Mit dem eigenen Handy eine Bewerbung schreiben oder Wohnung finden, das ist Inhalt eines von„ wir helfen“ geförderten Caritas-Projekts.
Projekt der Caritas KölnDigitale Kompetenzen für benachteiligte Schüler*innen

Marie Janssen leitet das Projekt Digibike, das Jugendlichen in benachteiligten Veedeln Kölns digitale Komeptenzen vermittelt.
Copyright: Arton Krasniqi
Der Weg in die digitale Welt beginnt bei Kindern immer früher: 70 Prozent aller Erstklässlerinnen und Erstklässler nutzen ein eigenes Handy oder Tablet, nahezu alle Jugendlichen im Teenageralter sind online unterwegs. Man könnte meinen, diese „Digital Natives“, also Menschen, die von klein auf mit digitalen Geräten vertraut sind, seien kompetenter im Umgang mit Smartphone, Tablet und PC als Generationen davor.
Doch „mehr als klicken und wischen können sie nicht“, so das nüchterne Fazit der Bildungsforscherin und wissenschaftlichen Leiterin der ICLIS-Studie Birgit Eickelmann. Die internationale Vergleichsstudie untersucht alle fünf Jahre die computer- und informationsbezogenen Fähigkeiten von Achtklässlern weltweit – zuletzt im Jahr 2023.
Jeder zweite Achtklässler hat nur geringe digitale Fähigkeiten
Das erschreckendes Studienergebnis für deutsche Schülerinnen und Schüler dieser Jahrgangsstufe: 40 Prozent von ihnen verfügen nur über sehr geringes Know-how im sachkundigen Umgang mit Computern. An den nicht gymnasialen Schulen trifft das sogar auf jeden zweiten Schüler, beziehungsweise jede zweite Schülerin zu.
Ein verschwindend geringer Anteil, nämlich lediglich 1,1 Prozent, nutzt digitale Medien kompetent und produktiv, ist beispielsweise in der Lage, sich Informationen selbstständig zu beschaffen, sie einzuordnen und zu bewerten oder sie produktiv weiterzuverarbeiten, etwa in einer Präsentation oder in einem digitalen Bewerbungsschreiben. Längst wissenschaftlich erwiesen ist auch: Digitale Kompetenzen sind an soziale, kulturelle und strukturelle Faktoren gekoppelt.
Ohne ausreichende digitale Kompetenzen kaum Job-Aussichten
Was bedeutet, dass Kinder und Jugendliche, die aus einkommensschwachen und bildungsfernen Familien stammen, eine Migrations- oder Fluchtgeschichte haben oder eine Beeinträchtigung, oft technisch schlechter ausgestattet, sprachlich benachteiligt und weniger vertraut sind mit den Chancen und Risiken digitaler Medien.
„Genau diese jungen Menschen möchten wir in ihren digitalen Fähigkeiten stärken, so dass ihnen der Einstieg ins Erwachsenen- und Berufsleben leichter gelingt“, sagt Marie Janssen, die mit dem Projekt „Digibike“ der Caritas Köln und ihrem Elektroroller seit vier Jahren vor allem Förderschulen und Jugendzentren in sozio-ökonomisch benachteiligten Stadtteilen Kölns erreicht – und damit Jugendliche dort, wo sie sich aufhalten.
Die meisten von ihnen haben noch nie eine E-Mail geschrieben. Denen müssen wir erst mal erklären, wie sie eine Mailadresse anlegen oder ein offizielles Anschreiben formulieren
„Die meisten von ihnen haben noch nie eine E-Mail geschrieben. Denen müssen wir erst mal erklären, wie sie eine Mailadresse anlegen oder ein offizielles Anschreiben formulieren“, sagt Janssen. An diesem Februar-Vormittag ist die Medienpädagogin von der Caritas Köln zu Besuch in der Gertrud-Bollenrath-Förderschule in Lindweiler, an der Schülerinnen und Schüler im Förderschwerpunkt Lernen und emotional-soziale Entwicklung gestärkt werden.
Im heutigen „Digibike“-Workshop erstellt Marie Janssen gemeinsam mit sieben Schülerinnen und Schülern der 10. Klasse eine digitale Bewerbungsmappe – und zwar mit deren eigenem Smartphone. Ausnahmsweise dürfen sie dafür ihre Handys aus dem Korb nehmen, in dem sie während eines normalen Schulalltags bis zum Ende verwahrt werden.
