Wo einst Kohle gebaggert wurde, werden in Zukunft Impfstoffe verarbeitet. Der Maschinenbauer Gea hat rund 80 Millionen Euro investiert.
ElsdorfGea eröffnet High-Tech-Fabrik im rheinischen Braunkohlerevier

In der neuen Gea-Fabrik in Elsdorf werden Anlagen zur Gefriertrocknung von Impfstoffen gebaut.
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Der Düsseldorfer Maschinen- und Anlagebauer Gea hat mitten im rheinischen Braunkohlerevier ein neues Entwicklungs- und Produktionszentrum errichtet. 80 Millionen Euro ließ sich das Dax-Unternehmen den Neubau in Elsdorf kosten. In den vergangenen zwei Jahren ist dort auf rund 45.000 m² Fläche eine Kombination aus modernen Büros, Lager und Fertigung entstanden.
Anlage trocknet Impfstoffe bei Minustemperaturen
Gea-Chef Stefan Klebert nennt das Ergebnis bei der Eröffnung am Mittwoch „ein absolutes Highlight“. Produziert werden dort fortan Gefriertrocknungsanlagen für die Pharmaindustrie. Sie sind in der Lage, bei Temperaturen von 50 Grad unter dem Gefrierpunkt flüssigen Impfstoffen die Feuchtigkeit zu entziehen. Das geschieht in einem mehrstufigen Verfahren so schonend, dass die enthaltenen Proteine und Viren keinen Schaden nehmen. Zurück bleibt ein Pulver, das in den Arztpraxen durch Zugabe von Wasser wieder verflüssigt und per Injektion verabreicht werden kann. Der Umweg über die Trocknung hat den Vorteil, dass die Vakzine im Pulver-Zustand robuster und deutlich länger haltbar sind.
2200 Solarmodule liefern der Fabrik Strom
Das neue Gea-Werk, nur wenige Kilometer vom Tagebau Hambach entfernt, setzt Standards nicht nur in der Produktionsweise, sondern auch in Sachen Nachhaltigkeit. 2200 Solarmodule auf dem Dach gewähren eine autarke Grundversorgung, Wärmepumpen und begrünte Dachterrassen sorgen für weitere Energieersparnisse. Gea selbst spricht von einer „Fabrik der Zukunft“, in der eine digitale Lagerverwaltung ebenso eine Rolle spielt wie erste Experimente mit Schweißrobotern in der Fertigung.
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Elsdorf ist die größte Einzelinvestition von Gea seit Jahren und ersetzt eine ältere Fertigung in Hürth. Alle rund 250 Arbeitsplätze blieben erhalten. „Das ist der entscheidende Faktor für die Standortentscheidung gewesen“, erläutert ein Gea-Sprecher. Die Fachkräfte vor Ort seien auch ganz überwiegend dem Unternehmen treu geblieben, trotz der gut 30 Kilometer Entfernung vom alten Standort in Hürth.
Drei Stromnetze werden parallel betrieben
Der war über die Jahre wegen des wachsenden Bedarfs an Gefriertrocknung immer wieder erweitert worden. In Elsdorf gibt es nun statt der bisherigen acht kleineren Lager ein Zentrallager, statt vier Montagehallen ebenfalls nurmehr eine. Das vereinfacht Prozesse und verkürzt die Transportwege. Die mehr als 20 Meter hohe Produktionshalle lässt den an der Decke verbauten Kränen genügend Raum, um die tonnenschweren Gefriertrockner zu greifen und zu bewegen.
Drei Stromnetze sind parallel installiert. Ein europäisches, ein US-amerikanisches und ein drittes, bei dem Spannung und Stromstärke nach Bedarf angepasst werden können. Das ermöglicht es, Anlagen für unterschiedliche Absatzmärkte zu konfigurieren und zu testen. Denn die High-Tech-Maschinen aus Elsdorf gehen längst nicht nur ins europäische Ausland, sondern finden Abnehmer in der ganzen Welt.

