Der deutsche Automarkt wächst wieder. Dabei verschiebt sich das Gewicht immer mehr vom Verbrennungs- zum Elektromotor. Ford verkaufte mehr E-Autos.
Neuwagen-MarktKaufprämie und Ölkrise lassen E‑Autos boomen – Ford profitiert

Ein weißer Ford Explorer kurz vor der Abnahme in den Fordwerken in Niehl. Im Hintergrund ein ebenfalls elektrischer Ford Capri.
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Ein Boom bei Elektroautos bewahrt den deutschen Markt vorerst vor dem nächsten Einbruch. Im April hatte jeder vierte Neuwagen keinen Verbrennungsmotor mehr an Bord. Das starke Wachstum im E-Segment konnte den Rückgang bei klassischen Verbrennern mehr als ausgleichen: Insgesamt wurden im vergangenen Monat knapp 250.000 Pkw neu zugelassen, 2,7 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Sondereffekte oder stabiler Trend? „Das aktuelle Plus auf dem deutschen Neuwagenmarkt ist vor allem auf die neue staatliche Förderung für E-Autos zurückzuführen“, sagt Constantin Gall, Branchenexperte bei der Unternehmensberatung EY. Die angekündigte Kaufprämie kann zwar noch gar nicht beantragt werden – das Internetportal dafür ist noch nicht fertig – sie soll aber rückwirkend für Käufe ab dem Jahresbeginn gelten.
Einbruch nach Auslaufen der Förderung
Nach den Erfahrungen mit früheren Prämien bleibt Gall jedoch skeptisch: „Nach Auslaufen der Förderung wird der Elektroabsatz wieder einbrechen.“ Allerdings sorgen auch die hohen Spritpreise für wachsendes Interesse. „Die Entwicklung an den Tankstellen beschleunigt den strukturellen Wandel im Automobilmarkt spürbar“, sagt Burkhard Weller, Präsident des Verbands der Automobilhändler Deutschlands.
Auch der Autobauer Ford, größter industrieller Arbeitgeber der Stadt Köln, profitiert von der gestiegenen Nachfrage nach vollelektrischen Autos. Insgesamt hat Ford im April 5148 Personenkraftwagen in Deutschland verkauft, wie ein Ford-Sprecher auf Nachfrage mitteilte. Davon waren dem Sprecher zufolge bereits mehr als 40 Prozent rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge.
40 Prozent E-Autos bei Ford
„Schon der März zeigte einen Anstieg der Verkaufszahlen für unsere elektrischen Modelle auf über 30 Prozent, im April konnten wir das nochmals auf 40 Prozent steigern, und unsere Bestelldaten zeigen, dass sich dieser Trend fortsetzen wird“, sagte der Ford-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz, Christoph Herr, am Donnerstag im Interview mit unserer Redaktion.
Ford hatte vor drei Jahren die Produktion des benzinbetriebenen Verbrennerfahrzeugs Fiesta in seinem Kölner Werk eingestellt. Danach wurde das Werk zu einer Fabrik ausschließlich zur Produktion von elektrischen Fahrzeugen umgebaut. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten laufen nun in Köln die reinen E-Modelle Ford Explorer und Ford Capri vom Band.
Explorer und Capri aus Köln
Der Ford Explorer ist am ehesten das Volumenmodell des Kölner Autobauers. Im April wurden laut Ford 879 davon verkauft. Das zweite Modell Ford Capri, eine Art viertüriges Coupé, wurde im gleichen Zeitraum 455 Mal geordert. Vom ebenfalls elektrischen Crossover Puma Gen-E wurden im April 598 Fahrzeuge hergestellt. Der Ford Puma Gen-E läuft im rumänischen Craiova vom Band.
In einer Umfrage hätten 84 Prozent der befragten Mitglieder von einer steigenden Nachfrage nach elektrischen Neuwagen berichtet, 60 Prozent auch von wachsendem Interesse an elektrischen Gebrauchten. Das deckt sich mit Zahlen der Vermittlungsplattformen Autoscout24 und Leasingmarkt.de.
Das Interesse an E-Autos ist demnach schon im Januar mit der Ankündigung der Kaufprämie gestiegen und hat im März mit dem Sprung der Spritpreise weiteren Schub bekommen. Beim Kauf eines Neuwagens zielten im April 36 Prozent der Anfragen auf ein E-Auto, beim Leasing waren es sogar 57 Prozent.
Alte Zahlen unerreichbar
Insgesamt bleibt der deutsche Automarkt auf Erholungskurs, kommt aber nicht zum Niveau der Vor-Corona-Zeit zurück. In den ersten vier Monaten dieses Jahres kamen knapp 950.000 Neuwagen auf Deutschlands Straßen, 4,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In den ersten vier Monaten 2019, dem letzten Jahr vor der Pandemie, wurden allerdings noch 1,2 Millionen Autos verkauft.
Aktuell entfällt gut ein Viertel des Geschäfts auf reine E-Autos. Im April waren das 64.350 Neuwagen, 41 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Knapp 98.000 Fahrzeuge werden von einer der verschiedenen Hybridvarianten angetrieben, ein Zuwachs um 6 Prozent. Die Zahl der reinen Benziner schrumpfte dagegen um 20 Prozent auf 53.420 Neuwagen, Dieselverkäufe gingen um weitere 14 Prozent auf 32.437 Autos zurück.
Größter Zuwachs beim E-Auto-Verkauf verzeichnet Opel
Bei den alternativen Antrieben, neben Elektro auch Hybrid, Brennstoffzelle, Gas oder Wasserstoff ist Volkswagen auf das ganze Jahr betrachtet die Nummer eins mit 61.000 verkauften Autos. Dahinter folgen BMW (49.000) und Mercedes (47.300).
Bei den importierten E-Autos liegt die Volkswagen-Tochter Skoda mit 24.600 Fahrzeugen vor der anderen VW-Tochter Seat (16.000) und dem japanischen Hersteller Toyota. Den größten Zuwachs bei Elektroautos in den ersten vier Monaten hatte allerdings Opel mit einem Anstieg um 180 Prozent.
