Wegen der Probleme des Aufsteigers bei Standardsituationen verliert Hannes Dold seinen Posten im Team von Cheftrainer Lukas Kwasniok
Wegen StandardschwächeWechsel im Trainerteam des 1. FC Köln

Hannes Dold (l.) verliert seinen Posten im Trainerteam von Lukas Kwasniok.
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Noch nie in dieser Saison stand der 1. FC Köln in der Tabelle schlechter da als nach dem 1:3 in Stuttgart am vergangenen Wochenende. Das bedeutet einerseits, dass der Aufsteiger nach den zahlreichen Wochen im halbwegs gesicherten Mittelfeld nun als Zwölfter endgültig den Kontakt zur gefährlichen Zone der Liga hergestellt hat. Gleichzeitig heißt der Zwischenstand jedoch auch, dass der FC nach der Rückkehr in die erste Liga eine bislang überraschend stabile Saison erlebt.
In beide Runden starteten die Kölner stark, mehr als die Hälfte ihrer Punkte sammelten sie in den jeweils ersten drei Partien der Hin- und Rückserie. Zweimal kam Euphorie auf, jeweils bremste Lukas Kwasniok mit Verweis auf eine lange Saison, die Höhen und Tiefen bereithält.
Was erneut auffiel: Der FC kassierte in Stuttgart zwar ausnahmsweise keines der drei Gegentore in direkter Folge einer Standardsituation. Allerdings blieben erneut alle fünf Kölner Eckbälle folgenlos. Um die Quote zu erhöhen, hat der 1. FC Köln nun eine Veränderung im Trainerteam der Profis vorgenommen.
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Hannes Dold, im Juli 2023 vom Analysten zum Assistenzcoach befördert und unter Lukas Kwasniok für die Standards verantwortlich, ist von seinen Aufgaben entbunden worden. Die Entscheidung ist hart, aber angesichts der Kölner Bilanz konsequent: Während etwa in der englischen Premier League der Anteil an Standard-Treffern von 21,8 Prozent im Mittel der vergangenen zehn Jahre aktuell auf 28 Prozent gestiegen ist, erzielten die Kölner in der laufenden Saison nur vier ihrer 31 Tore nach ruhenden Bällen – knapp 13 Prozent also.
Auch defensiv sieht es problematisch aus: Rund 40 Prozent ihrer Gegentore kassieren die Kölner aus Standards. Besonders als tendenziell spielerisch unterlegener Aufsteiger gelten Standards jedoch als Mittel des Außenseiters. Die Bilanz war daher bislang indiskutabel. Das soll sich nun ändern. Dold wird seinen Posten im Trainerstab verlieren, ob der gebürtige Schwarzwälder dem 1. FC Köln in anderer Rolle erhalten bleibt, ist nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ offen. Die Arbeit an Standards ist nur bedingt Teil der Trainingsroutine auf dem Platz; besonders das Thema Defensivstandards ist eher Frage von Organisation und Absprache.
Auffällig war da etwa, dass Lukas Kwasniok nach dem 1:2 im Heimspiel gegen RB Leipzig die Tonlage angepasst hatte. „Das macht mich nach wie vor fuchsteufelswild“, sagte der Trainer, nachdem seine Mannschaft durch Christoph Baumgartner nach David Raums Freistoßflanke in Rückstand geraten war. Damals hatte er deutlich beschrieben, dass sich die Kölner Defensive nicht an den vereinbarten Abstand zum eigenen Tor gehalten hatte. Ein Faktor, der wenig mit Training, viel aber mit Vermittlungskompetenz zu tun hat. Kwasniok sah darüber gar die Kölner Saisonziele in Gefahr; „wenn du als Aufsteiger in der Liga bestehen willst, dann musst du dich bei Standards besser anstellen.“
Wenn du als Aufsteiger in der Liga bestehen willst, dann musst du dich bei Standards besser anstellen
Nach der Zugteilnahme am Rosenmontag steigen die Kölner am Dienstagnachmittag (14.30 Uhr) wieder ins Training ein – dann gelte der Fokus der Partie gegen Hoffenheim, sagte Kwasniok. Trainingsleistungen seien für ihn nach wie vor entscheidend bei der Gestaltung seiner Aufstellungen, sagte Kwasniok in der vergangenen Woche.

Tom Krauß und Joel Schmied am Samstag in Stuttgart
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Auch die Besetzung seiner Startelf in Stuttgart erklärte er mit den Eindrücken aus der Trainingsarbeit. Rav van den Berg, Kölns teuerster Zugang des vergangenen Sommers, habe in der zurückliegenden Woche zwei starke Einheiten geliefert. In Stuttgart gab dennoch Joel Schmied sein Comeback nach schwerer Muskelverletzung, erneut spielte van den Berg keine Minute. Das lag an der Kölner Strategie gegen Spitzenmannschaften, bei der Schmieds Physis gefragter ist als van den Bergs Eleganz im Aufbau. „Joel hat den Vorteil dieser unglaublichen Power. Wir wollten die Stuttgarter in Eins-gegen-Eins-Duelle über den gesamten Platz verwickeln und sie ein bisschen jagen. Darum hatte ich die physisch stärkste Mannschaft auf dem Feld, die mir zur Verfügung steht“, beschrieb Kwasniok nach der Partie. Der Schweizer Schmied habe Vorteile „in der Beschleunigung und beim Zupacken in den direkten Duellen. Deswegen habe ich mich für ihn entschieden, und nach der langen Verletzungspause hat er es absolut solide gemacht“, sagte Kwasniok.
Kurios-offensive Wechsel in Stuttgart
In der 68. Minute nahm Kwasniok Schmied und Cenk Özkacar vom Feld, beide Innenverteidiger also. In der Folge des 1:2 gingen dann noch die defensiven Mittelfeldspieler Eric Martel und Tom Krauß vom Platz. Eine fast beispiellos offensive Aufstellung, die Kwasniok mit dem Spielstand erklärte. „Wir lagen zurück und wollten ein Tor erzielen. Das ist leichter, wenn man ein paar Offensivspieler auf dem Feld hat“, kommentierte er: „Wir haben mit Sebulonsen und Lund zwei Jungs, die auf der Schiene spielen können, aber eben auch als Halbverteidiger. Lund hat das schon zwei, dreimal gemacht, jeweils über 20, 25 Minuten. Von Beginn an sehe ich das noch nicht, aber für eine gewisse Zeit kann er diese Räume mit seinem Tempo abdecken. Sebulonsen hatte es ohnehin zuletzt die ganze Zeit gespielt. Aus meiner Sicht war es nicht so wirklich außergewöhnlich.“
Er habe fußballerische Qualität auf dem Platz haben wollen, „und dann muss man jemanden opfern. Das war dann nicht mehr spieltaktischer Natur, es ging um andere Spielertypen“.

