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Playoff-Drama gegen SchwenningenSennhenn schießt die Haie in der 104. Minute ins Halbfinale

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Die Spieler der Kölner Haie freuen sich gemeinsam auf dem Eis.

Nach dem Sieg gegen Schwenningen stehen die Kölner Haie im DEL-Halbfinale.

Der KEC besiegte die Schwenninger Wild Wings am Dienstag dank eines Treffers des Verteidigers in der dritten Verlängerung mit 2:1 – und gewann die Viertelfinal-Serie mit 4:0. 

Die Kölner Haie haben am Dienstagabend in Spiel vier des Playoff-Viertelfinals gegen Schwenningen Überstunden leisten müssen. Vor 18.600 Zuschauern in der ausverkauften Lanxess-Arena entschieden sie die Partie erst im sechsten Drittel für sich und machten den Halbfinaleinzug per „Sweep“ perfekt. Verteidiger Jan Luca Sennhenn traf in der 104. Minute zum 2:1 (0:0, 1:0, 0:1, 0:0, 0:0, 1:0)-Erfolg über die Wild Wings, womit die Kölner die Serie mit 4:0 gewannen.

Kölner Haie stehen im DEL-Halbfinale

Mit wem es die Haie im Halbfinale, das am 8. April beginnt, zu tun bekommen, ist offen, da die anderen drei Serien noch nicht entschieden sind. „So ist Playoff-Eishockey, sehr hart physisch und mental. Respekt für den Gegner. Schwenningen hat uns sehr viel abverlangt“, sagte KEC-Coach Kari Jalonen. Jan Luca Sennhenn sei am Morgen zu spät zu einem Meeting gekommen, fügte er hinzu – und scherzte: „Vielleicht brauchte er ein bisschen mehr Schlaf.“ Bis zur 59. Minute hatten die Haie 1:0 geführt, dann aber den Ausgleich kassiert.

Sennhenn meinte: „Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ich schieße nicht ganz so viele Tore, aber vielleicht wichtige.“ Und: „Wir haben einen tiefen Kader und können über vier Reihen gleich stark spielen.“

Der Haie-Trainer hatte die Sturmreihen verändert. Der Finne Juhani Tyrväinen und Marco Münzenberger kamen ins Team, Tanner Kero und Frederik Storm blieben draußen. Im ersten Drittel, das torlos blieb, versuchten die Schwenninger, das Spiel zu machen und die Kölner vom eigenen Tor fernzuhalten. Es entwickelte sich eine enge Partie, in der die Gäste viel versuchten, aber kaum Lösungen gegen die strukturierte Defensive der Haie fanden. Zudem war  Goalie Janne Juvonen gewohnt sicher.

Im Mitteldrittel kamen die Haie auch offensiv besser ins Spiel, begünstigt durch Strafzeiten des Gegners. Schwenningens Kyle Platzer kassierte in der 23. Minute zwei plus zwei Strafminuten wegen hohen Stocks. Die Kölner nutzten das Powerplay schnell zur Führung: Patrick Russell überwand Joacim Eriksson aus kurzer Distanz zum 1:0, nachdem Louis-Marc Aubry den Puck von hinter dem Tor vors Tor gespielt hatte; es war das erste Playoff-Tor des Haie-Topscorers der DEL-Hauptrunde.

Die Überzahl lief weiter – und beinahe wäre ein weiteres Tor gefallen, doch Dominik Bittner verhinderte es, als er im letzten Moment auf der Linie klärte. Ab etwa der 30. Minute wurden die Schwenninger wieder aktiver und setzten sich häufiger im Angriffsdrittel fest – Juvonen blieb jedoch zunächst unbezwungen.

Im Schlussdrittel erhöhten die Gäste den Druck. Zwei Pfostentreffer sprangen dabei heraus, zunächst jedoch kein Tor. Das Spiel wogte hin und her, die Zeit lief herunter, und die Haie wirkten in dieser Phase zu passiv, wollten den Vorsprung verwalten – und das misslang.

Zweieinhalb Minuten vor dem Ende verließ Eriksson das Eis zugunsten eines zusätzlichen Feldspielers. Nach den Empty-Net-Toren in den beiden Spielen zuvor hatte Schwenningen diesmal Erfolg: Mirko Höfflin erzielte vom linken Bullykreis aus das 1:1, das sich die Gäste verdient hatten. Es ging in die Verlängerung, die in den Playoffs in ganzen Dritteln gespielt wird. Die Haie agierten nun aggressiver, suchten häufiger den Weg zum Tor und kombinierten flüssiger. Tyrväinen spielte inzwischen mit getapter Nase. Schwenningen hielt weiter dagegen und kam auch zu Chancen.

Ein Treffer fiel aber auch in der zweiten Overtime nicht – auch weil sich die Torhüter Juvonen und Eriksson gegenseitig mit starken Paraden übertrafen. So ging es ins sechste Drittel, in dem Sennhenn die Haie mit einem Weitschuss zum 2:1 erlöste – es war da schon nach halb zwölf.

Kölner Haie: Juvonen – Kaski, Austin – Kemiläinen, Vittasmäki – Müller, Sennhenn – Glötzl – Russell, MacLeod, Schnarr – Bokk, Aubry, Tuomie – Niedenz, Tyrväinen, Kammerer – M. Münzenberger, van Calster, Uher. – Zuschauer: 18.600 (ausverkauft). – Schiedsrichter: Kozari, Schrader. – Strafminuten: Köln 14/Schwenningen 30. – Tore: 1:0 Russell (23:36), 1:1 Höfflin (58:05), 2:1 Sennhenn (103:37).