Anwohner, Politiker und die gesamte Öffentlichkeit werden sehr genau hinschauen, was auf der Deutzer Freiheit passiert, sagt unser Autor.
Deutzer FreiheitEin zweites Desaster darf sich die Stadt Köln nicht leisten


Die Deutzer Freiheit während des Verkehrsversuchs
Copyright: Annika Müller
Der zurückliegende Verkehrsversuch auf der Deutzer Freiheit ist krachend gescheitert und hat einen tiefen Riss in der Anwohnerschaft hinterlassen. Es handelt sich um ein Musterbeispiel dafür, wie eine Stadtverwaltung Menschen auf dem Weg zu einer Verkehrswende nicht mitnimmt und stattdessen sogar an den Bedürfnissen vieler vorbeiplant.
Doch im Mobilitätsdezernat ist dafür bislang kein Bewusstsein erkennbar. Eine Entschuldigung dafür, dass der Verkehrsversuch nach Einschätzung des Verwaltungsgerichts nicht rechtskonform war und deshalb überhaupt nicht auf diese Weise hätte stattfinden dürfen, blieb aus. Stattdessen bemühte sich Verkehrsdezernent Ascan Egerer darum, dem Ganzen noch etwas Positives abzugewinnen, man habe wertvolle Erkenntnisse erhalten, sagte er.
Deutzer Freiheit: Kritik an mangelnder Kommunikation
Ein maßgeblicher Kritikpunkt bestand damals darin, dass das Mobilitätsdezernat die Anwohner und die Geschäftsleute nicht richtig und ausführlich darüber informiert hatte, was während des Verkehrsversuchs passieren würde. Insofern ist der aktuelle Ansatz mit einem Bürgerdialog grundsätzlich zu begrüßen. Dass aber zunächst nur ausgewählte Teilnehmer vorgesehen sind, lässt Zweifel daran aufkommen, ob dieses Mal wirklich alle Interessen berücksichtigt werden. Besser wäre es gewesen, die Veranstaltungen für alle zu öffnen und damit auch ein gewisses Maß an Transparenz zu beweisen.
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Denn eines ist gewiss: Anwohner, Politiker und die gesamte Öffentlichkeit werden sehr genau hinschauen, was auf der Deutzer Freiheit passiert. Handelt es sich doch nicht mehr nur um eine Änderung der Verkehrsführung in einem Stadtteil. Die Deutzer Freiheit steht vielmehr stellvertretend dafür, wie die Stadt Köln mit ihren Bürgerinnen und Bürgern umgeht. Ein zweites Desaster an derselben Stelle kann sich der Verkehrsdezernent jedenfalls nicht leisten.
Es muss ergebnisoffen diskutiert werden. Und das bedeutet, eine gute Lösung für die Nutzer aller Verkehrsmittel zu finden. Eine vernünftige Verkehrswende kann nur dann gelingen, wenn alle Interessen berücksichtigt werden. Einfach nur das Auto zu verdammen, das darf nicht der Weg sein.
Erfolgreich sind Städte, in denen das Bus- und Bahnnetz und die Radwegeverbindungen perfekt ausgebaut sind. Dort steigen die Menschen freiwillig und aus eigenem Antrieb vom Auto auf andere Verkehrsmittel um. Wer den Autofahrern nur das Autofahren erschwert, ihnen aber gleichzeitig keine ausreichenden Alternativen anbietet, der wird hingegen keinen Erfolg haben.
Für die Deutzer Freiheit bedeutet das, eine Lösung zu finden, die eine Verbesserung für Radfahrer und Fußgänger bedeutet, aber auch diejenigen beachtet, die auf ihr Auto angewiesen sind.

