zwei Millionen Euro liegen. Der FC wird sie aber wohl nur im Fall des Klassenerhalts ziehen.
Kwasniok adelte Özkacar zuletzt als „Maschine vor dem Herrn, ein einziger Muskel“ – als Spieler, der im Alltag „immer Vollgas“ gebe und in Einsatz wie Haltung vorangehe. „Maschine“: Ein Begriff, der auch in der Kabine hängen blieb. Özkacar reagiert darauf mit einem Lächeln. „Ich versuche einfach professionell zu sein, seit ich Fußball spiele“, sagt er. „Ich passe auf meinen Körper auf und arbeite auch vor und nach den Einheiten.“ Die Grundlage seiner Stabilität sei weniger Talent als Konsequenz: „Die Power, die ich auf das Feld bringen kann, kommt von der Fitness. Ich denke, ich mache es im Moment gut.“ Doch zufrieden gibt er sich nicht. „Wichtig ist, diese Form jetzt aufrechtzuerhalten. Die wichtigste Phase liegt noch vor mir. Ich versuche, mein Level so hoch wie möglich zu halten und damit dem Team zu helfen.“
Auch der Austausch mit dem Trainer sei dabei ein Schlüssel. „Ich habe gerade ein paar Minuten mit dem Trainer gesprochen“, erzählt Özkacar nach dem Training am Dienstag. „Wir haben uns über die Trainingseinheit ausgetauscht. Der Austausch ist wirklich gut. Der Trainer versucht wirklich, uns zu helfen und uns zu verbessern. “ Eine Leistungssteigerung der Mannschaft ist derzeit allerdings auch dringend nötig.
Der FC hat nach dem in jeder Hinsicht enttäuschenden 0:2 in Augsburg nur zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, die Tabellensituation ist angespannt, der Trainer steht in der Kritik. Entscheidend für ihn und die Mannschaft dürften nun die kommenden drei Spiele vor der Länderspielpause am Samstag (18.30 Uhr) gegen Dortmund, dann beim HSV und das Derby gegen Gladbach werden. Dann wird die Lage neu bewertet. „Wir wissen um die Situation“, sagt Özkacar offen. „Und wir wissen auch, dass es nur zwei Punkte Vorsprung sind. Es gibt einiges an Negativität um uns herum.“ Umso wichtiger sei der Umgang damit. „Das Wichtigste für uns ist, diese Negativität nicht an uns heranzulassen. Wir bleiben positiv. Wenn wir zusammenstehen, werden wir die nötigen Punkte einfahren und uns aus dieser Situation herausarbeiten.“
Özkacar fordert wieder mehr Schärfe
Druck gehört für ihn zum Geschäft. Özkacar versucht, ihn zu relativieren. „Im Leben hat man immer Druck, auch als normaler Mensch“, sagt er. „Natürlich ist der Druck jetzt ein wenig höher als in einer anderen Tabellensituation. Aber das ist kein Problem, weil wir alle Profis sind.“ Entscheidend sei, die richtigen Schlüsse zu ziehen: „Wir wissen, dass wir nur mit harter Arbeit da rauskommen. Wir geben alles, setzen zu hundert Prozent um, was der Trainer uns vorgibt.“ Doch zuletzt blieb der FC einfach zu oft ohne Ertrag. Für Özkacar ist das kein Grund zur Panik. Aktuell fehle es an Feinjustierung. „Im Moment fehlt uns ein wenig die Balance. Wir müssen es schaffen, wieder mehr Schärfe reinzubekommen – in den Zweikämpfen, in den Aktionen, in den entscheidenden Momenten.“
Die nächste Bewährungsprobe wartet mit dem BVB. Eine Aufgabe, die der Innenverteidiger nüchtern angeht. „Wir fokussieren uns auf uns selbst und versuchen, uns bestmöglich auf das Spiel vorzubereiten.“ Der Respekt vor dem Gegner ist da, die Furcht nicht. „Dortmund ist im Moment natürlich ein Top-Team, aber wir werden bis zum Ende des Spiels kämpfen.“ Auch die Duelle mit hochklassigen Offensivspielern reizen ihn. Das Aufeinandertreffen am Samstag mit dem früheren FC-Stürmer Serhou Guirassy sieht Özkacar sportlich. „Er ist ein guter Stürmer“, sagt er. „Aber ich habe auch schon gegen andere Mannschaften mit guten Stürmern und Flügelspielern gespielt. Es ist immer besonders, gegen solche Spieler zu spielen.“
Cenk Özkacar wirkt wie einer, der seine Rolle offenbar gefunden hat. Er weiß, was auf dem Spiel steht – für den Verein, für die Mannschaft und für ihn selbst. Und er ließ keinen Zweifel daran lässt, wo er all das in naher Zukunft am liebsten fortsetzen würde: in Köln. Beim FC.

