Bayer 04 Leverkusen kämpft mit Formschwächen und Führungsvakuum. Ibrahim Maza kehrt gegen St. Pauli zurück.
Bayer 04 straucheltFührungskräfte dringend gesucht - Maza vor Rückkehr

Zeichen der Zuneigung: Leverkusens Ibrahim Maza (l.) mit Edmond Tapsoba
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Eugen Polanski legte – wohl unbewusst – den Finger in die Wunde des Gegners. Er habe erwartet, dass Bayer 04 mit einer „anderen Haltung“ in die zweite Halbzeit gehen würde, hatte Gladbachs Trainer nach dem 1:1 am vergangenen Samstag erklärt. Während die Leverkusener Verantwortlichen die Gründe für die schwache Leistung in taktischen, fußballerischen Herangehensweisen suchten, traf Polanski mit seiner Wortwahl ins Schwarze. Haltung – daran mangelte es der Werkself in den vergangenen Wochen häufig. Die Ergebnisse – mit Ausnahme des Remis in Gladbach – passten zwar, doch einen überzeugenden Eindruck hinterließ die Werkself nicht. Gerade die von Coach Kasper Hjulmand geforderten Grundtugenden ließen seine Spieler vermissen.
„Wir müssen lernen, und das gehört ja auch zur Reife einer Mannschaft“, sagt Sportgeschäftsführer Simon Rolfes. „Es gibt immer unterschiedliche Phasen in einem Spiel. Phasen, in denen der Gegner dominiert, dann gibt es Phasen, in denen wir pressen. In Situationen, in denen wir unter Druck geraten, müssen wir schneller erkennen, was dann notwendig ist.“ Von fehlender Mentalität will Rolfes nichts wissen, dennoch bleibt die Frage, ob es genug Spieler im Kader gibt, die schnell erkennen können, was notwendig ist – und das dann auch den Kollegen vermitteln. In den vergangenen Spielzeiten war es Granit Xhaka, der aus dem Zentrum Tempo im Ballbesitz und die Herangehensweise im Defensivverbund vorgegeben hatte. Doch der „Schlüsselspieler“ (Ex-Trainer Xabi Alonso) ist eines der großen Puzzleteile, das im XL-Umbruch des vergangenen Sommers herausgebrochen ist.
Im vergangenen Herbst, als es bei Bayer 04 nach dem Wechsel auf der Trainerbank von Erik ten Hag zu Kasper Hjulmand rund lief, konnte der Verlust kaschiert werden. 2026 wurde er offensichtlich. Kapitän Robert Andrich ist nahezu ausschließlich damit beschäftigt, selbst ein Niveau zu halten, das der Mannschaft gerecht wird. Alejandro Grimaldo glänzte in der Hinrunde. Doch die beiden vergangenen Auftritte lassen vermuten, dass der Spanier nun auch mal eine Talsohle durchschreiten muss. Dass Grimaldo dann in Gladbach – in Abwesenheit von Robert Andrich mit der Kapitänsbinde am Arm – Bälle verlor und auf den Versuch einer direkten Rückeroberung aufreizend lässig verzichtete, setzt ein fatales Signal. Aleix García ist neben Grimaldo einer der großen Leistungsträger in dieser Spielzeit, gilt aber ebenfalls vielmehr als Fußballfeingeist denn als Fußballarbeiter. García gestikuliert häufig nach misslungenen Aktionen – eigenen wie denen seiner Mitspieler.
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Loic Badé läuft komplett seiner Form hinterher
Der als Abwehrchef verpflichtete Loic Badé läuft komplett seiner Form hinterher, wirkt völlig verunsichert. Jonas Hofmann ist ein klassischer Rotationsspieler und ist – ähnlich wie Malik Tillman oder Patrik Schick – keiner, der mit Körpersprache seine Mitspieler mitreißen könnte. Hofmann offenbarte nach dem 1:1 in Gladbach zudem einen grundlegenden Dissens über die Spielanlage der Werkself: „Wir haben viele Spieler, die den Fußball aus anderen Zeiten spielen und den Ball gefühlt ins Tor tragen wollen. Mehr Einfachheit muss stärker in unsere Köpfe.“
Bayer strauchelt zur Unzeit: In der Bundesliga geht es um den Anschluss an die Champions-League-Plätze und in der Königsklasse steht in der kommenden Woche das Hinspiel der Playoffs bei Olympiakos Piräus (Mittwoch, 21 Uhr) an. Hoffnung bringt nach dem genesenen Exequiel Palacios ein weiterer Rückkehrer zurück. Bayer 04 gab im Sommer mehr als 200 Millionen Euro für Zugänge aus. Ibrahim Maza, der für vergleichsweise günstige rund zwölf Millionen von Zweitligist Hertha BSC kam, ist die positive Erscheinung der Saison. Gegen Frankfurt und Gladbach sowie im Pokal-Viertelfinale gegen St. Pauli fiel der 19-Jährige mit Knieproblemen aus.
Der teilweise schüchtern wirkende Berliner gilt als ausgemachter Führungsspieler der Zukunft, trat aus Enttäuschung bereits Gegenstände durch die Kabine und hat sich durch seine Leistungen erarbeitet, schon in jungen Jahren Gehör in der Mannschaft zu finden. In der Liga gegen St. Pauli am Samstag (15.30 Uhr, Sky) soll er wieder in die Startelf zurückkehren. Mit 12,4 Kilometern Laufleistung im Schnitt liegt Maza auf Rang zwei der laufstärksten Leverkusener hinter Equi Fernández (12,9 km). Eine Qualität, die nicht schaden kann, steht Bayer 04 bei der Laufleistung im Ligavergleich doch nur auf Rang 17.


