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Aus für „Meet and Eat“Stadt Köln lässt Feierabendmarkt nach zehn Jahren auslaufen

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Der Feierabendmarkt „Meet and Eat“ auf dem Rudolfplatz in Köln

Der Feierabendmarkt „Meet and Eat“ auf dem Rudolfplatz in Köln

In einem Verfahren hat ein anderer Bewerber den Zuschlag erhalten. Die Deutsche Marktgilde, die bereits in Bonn aktiv ist, soll übernehmen.

Der Feierabendmarkt „Meet and Eat“ am Rudolfplatz wird am kommenden Donnerstag (26. März) nach mehr als zehn Jahren zum letzten Mal stattfinden, weil die Stadt Köln die zum 31. März auslaufende Gestattung nicht verlängern wird. „Am Freitag haben wir die Nachricht erhalten, dass unser Konzept im aktuellen Verfahren nicht berücksichtigt wurde. Wir sind fassungslos – und gleichzeitig dankbar für euch“, teilte der Veranstalter Agrar-Konzept am Sonntagabend auf der Facebook-Seite des Markts mit. Das Unternehmen will Widerspruch einlegen.

Einhaltung der Gewerbeordnung

Die Stadt Köln bestätigte auf Anfrage, dass ein anderer Bewerber den Zuschlag für den Markt erhalten hat. „Nach Prüfung durch die Verwaltung steht fest, dass lediglich das Konzept der Deutschen Marktgilde den rechtlichen Bestimmungen zum Betrieb eines regulären Wochenmarktes entspricht“, sagte eine Stadtsprecherin.

Ausschlaggebend für die Entscheidung sei zum einen die Ausgewogenheit des Wochenmarkt-Sortiments gewesen, das aus klassischen Rohwaren und hochwertigen Speisen zum Direktverzehr bestehe. Zum anderen werde mit Blick auf den Alkoholausschank die Gewerbeordnung eingehalten.

Die Deutsche Marktgilde organisiert derzeit in rund 110 Kommunen bundesweit Wochenmarktveranstaltungen. Ihr Konzept für den Rudolfplatz sieht laut der Stadt Köln ein „ausgewogenes Sortiment aus klassischen Wochenmarktwaren wie beispielsweise Obst, Gemüse, Fleisch, Wurst, Backwaren und Blumen vor, ergänzt durch hochwertige Speisen zum Direktverzehr sowie ein geringer Anteil an Winzererzeugnissen“.

Damit werde die gewohnte Aufenthaltsqualität beibehalten und gleichzeitig die rechtliche Sicherheit für einen ganzjährigen Betrieb geschaffen. „Ähnliche Modelle setzt die neue Betreiberin bereits seit mehr als 40 Jahren um, beispielsweise auch in Bonn“, so die Stadtsprecherin. Der neue Abendmarkt soll erst nach den Osterferien starten. Den genauen Starttermin will die Stadt Köln noch bekanntgeben.

Nur Alkohol aus eigener Herstellung

Dass überhaupt eine neue Ausschreibung notwendig war, hängt mit dem Ergebnis einer Prüfung zusammen. Im August 2025 stand der Feierabendmarkt schon einmal vor dem Aus. Das Rechtsamt der Stadt Köln hatte damals  festgestellt, dass „Meet and Eat“ nicht länger den Charakter eines Wochenmarkts erfülle, weil die Stände weit überwiegend verarbeitete Lebensmittel anbieten. Verkauften beim Start im Jahr 2015 noch zehn der 24 Stände Obst, Gemüse, Backwaren, Käse, Wurst, Fisch und Blumen, waren es damals nur noch zwei bis drei.

Den Schwerpunkt auf gastronomische Angebote zu setzen, geriet „Meet and Eat“ zum Verhängnis, weil Wochenmärkte strengen Regeln unterliegen. Auf ihnen ist der Verkauf alkoholischer Getränke laut der Gewerbeordnung nur dann erlaubt, wenn sie aus selbst gewonnenen Erzeugnissen des Weinbaus, der Landwirtschaft oder des Obst- und Gartenbaues hergestellt wurden.

