Bayer 04 hinkt dem Champions-League-Ziel hinterher – die Probleme ähneln sich Woche für Woche. Quansah mit deutlichen Worten.
„Wir spielen nicht genug zusammen“Leverkusens Quansah mit scharfer Kritik am eigenen Team

Jarell Quansah verhinderte mit seinem Treffer die Leverkusener Heimniederlage gegen Mainz 05.
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Die Lage bei Bundesligist Bayer 04 Leverkusen ist angespannt – und das nicht erst seit dem 1:1 gegen Mainz am vergangenen Samstag. Das ausgesprochene Saisonziel heißt Qualifikation für die Champions League, doch derzeit hinkt die Werkself diesem Anspruch hinterher. Als Tabellensechster trennen Bayer 04 sechs Punkte vom VfB Stuttgart, der den letzten direkten Qualifikationsplatz belegt. Ein Sieg im Nachholspiel gegen den Hamburger SV am Mittwoch würde den Rückstand auf drei Punkte verkürzen. Doch auch das würde nicht alle Leverkusener Probleme sofort lösen.
Bayer 04 mit guten Ergebnissen
Die Bilanz im Jahr 2026 liest sich auf den ersten Blick gar nicht schlecht. Den drei Niederlagen zu Beginn des Jahres gegen Hoffenheim (0:1), Stuttgart (1:4) und Piräus (0:2) folgten sieben Spiele ohne Niederlage, sechs Siege, ein Unentschieden – zudem der Einzug ins Halbfinale im DFB-Pokal und ins Achtelfinale der Champions League. Dann eine 0:1-Niederlage bei Union, ein 0:0 gegen Piräus und das 1:1 gegen Mainz.
Der FC Villarreal schickte – weil der spanische Erstligist bereits sicher ausgeschieden war – seine B-Elf auf den Rasen und verlor mit 0:3. Werder Bremen und Eintracht Frankfurt befanden sich zum Zeitpunkt der Leverkusener Siege tief in der Krise. Abstiegskandidat St. Pauli ist kein Gradmesser für eine Mannschaft mit Champions-League-Ambitionen; und auch Olympiakos Piräus war in den Playoffs der Königsklasse kein Team auf Top-Niveau. Vollends überzeugen konnte Leverkusen nur selten in den Spielen.
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Und gegen einen gut organisierten Gegner wie Mainz oder Union, der tief stand, kompakt verteidigte und auf Konter lauerte, reichte es nicht für drei Punkte. In den jüngsten drei Partien erspielte sich die Werkself gerade einmal zwölf Chancen – das entspricht den Ansprüchen einer Spitzenmannschaft in keiner Weise. Auch in den vorherigen Partien gab es kein Chancenfeuerwerk ab, sondern Bayer zeigte sich gnadenlos effizient.
Bayer-Trainer Hjulmand ratlos
Dass ein junges, international unerfahrenes Team Leistungsschwankungen zeigt, sollte niemanden überraschen. Das war einkalkuliert. Viele Profis im Kader bestreiten ihre erste vollständige Saison auf internationalem Niveau; die Anpassungsprozesse brauchen Zeit. Doch darum geht es nicht allein. Es geht um spielerische Grundlagen – und die fehlen seit Wochen: zu wenige Tiefenläufe, zu geringes Lauf- und Passtempo, ein viel zu statisches Spiel, zu wenige Offensivpower und vor allem viel zu wenig Intensität. Hjulmand selbst benennt diese Punkte bei jeder Pressekonferenz und wirkt dabei zunehmend ratlos: „Das Grundspiel war zu langsam. Deswegen ist es einfach für unsere Gegner, von der einen Seite zur anderen zu verschieben und das Spiel eng zu machen.“
Jarell Quansah, der gegen Mainz den Ausgleich erzielte, sprach nach dem Abpfiff offen aus, was viele Bayer-Fans im Stillen wohl schon länger denken: „Wir haben nicht gewonnen. Und meiner Meinung nach reicht das nicht. Wir sagen das jetzt oft in letzter Zeit: nicht genug Energie, nicht genug Intensität. Ich habe das Gefühl, wir spielen im Moment gegen uns selbst. Wir spielen nicht genug zusammen und haben unterschiedliche Ideen. Wir spielen unkoordiniert und müssen uns neu formieren.“
Bemerkenswert ist auch, dass Kapitän Robert Andrich bereits nach der 0:1-Niederlage in Hoffenheim Mitte Januar exakt dasselbe moniert hatte, auch Jonas Hofmann nach dem 1:1 in Gladbach. Der damals als Momentaufnahme deklarierte Zustand ist einige Wochen später – trotz der zwischenzeitlichen Siegesserie – noch immer derselbe. Eine Weiterentwicklung ist derzeit nicht zu erkennen.
HSV sehr heimstark
Die Ausgangslage ist aber keineswegs hoffnungslos. Sechs Punkte Rückstand auf Stuttgart, ein Spiel weniger absolviert – das ist aufholbar. Doch Dortmund, Stuttgart und Leipzig spielen in diesen Wochen konstanteren Fußball auf hohem Bundesliganiveau. Der Kalender zeigt mit zwei Auswärtsspielen keine Gnade: in Hamburg am Mittwoch, in Freiburg am Samstag.
Der HSV gilt trotz der 1:2-Niederlage gegen Leipzig als starke Heimmannschaft; Freiburg ist traditionell ein schwieriges Pflaster für Mannschaften, die nicht bereit sind, sich vollends zu zerreißen. Danach folgt das Bundesliga-Duell gegen die Bayern. Insofern sind sechs Punkte aus diesen beiden Spielen Pflicht – will die Werkself den Anschluss nicht endgültig verlieren. Damit würde sich die Lage wieder entspannen - vor allem, wenn sie neben Ergebnissen wieder besseren Fußball bietet.


