Leverkusen glänzt gegen die Londoner, muss sich im Achtelfinal-Hinspiel aber mit einem 1:1 begnügen.
1:1 gegen ArsenalKai Havertz schockt Bayer 04 kurz vor Schluss

Kai Havertz nach seinem Ausgleichstreffer gegen Leverkusen
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Eine Minute vor Ablauf der regulären Spielzeit atmet Kai Havertz einmal tief durch. Dann läuft der 26-Jährige an und verwandelt den Elfmeter flach ins linke Eck. Auf einen ausschweifenden Jubel verzichtet er. Es ist ein Stich ins Herz für seinen Jugendverein Bayer 04 Leverkusen, der kurz davorstand, das Hinspiel im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Arsenal zu gewinnen, sich am Ende aber mit einem 1:1 begnügen muss. Die Entscheidung fällt am kommenden Dienstag im Rückspiel in London (21 Uhr).
Der FC Arsenal ist aktuell das Maß der Dinge im europäischen Fußball. Tabellenführer der stärksten Liga der Welt, mit acht Siegen schadlos durch die Ligaphase der Champions League marschiert. Leverkusen hinkt hingegen seinen Ansprüchen in der Bundesliga hinterher, stagnierte zuletzt in seiner Entwicklung. Vor dem Duell der beiden Teams im Achtelfinale der Königsklasse ging es eigentlich nur um die Höhe, in der das englische Topteam die Deutschen demütigen würde. Weit gefehlt. Mit einer blitzsauberen Leistung, viel Engagement und auch fußballerischen Glanzlichtern rang Leverkusen dem Favoriten immerhin ein Unentschieden ab.
Exequiel Palacios rutscht ins Team und glänzt
Trainer Kasper Hjulmand hatte etwas überraschend trotz der Defensivschwächen beim 3:3 gegen den SC Freiburg am vergangenen Wochenende keinen Anlass gesehen, viel Personal zu tauschen. Einzig Exequiel Palacios rückte für Equi Fernández in die Startelf. Der Leverkusener Trainer sollte mit dieser Einschätzung Recht behalten. Der erwartetet Offensivrausch der Dominatoren aus Nord-London blieb aus. Bayer 04 war aggressiv in den Zweikämpfen. Einzig Robert Andrich übertrieb es direkt, wandelte schon nach wenigen Sekunden am Rande einer Gelb-Roten Karte. Doch Leverkusen zog Arsenal vor allem im tief stehenden Block den Zahn. Im 5-4-1 gaben die Hausherren keine Räume preis, die wenigen Ideen des Tabellenführers der Premier League verpufften. Einzig nach Kontersituationen, wenn Leverkusen nach Offensivaktionen nicht schnell genug auf Defensive umschaltete und etwas trödelte, wurde Arsenal gefährlich. Eben nach solch einem Gegenstoß knallte Gabriel Martinelli den Ball an die Latte – die größte Chance Mitte des ersten Durchgangs.
Die Werkself hatte zwar weniger Ballbesitz, fand aber vor allem über den starken Stoßstürmer Christian Kofane immer wieder den Weg nach vorn – ohne dass sich Keeper David Raya aber auszeichnen musste. Das änderte sich direkt nach dem Wiederanpfiff, als sich Bayer mit dem Anstoß einen überfallartigen Angriff überlegt hatte. Neun Sekunden nach Beginn der zweiten Hälfte zwang Martin Terrier den Arsenal-Keeper zur Glanztat. Die folgende Ecke köpfte Robert Andrich am langen Pfosten zur Führung ins kurze Eck. Arsenal wurde mit den eigenen Waffen geschlagen, gehören doch gerade Blocksituationen bei Eckbällen zu ihrem Erfolgsgeheimnis. Bei Bayers Führung griffen Ibrahim Maza und Jarell Quansah am Rande des Legalen zu diesem Mittel.
Kai Havertz verwandelt umstrittenen Elfmeter
Mit diesem Rückschlag hatte der Favorit sichtlich nicht gerechnet. Die Engländer brauchten einen Moment, um sich über Ballbesitz wieder Sicherheit zu holen. Die Bayer-Fans in der mit 30.210 Zuschauern ausverkauften Arena spürten das die Überraschung wirklich möglich ist, feuerten nun von allen Rängen enthusiastischer an. Es war längst ein Spiel auf Augenhöhe. Die Hjulmand-Elf setzte immer wieder Nadelstiche, kam zwar selten zu Torchancen, befreite sich aber immer wieder und hatte längere Ballbesitzphasen in der gegnerischen Hälfte. Arsenal machte nicht den Eindruck, den Schalter noch einmal umlegen zu können.
Dann kam Havertz. Sechs Jahre nach seinem Wechsel von Bayer 04 auf die Insel gastierte der 26-Jährige erstmals wieder in der Bay-Arena. Ein Startelfeinsatz kam noch zu früh für den von drei Verletzungen in Serie geplagten Nationalspieler. Dafür wurde er vor dem Anpfiff mit Verspätung für zehn Jahre im Bayer-Trikot geehrt. Die Klub-Oberen Werner Wenning, Fernando Carro und Simon Rolfes überreichten Havertz ein Foto mit alten Aufnahmen. Von der Bank aus sah er, wie seine Mannschaft ins Hintertreffen geriet, kam dann rund eine Viertelstunde vor Spielende in die Partie und wurde mit angemessenem Applaus empfangen. Dann erfüllte Havertz seine sportliche Pflicht als Profi und stach den Leverkusener Fans in Herz. Der Elfmeterpfiff nach vermeintlichem Foul von Malik Tillmann an Noni Madueke war aber fraglich.
Am Samstag kommen die Bayern
Eigentlich war in Leverkusen intern klar, dass das wichtigste Spiel der kommenden Tage am Samstag gegen den FC Bayern München (15.30 Uhr, Sky) in der Bay-Arena stattfinden wird. Der Kampf um die Champions-League-Plätze in der Bundesliga hat oberste Priorität. Dabei wird es sicher auch bleiben. Nach dem Überraschungserfolg am Mittwochabend wird das Rückspiel am Dienstag aber sicher nicht komplett aus den Köpfen der Spieler zu streichen sein.