Mit dem eigenem Handy zur Ausbildung, zum Job, zur Wohnung
„Unsere Workshops sind partizipativ, selbstwirksamkeitsfördernd und ressourcenorientiert konzipiert und beruhen auf dem so genannten Boyd-Ansatz. Das heißt, die Schülerinnen und Schüler arbeiten mit ihren eigenen Smartphones – und nutzen nicht die oft in der Schule eingesetzten Tablets. Der Vorteil ist, dass sie mit ihrem eigenen Gerät vertraut sind und lernen sollen, bewusst damit umzugehen. Ihr späteres Leben, ihre Ausbildung und ihr Beruf verlangen von ihnen einen souveränen und selbstsicheren Umgang mit digitalen Medien. Wie könnten sie es besser lernen, als täglich daran zu üben, in der Schule und auch danach?“, sagt Janssen.
Die sieben Schülerinnen und Schüler der Gertrud-Bollenrath-Schule verfolgen aufmerksam und interessiert den 2 1/2-stündigen Workshop, diskutieren über das perfekte Bewerbungsfoto – und über No-Gos, über nötige und unnötige Inhalte eines Lebenslaufs, eines guten Anschreibens – und erstellen mithilfe einer speziellen App am Ende ihre eigene Bewerbungsmappe.
Caritas Köln möchte 1.000 Schülerinnen digital stärken
Ein Schüler, der seinen Namen nicht in der Zeitung abgedruckt sehen möchte, ist begeistert: „Ich bin nicht mehr auf fremde Geräte und kostenpflichtige Programme angewiesen. Ich kann meinen Lebenslauf jetzt einfach auf meinem Handy schreiben, ändern und direkt Bewerbungen online verschicken. Egal wo ich bin. Das ist cool.“
In anderen – auch von „wir helfen“ geförderten „Digibike“-Workshops an derzeit acht Kölner Kooperationsschulen geht es um Online-Wohnungs- und Jobsuche und um Online-Plattformen, auf denen man nach Jobs suchen kann. Allein im Jahr 2025 haben 261 Schülerinnen und Schüler von Digibike profitiert. „Unser Ziel ist es, mindestens 400 Jugendliche über Workshops und die Offenen Sprechstunden in Bildungseinrichtungen und mindestens 600 weitere über Social-Media-Kanäle zu erreichen“, sagt Janssen.
Mit „Digibike“ und dem Partnerprojekt „Safe Surf“, in dem es um das Thema Internetsicherheit, den Umgang mit Cybermobbing und Fake News geht, schließt die Caritas Köln nicht nur eine Lücke im Schulsystem – in dem die Vermittlung digitaler Kompetenzen noch immer nicht fest im Lehrplan verankert ist – sie trägt auch zur Chancengleichheit bei.
Denn auch das hat die ICLIS-Studie gezeigt: Wenn 50 Prozent der, vor allem benachteiligten Jugendlichen, in einer von digitalem Wandel geprägten Gesellschaft über nicht ausreichende Fähigkeiten verfügen, sie etwa nicht in der Lage sind, Online-Stellenanzeigen zu finden oder eine digitale Bewerbung zu schreiben, verringert das ihre Job-Chancen. Nicht zuletzt verstärkt es die soziale Ungleichheit, „gefährdet die Demokratie und erhöht die Extremismusgefahr“, warnt Birgit Eickelmann . Denn: „Diese Jugendlichen sind nicht nur abgehängt, sondern auch offen für Fake News.“
So können Sie helfen

Auszug aus dem neuen wir helfen-Folder 2025_2026
Copyright: Agentur Malzkorn
- Mit unserer neuen Jahresaktion „wir helfen: Kinder frühzeitig auf einen guten Weg zu bringen“ bitten wir um Spenden für präventive Projekte in Köln und der Region, die gefährdete Kinder und Jugendliche schützen, fördern und ihnen zu einer guten Zukunftsperspektive verhelfen.
- Die Spendenkonten lauten: wir helfen e.V."
- Kreissparkasse Köln, IBAN: DE03 3705 0299 0000 1621 55
- Sparkasse Köln-Bonn, IBAN: DE21 3705 0198 0022 2522 25
- Wünschen Sie eine Spendenbescheinigung, geben Sie bitte +S+ im Verwendungszweck an. Sollten sie regelmäßig spenden, ist auch eine jährliche Bescheinigung möglich. Bitte melden Sie sich hierzu gerne per E-Mail bei uns. Soll Ihre Spende nicht veröffentlicht werden, notieren Sie +A+ im Verwendungszweck. Möchten Sie anonym bleiben und eine Spendenbescheinigung erhalten, kennzeichnen Sie dies bitte mit +AS+.
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- Möchten Sie anlässlich einer Trauerfreier, einer Hochzeit oder eines Geburtstags zu einer Spendenaktion aufzurufen, informieren Sie uns bitte vorab per E-Mail über die Aktion. Sehr gerne lassen wir Ihnen dann, zwei Wochen nach dem letzten Spendeneingang, die gesammelte Spendensumme zukommen.
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- Mehr Infos und die Möglichkeit, online zu spenden, finden Sie auf unserer Vereinshomepage www.wirhelfen-koeln.de