Der Winzer, der seinen eigenen Wein verkauft, ist also legal unterwegs. Der Händler, der einen Aperol Spritz anbietet, nicht. Und auf dem Feierabendmarkt am Rudolfplatz waren an vielen Ständen alkoholische Getränke erhältlich, die nicht aus eigener Herstellung stammten.

Der Veranstalter Agrar-Konzept hat die Entscheidung der Stadt Köln kritisiert. „Es wurde kein Konzept ausgeschrieben, das den bestehenden Feierabendmarkt abbildet und fortführen kann, sondern ein gesetzeskonformer Wochenmarkt“, sagt Geschäftsführer David Frahsek.

Das bestehende Konzept sei nicht weiterentwickelt worden. „Nun soll es ein Markt mit Verweilcharakter, Speisen und dem Schwerpunkt auf einem Wochenmarktsortiment richten,  prinzipiell der fünfte seiner Art im Umkreis von 200 Metern“, sagt Frahsek. 

Veranstalter will Widerspruch einlegen

Ein seit mehr als zehn Jahren funktionierendes, beschwerdefreies und von Politik, Verwaltung und Bürgern beliebtes Konzept wie „Meet and Eat“ werde aus formalen Gründen aufgekündigt, obwohl die Probleme bereits lösbar zu sein schienen. In Abstimmung mit der Verwaltung seien seit dem Herbst 2025 zusätzliche, gebührenfrei teilnehmende Wochenmarktstände integriert worden: Bäcker, Obst & Gemüse und  Feinkost. 

Die vom Rechtsamt kritisierte Abgabe von Alkohol sei zudem ausschließlich auf Grundlage individueller Genehmigungen des Amtes für Gaststättenangelegenheiten erfolgt. „Damit wird ein Umstand zum Ablehnungsgrund gemacht, der nicht im Einflussbereich des Veranstalters liegt. Hiergegen wird ausdrücklich Widerspruch eingelegt werden“, sagt Frahsek.

Doch warum war es dem Veranstalter überhaupt so wichtig, dass die Stadt „Meet and Eat“ als Wochenmarkt einstuft? Grundsätzlich wäre es auch möglich gewesen, das Format stattdessen als Veranstaltung beim Ordnungsamt anzumelden. Für Wochenmärkte fallen allerdings deutlich geringere Gebühren an, und auf dem Rudolfplatz ließe sich eine Veranstaltung auch nicht im wöchentlichen Rhythmus anmelden. „Das Format funktioniert allerdings nur wöchentlich“, sagt Frahsek.

Dass die Stadt Köln den Feierabendmarkt überprüfte, ging auf eine Anfrage von CDU-Ratsmitglied Werner Marx im Rechnungsprüfungsausschuss zurück. Er hatte „Meet and Eat“ im Jahr 2023 laut Protokoll als „eine tolle und von der Bevölkerung sehr gut angenommene Veranstaltung“ bezeichnet.

Er hielt aber auch fest: „Aktuell ist festzustellen, dass auf dem Platz kein einziger Stand mit dem Angebot von Lebensmitteln (Obst, Gemüse...) vorzufinden ist.“ Marx bat um eine Einschätzung der Verwaltung, wie der Markt „rechtssicher betrieben werden kann“. Nachdem er zunächst von der Stadt die Auskunft erhalten hatte, der Wochenmarkt sei zulässig, bezog er zudem die Bezirksregierung Köln als kommunale Aufsichtsbehörde ein.

Nachdem die Stadt Köln festgestellt hatte, dass der Markt gar kein Markt mehr ist, kam zunächst die Politik zur Hilfe. Im Hauptausschuss des Stadtrats beantragten Grüne, CDU, SPD, Linke, FDP und Volt gemeinsam, dass die Stadtverwaltung sicherstellen sollte, dass der Abendmarkt auch nach dem 30. September 2025 in seiner bisherigen Form wöchentlich fortgeführt werden kann. Die Stadt Köln verlängerte daraufhin die Übergangsfrist bis zum 31. März 2026 – und startete das Interessenbekundungsverfahren, bei dem die Veranstalter von „Meet and Eat“ jetzt gescheitert sind.