Vergleichbare Relikte der römischen Antike kennt man sonst nur aus Pompeji und Herculaneum, von der Lava eines Vulkanausbruchs konserviert.
Einzigartig nördlich der AlpenHerausragende archäologische Funde auf der Miqua-Baustelle

Ein Stück der Altarplatte, die auf der Miqua-Baustelle gefunden wurde.
Copyright: Alexander Schwaiger
Bei den Ausgrabungen unter dem Rathausplatz, auf dem das jüdische Museum Miqua entsteht, haben die Archäologen einen herausragenden Fund gemacht: Tief unter dem Straßenniveau der Altstadt haben sie einen gut erhaltenen vorchristlichen Hausaltar aus dem 2. Jahrhundert entdeckt, ein sogenanntes Lararium. Am Montag hat die Stadt den Fund präsentiert.
Dieser suche nördlich der Alpen seinesgleichen, sagten Marcus Trier, Direktor des Römisch-Germanischen Museums, und Michael Wiehen, Leiter der Archäologischen Zone. Vergleichbare Relikte der römischen Antike kenne man sonst aus Vesuvstädten wie Pompeji und Herculaneum, die beim Vulkanausbruch im Jahr 79 nach Christus untergingen.
Schrein soll in den Parcours durch die Archäologische Zone integriert werden
Der Kölner Schrein ist eine Rundbogennische, von deren vielfarbiger Bemalung Reste erkennbar sind, ebenso wie Rußspuren von Kerzen. Unterhalb der Nische war eine Altarplatte angebracht. Sie ist abgebrochen, aber an Ort und Stelle gefunden worden und wird im Rahmen der Restaurierung wieder eingesetzt. Lararium heißt das kleine, wohl für die Bediensteten des römischen Statthalters bestimmte Heiligtum, weil hier die Laren, die Schutzgötter des Hauses, verehrt wurden.
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Zum Ritual sagte Trier, es seien Götterstatuetten und Räucherpokale aufgestellt sowie Trank- und Speiseopfer dargebracht worden. Außerdem habe man Girlanden aufgehängt. Der Kultschrein soll in den etwa 600 Meter langen Parcours integriert werden, der in der Archäologischen Zone als unterirdischer Teil des Museums geschaffen wird und 2000 Jahre Stadtgeschichte erlebbar macht.
Weitere Fundstücke werden den Parcours bereichern
Zum Beispiel dadurch, dass den Besuchern und Besucherinnen die Schichtungen des Mauerwerks verschiedener Epochen vor Augen geführt werden. „Hier stößt das 1. Jahrhundert gegen das Mittelalter“, sagte Wiehen in einem Raum, in dem später einmal das Dekret Kaiser Konstantins aus dem Jahr 321 gezeigt werden soll. Es gilt als früheste erhaltene schriftliche Quelle zur Existenz von Juden nördlich der Alpen.
An einer anderen Stelle, näher zum römischen Statthalterpalast, stellten Trier und Wiehen einen weiteren Fund vor, der den Parcours bereichern wird: mehrere Stufen einer breiten, gut erhaltenen Steintreppe, die unterschiedlich hohe Ebenen miteinander verband. Gebaut wurde sie wahrscheinlich Ende des 1. Jahrhunderts. Mit Blick auf die jüngsten Funde, die sich in eine Serie von Entdeckungen auf dem Ausgrabungsfeld einfügen, sagte Wiehen: „Für alle Mitarbeiter ist es etwas ganz Besonderes, hier zu arbeiten. Wir sind alle mit Herzblut dabei.“
Der größte Teil der Rohbetonbodens für den Rundgang ist fertiggestellt. Unter dem Museumsgebäude beginnen die archäologischen Arbeiten, sobald die Stützkonstruktion abgebaut ist. Dies stehe unmittelbar bevor, hieß es. „Ende des Jahres sind wir durch“, sagte Trier. Der Komplex aus unterirdischer Besichtigungszone und oberirdischem Museum wird voraussichtlich im vierten Quartal 2028 fertiggestellt sein. Der Landschaftsverband Rheinland als Betreiber des Museums könnte es dann Mitte 2029 eröffnen.

