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Kommentar

Kölner Haie
Wenn nicht jetzt, wann dann?

Ein Kommentar von
3 min
Jan Luca Sennhenn lächelt nach dem Spiel.

Jan Luca Sennhenn, der Kölner Siegtorschütze.

Der KEC steht im Playoff-Halbfinale. Mit einer Mannschaft und einem Trainer, die das Zeug haben, Träume zu verwirklichen.

Prognosen sind im Eishockey oft schon nach dem ersten Drittel eines Spiels überholt. Das gilt besonders in der Deutschen Eishockey-Liga, in der die Leistungsunterschiede zwischen den Mannschaften so gering sind, dass grundsätzlich jeder jeden schlagen kann. Heißt: Auf welchen Gegner die Kölner Haie im Halbfinale auch immer treffen werden – einen deutlichen Favoriten wird es nicht geben.

Zu beobachten sind jedoch einige Punkte und Konstanten, die sich unter der Regie von Trainer Kari Jalonen, dem Architekten des aktuellen Haie-Erfolgs, im Laufe dieser bemerkenswert starken Saison herauskristallisiert haben und auch in den Playoffs zum Tragen kommen.

Zum einen hat es den Kölner Profis in dieser Spielzeit gutgetan, zu pausieren und Kraft zu schöpfen. Aus der Deutschland-Cup-Pause im November kamen sie nicht etwa eingerostet, vielmehr starteten sie ihre Rekordserie von 16 Siegen. Die Olympia-Unterbrechung im Februar bekam ihnen so gut, dass sie sich bald darauf den ersten Hauptrundensieg seit dem Jahr 2000 sicherten.

Davon ausgehend, dass sich dieser Trend fortsetzt, sollte die aktuelle Pause von acht Tagen zwischen dem letzten Viertelfinalspiel und dem Halbfinalstart den KEC also eher stärken als aus dem Rhythmus bringen. Aufgrund der Kaderbreite ist außerdem nicht damit zu rechnen, dass den Profis die Luft ausgehen könnte.

Es war eine der Lehren aus den vergangenen Playoffs, in denen die Haie, personell stark dezimiert, das Finale gegen Berlin in fünf Partien verloren. Viele KEC-Spieler waren angeschlagen oder verletzt – nach den jeweils sechs Spiele langen Serien im Viertel- und Halbfinale.

Qualität der Mannschaft deutlich größer als im Vorjahr

Jalonen bestand danach darauf, die Qualität der Mannschaft über alle Reihen hinweg zu erhöhen. Mit Erfolg: So muss er in diesem Jahr für die vierte Formation nicht allein auf Junioren zurückgreifen, sondern kann routinierte Spieler wie Dominik Uher oder Parker Tuomie einsetzen. Insgesamt hat der Trainer mehr Optionen und kann auch in den Playoffs rotieren, um angeschlagene Spieler zu schonen – was er bereits in der Serie gegen Schwenningen genutzt hat.

Und dann ist da der finnische Goalie Janne Juvonen, der im Oktober aus dem hohen Norden nach Köln kam und zum DEL-Spieler des Jahres wurde – der größte Glücksgriff dieser Saison. Einen Torhüter wie ihn braucht eine Mannschaft, die Titel gewinnen will.

Hinzu kommt: Coach Jalonen ist zwar 66 Jahre alt, aber ehrgeizig wie ein junger Trainerspunt. Der Finne, der nach der Saison in seine Heimat zurückkehrt, will sich unbedingt mit einem Titel aus Köln verabschieden. Und da die Profis ihren Bandengeneral schätzen und ihm den Traum erfüllen wollen, trägt auch das die Mannschaft.

Deshalb bleibt am Ende nur eine Prognose, die womöglich länger hält als ein Drittel: Wenn die Haie, die seit 24 Jahren auf einen Titel warten, es diesmal nicht schaffen – wann bitte dann?