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Neue RegelnDas Verbot, von dem am Kölner Hauptbahnhof niemand weiß

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Bislang weisen nur einige gut versteckte DIN-A4-Zettel auf das Alkoholverbot im Kölner Hauptbahnhof hin.

Bislang weisen nur einige gut versteckte DIN-A4-Zettel auf das Alkoholverbot im Kölner Hauptbahnhof hin.

Seit 1. April gilt das Alkoholverbot im gesamten Hauptbahnhof. Das Problem: Dort weiß das bisher kaum jemand.

Die beiden Einsatzkräfte des privaten Sicherheitsunternehmens sind zufrieden. Eine fünfköpfige Familie, nicht deutsch- oder englischsprachig, aber offenbar auf der Durchreise, hat in einer Sitzecke in der E-Passage auf der Nordseite des Hauptbahnhofs ihre Butterbrote ausgepackt. Ein ungewohntes Bild. Bis vor kurzem war die Trinkerszene vom Breslauer Platz hier sehr präsent, die Aufenthaltsqualität und das Sicherheitsgefühl vieler Reisender litten deutlich unter dem teilweise hohen Alkoholkonsum. Davon spürt die Familie an diesem Nachmittag nichts. Das Alkoholverbot, das im Hauptbahnhof seit dem 1. April gilt, scheint Wirkung zu zeigen.

Einige bekannte Gesichter haben die beiden Sicherheitskräfte an diesem Tag schon mehrfach aus dem Bahnhofsgebäude beordert. Nicht ohne Gegenwehr, aber am Ende habe es doch immer funktioniert. „Wenn die Temperaturen draußen angenehm sind, dann bleiben sie auch draußen. Schwieriger wird es für uns, wenn es draußen regnet oder wieder kälter ist.“

Sicherheitskräfte im Auftrag der Deutschen Bahn sollen das Alkoholverbot im Bahnhof durchsetzen.

Sicherheitskräfte im Auftrag der Deutschen Bahn sollen das Alkoholverbot im Bahnhof durchsetzen.

Seit Erlass des Alkoholverbots ist es im gesamten Bahnhof nicht mehr erlaubt, Alkohol zu trinken oder alkoholische Getränke mitzubringen, um sie dort zu konsumieren. Das Verbot soll laut Kölner Bahnhofsmanagement das Sicherheitsempfinden der Reisenden erhöhen, die verstärkt zurückgemeldet hätten, sich ein ruhigeres und sichereres Umfeld zu wünschen. Erlaubt bleibt das Mitführen geschlossener alkoholischer Getränke, ebenso wie der Konsum in den Lokalen des Hauptbahnhofs.

Alkoholverbot im Kölner Hauptbahnhof: Nur versteckte Hinweise

Das Problem: Wissen tut vom Alkoholverbot im Kölner Hauptbahnhof bislang so gut wie niemand. Auch nicht die Gruppe junger Männer, die aus Saarbrücken fürs Köln-Wochenende angereist ist. „Wenn Alkohol hier verboten ist, dann sollten auch überall große Plakate aufgehängt sein“, findet einer der Männer und erntet die Zustimmung der Gruppe. Solche großen Plakate hängen im Hauptbahnhof definitiv nicht.

Die E-Passage im nördlichen Bereich des Hauptbahnhofs gewinnt durch das Alkoholverbot an Aufenthaltsqualität.

Die E-Passage im nördlichen Bereich des Hauptbahnhofs gewinnt durch das Alkoholverbot an Aufenthaltsqualität.

Nur, wer danach sucht, findet vor Ort Hinweise auf die neuen Regeln. Ein etwas größerer Aushang hängt auf der Rückseite des Info-Schalters am Haupteingang, eine Handvoll DIN-A4-Zettel verteilt in den Passagen – gut versteckt zwischen Hausordnungen und Fahrplänen. Auf Deutsch und Englisch sind die Regeln winzig klein aufgeschrieben: „Bei Missachtung können Hausverweis oder Hausverbot erteilt und bei weiteren Verstößen ein Strafantrag gestellt werden“, steht darauf.

Fans von Werder Bremen treten am Sonntagabend die Heimreise an. Das Bier muss am Gleis noch verstaut bleiben.

Fans von Werder Bremen treten am Sonntagabend die Heimreise an. Das Bier muss am Gleis noch verstaut bleiben.

„Dass keiner von dem Verbot weiß, erschwert die Arbeit natürlich“, sagt einer der Männer, die die Regeln durchsetzen sollen. Die typischen touristischen Gruppen – Junggesellenabschiede oder Kegelklubs – reagierten meist überrascht, aber verständnisvoll. Ohnehin sei das Personal angewiesen, das neue Verbot zunächst mit Augenmaß durchzusetzen, heißt es vom Bahnhofsmanagement.

Am Wochenende kommt für die Teams des Sicherheitsunternehmens noch einmal mehr Arbeit hinzu. Neben den Touristen frequentiert nun eine weitere trinkfreudige Zielgruppe den Bahnhof: Fußballfans. Die des 1. FC Köln aus dem Kölner Umland und die Gästefans, die aus Bremen zum Bundesliga-Abstiegskracher nach Müngersdorf pilgern. Auch die haben vom Alkoholverbot bisher nichts mitbekommen.

Die Gründe für die neue Regel seien nachvollziehbar, sehen auch die Werder-Fans und Brüder Jens und Manuel ein, die an Gleis 5 auf den ICE nach Hamburg-Altona warten. „Hätten wir davon gewusst, hätten wir unser Bier bei der Ankunft erst außerhalb des Bahnhofs ausgepackt.“ Kontrolliert worden seien sie allerdings nicht. Und nun, am Abend, sei die Bierlaune nach dem schwachen Auftritt ihres Teams bei der 1:3-Niederlage gegen den FC ohnehin vergangen. Auch schönzutrinken sei da nichts mehr, meinen die beiden.