Am Hansaring verabschiedet sich nach 13 Jahren ein veganes Café. Betreiberin Annika Heil sagt Tschüss – aus persönlichen Gründen.
Nach 13 JahrenVeganes Café in Köln schließt seine Türen

Das Café Hibiskus in der Innenstadt macht dicht.
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Wer dieser Tage das Café Hibiskus am Hansaring betritt, stößt an der Theke auf einen Block mit Papier und Stift. Gäste können dort notieren, was sie unbedingt noch essen oder trinken möchten, bevor es zu spät ist. Denn das Café schließt: Am 10. Mai ist nach 13 Jahren Schluss – leise, mit einem Glas Sekt, ohne großes Abschiedsspektakel.

Die Wunschliste für die letzten Tage im Café Hibiskus.
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Warum? Die Antwort von Betreiberin Annika Heil ist persönlich. Hauptberuflich arbeitet sie als Sozialarbeiterin, das Hibiskus war immer ein Herzensprojekt – aber nie darauf ausgelegt, den Lebensunterhalt zu sichern. „Dafür hätte man vieles anders machen müssen“, sagt sie.
Café Hibiskus in Köln schließt
Jetzt steht eine Veränderung an, die alles neu ordnet: Heil wird Mutter. Ende Juni kommt ihr Baby. Und drei große Lebensprojekte gleichzeitig – Job, Café, Kind – seien für sie nicht zu stemmen. Weil sie weiterhin Geld verdienen müsse, bleibe nur, das Café aufzugeben. Eine nüchterne Entscheidung, auch wenn sie sich wünschte, Zeit und Energie ließen sich endlos vervielfachen.

Das Café Hibiskus von außen in der Ritterstraße, in der auch ein Tattoo-Laden, Record-Store und Comicgeschäft zu finden sind.
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Dass das Hibiskus nie ihr Hauptberuf war, macht den Schritt nur ein wenig leichter. Die Momente tiefer Erschöpfung, von denen Heil berichtet, und das beschwerlicher werdende Stehen und Laufen mit wachsendem Bauch zeigten ihr: Die Entscheidung ist schwer, aber richtig.
Veganes Café in Köln mit großer Auswahl
Was das Hibiskus von Anfang an ausgezeichnet hat: Vom Kuchen über die Waffel bis hin zur herzhaften Quiche ist alles vegan. Pflanzliche Küche gehörte schon immer zu ihrem Alltag – ob beim Kochen für Bands oder im Freundeskreis. Gerade in den Anfangsjahren war das in Köln noch besonders. Die Auswahl an veganen Angeboten war klein, viele Gäste entsprechend überrascht, wie vielfältig das kleine Café Hibiskus daherkam.

Im Café Hibiskus isst man vegan.
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Bis heute sieht Heil darin einen Unterschied zu vielen anderen Betrieben: „Bei etlichen gibt es viel Standard. Hier wechselt die Karte ständig.“ Genau das hätten viele Stammgäste geschätzt. Gefragt nach ihren eigenen Lieblingsorten in Köln muss Heil nicht lange überlegen: Das vegane „Nobiko“ in Kalk und das Café „Tulpe und Toast“ in Ehrenfeld, das ebenfalls fast ausschließlich vegane Speisen anbietet, zählen für sie zu den festen Adressen für Essen, Kaffee und Kuchen in der Stadt.
Highlights: Konzerte, Stammgäste und ein Hobbit
Zu den schönsten Erinnerungen im eigenen Café zählen für sie die kleinen Konzerte, zuletzt im März, und die Begegnungen mit Gästen. Manche wurden über die Jahre zu Freunden. Ein Paar habe sie von ihrem ersten Date bis zum Zusammenkommen begleitet.
Sogar prominenter Besuch schaute vorbei: Martin Freeman, bekannt aus „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ und der Serie „Sherlock“, trank hier einmal ganz unaufgeregt eine Limo. Kein Aufsehen, kein Trubel – gerade das machte den Moment besonders.
Tiefpunkte: Reparaturen und wildpinkelnde Männer
Ganz ohne Schwierigkeiten lief es in 13 Jahren natürlich nicht. Die Pandemie sei zwar anstrengend gewesen, aber dank finanzieller Absicherung kein existenzielles Problem. Schwerer wogen andere Dinge: Personalprobleme, die nicht gut endeten. Dinge, die ausgerechnet dann kaputtgingen, wenn kein Geld da war.
Die Baustelle des benachbarten Hansa-Gymnasiums – und die Magnetwirkung, die die Bauzäune offenbar auf wildpinkelnde Männer ausübten. Oder eine schlechte Bewertung mit der lapidaren Begründung, es sei sonntagnachmittags zu voll gewesen.
Café Hibiskus: Was passiert als nächstes?
Noch ist nicht spruchreif, was aus den Räumlichkeiten in der Ritterstraße wird. Wenn alles nach Plan läuft, wird dort künftig keine Gastronomie mehr einziehen. In der Woche nach dem letzten Tag ist ein Flohmarkt geplant, um das Mobiliar loszuwerden – eine Ankündigung soll über die sozialen Medien erfolgen.

Die Inneneinrichtung im Café Hibiskus.
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Für Heil ist das Ende des Hibiskus kein Abschied von der Gastronomie. Sie könne sich kaum vorstellen, nicht mehr Gastgeberin zu sein. „Das Café war fast wie ein zweites Wohnzimmer", sagt sie. Finanziell habe es wenig abgeworfen – emotional umso mehr. Deshalb schließt sie ein neues Projekt nicht aus. Am ehesten kann sie sich vorstellen, einen bestehenden Laden zu übernehmen, statt noch einmal ganz von vorne anzufangen. Doch sie weiß auch, wie schwer das Geschäft ist. „Ein bisschen Realität muss sein“, sagt sie – und erinnert dabei an das Kölner Café Bauchgefühl, das kürzlich von Betrügern um viel Geld gebracht wurde.
Wie lange hat das Café Hibiskus noch auf?
Auf der Ritterstraße, von der Heil sagt, dass sie sie mit all ihren Freaks - Tattoostudio, Comicladen und Recordstore beispielsweise - wirklich liebe, trifft Heil einen Nachbarn. Er ist sichtlich überrascht, als er von der Schließung erfährt. Kurz darauf trudeln Gäste ein, die sich mit Heil unterhalten. Man hört schnell heraus: Sie wollten noch einmal vorbeikommen, bevor es zu spät ist. Als Stammgäste wussten sie schon länger von der bevorstehenden Schließung. Eine junge Kollegin schaut kurz aus der Tür. Sie hat Probleme beim Sahneschlagen. Und Heil geht wieder rein, weiter bewirten – in ihrem zweiten Wohnzimmer.

Die Theke mit Kuchenvitrine im Café Hibiskus.
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Auf der Wunschliste an der Theke stehen inzwischen einige Punkte: Erdnussschokotarte, Torta de la Nonna, Zimtschnecken oder Erdbeer-Maulwurfkuchen. Eine Liste, die weiterwächst. Heil muss sich ranhalten, um möglichst viele dieser Wünsche noch zu erfüllen. Bis zum 10. Mai. hat sie noch. Dann kann sie sich ganz auf ihr neues Projekt „Baby“ konzentrieren.
