„Das Motto ist kein naives ‚Alles wird gut‘“, sagt der scheidende Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn zum neuen Sessionsmotto.
Zugleiter lüftet GeheimnisNeues Kölner Karnevals-Motto ist so politisch wie lange nicht mehr

Das Motto für die nächste Session lautet „Morje es, wat Do drus mähs!“
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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, heißt es im Fußball. Im Kölner Karneval dagegen wird der Blick schon auf die nächste Session gerichtet, wenn die laufende noch im Gange ist. Als der letzte Wagen des Rosenmontagszuges gestartet war, verkündete Zugleiter Marc Michelske das Motto für 2026/2027: „Morje es, wat do drus mähs!“
Damit will das Festkomitee nach eigenen Angaben das Thema Zukunft in all seinen Facetten in den Blickpunkt rücken. Zugleich soll es als Aufforderung verstanden werden, nicht nur zu meckern und zu klagen, sondern selbst mit anzupacken. Der scheidende Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn erklärt: „Wir alle verzweifeln manchmal an den ganz großen Themen unserer Zeit: ob kriegerische Auseinandersetzungen, weltweite Krisen, steigende Inflation oder Rentenlücke.“ Dabei verliere man oft aus dem Blick, dass man selbst etwas unternehmen könne.

Das Logo des nächsten Sessionsmottos
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Michelske, der als Zugleiter als einer der ersten im Ziel des Zochs an der Gregorius-Maurus-Straße angekommen war, hatte sich von dort wieder zurück auf den Weg in die Südstadt gemacht, um vor den Fernsehkameras am Severinskirchplatz das neue Motto zu enthüllen. Das Logo gleicht einem Steuerrad eines Schiffes. „Vom wertschätzenden Umgang miteinander über Hilfsbereitschaft im Alltag bis zum Energiesparen und nachhaltigem Handeln ganz allgemein: Jeder von uns entscheidet mit, welchen Kurs wir steuern und wie das Morgen aussehen wird“, so Kuckelkorn weiter. Und schiebt hinterher: „Also: Arsch huh und anpacken!“
Kölner Sessionsmotto 2026/27: „Morje es, wat do drus mähs!“
Der Aufruf, selbst aktiv zu werden, sei auch ein klares Statement all jenen gegenüber, die in der Social-Media-Blase Hasskommentare abgeben und zur Spaltung der Gesellschaft beitragen. „Nur, wer sich mit anderen austauscht und gemeinsam nach Lösungen sucht, wird am Ende erfolgreich sein – das nennt man Demokratie“, betont Kuckelkorn und begründet, warum das Festkomitee ein sehr politisches Motto gewählt hat: „Gerade in einer Zeit der weltweit stärker werdenden Autokraten ist es wichtig, zu spüren, dass man selbst etwas bewegen kann. Wir sind nicht ohnmächtig – weder in unserer kleinen Welt des Karnevals, noch in der Stadtgesellschaft, noch in der Gesellschaft insgesamt.“
Ähnlich wie beim diesjährigen Sessionsmotto, mit dem das Ehrenamt in den Fokus gerückt worden war, hoffen Kuckelkorn und Co., dass „Morje es, wat do drus mähs!“ besonders vielfältig von den Jecken interpretiert wird. Als Beispiel nennt das Festkomitee das Thema Nachhaltigkeit – auch bei der Wiederverwendung von Kostümen – oder die Gründung einer Kölsch-AG, damit Sprache und Liedgut in Köln auch zukünftigen Generationen erhalten bleiben. Wie berichtet hinterfragt sich auch das Festkomitee: Das wissenschaftlich begleitete Projekt „Alaaf 2040“ soll definieren, in welche Richtung sich der Karneval entwickeln müsste, um zukunftsfähig zu bleiben.
Kuckelkorn: „Das Motto ist kein naives ‚Alles wird gut‘. Im Gegenteil: Wenn nicht jeder mit anpackt, wird die Zukunft ganz sicher nicht rosarot.“ Und weiter: „Wir sind jetzt schon darauf gespannt, welche kleineren und größeren Zukunftsprojekte die kölschen Jecken in den nächsten Monaten anstoßen werden – im Karneval oder in anderen Bereichen des Lebens.“

