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Kölner Kriminalstatistik 2025Weniger Straftaten, weniger Gewalt – aber mehr Sexualdelikte

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Neben der Zunahme von Sexualdelikten bereitet der Polizei auch der Handel mit harten Drogen weiterhin Sorgen. (Symbolbild)

Neben der Zunahme von Sexualdelikten bereitet der Polizei auch der Handel mit harten Drogen weiterhin Sorgen. (Symbolbild)

Fast in allen Bereichen gehen die Fallzahlen in Köln zurück – teils deutlich. Sorgen macht der Polizei aber vor allem der Anstieg in zwei Deliktgruppen.

Im vergangenen Jahr wollte Polizeipräsident Johannes Hermanns trotz leicht sinkender Zahlen noch nicht von einer „Trendumkehr“ sprechen. Ein Jahr später deutet jedoch einiges darauf hin, dass die Kriminalität in Köln nach dem steilen Anstieg in den Jahren nach der Corona-Pandemie nun tatsächlich nachhaltig zurückgegangen sein könnte. Insgesamt registrierte die Polizei 2025 in Köln und Leverkusen 142.424 Straftaten – das sind 2,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Erstmals seit drei Jahren liegt zudem die Aufklärungsquote wieder über der 50-Prozent-Marke und beträgt nun 50,4 Prozent.

Kriminalität in Köln: Weniger Gewalt, weniger Messer

Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang in Bereichen, die das Sicherheitsgefühl der Kölnerinnen und Kölner betreffen: Die Straßenkriminalität sank um 9,8 Prozent. Auffällig sind vor allem die Rückgänge bei Taschendiebstählen (minus 30,7 Prozent) und Wohnungseinbrüchen (minus 20,3 Prozent). „Dieser Erfolg ist einer engen Verzahnung zwischen kriminalpolizeilicher Sachbearbeitung, operativen Kräften und operativer Auswertung zu verdanken“, erklärte Michael Esser, Leitender Kriminaldirektor der Kölner Polizei.

Auch bei der Gewaltkriminalität ist ein Rückgang zu verzeichnen. Zu dieser zählen Straftaten wie Mord, Totschlag, Raub oder schwere Körperverletzungen. Insgesamt wurden 6.033 Fälle registriert – ein Minus von 4,5 Prozent. Unter den Tatverdächtigen waren 84 Prozent männlich, 29 Prozent jünger als 21 Jahre und 45 Prozent ohne deutschen Pass. Besonders erfreulich: Die Zahl der oft diskutierten Messerangriffe fiel um 17,5 Prozent. Eine Folge der 2024 in Kraft getretenen Verschärfung des Waffengesetzes und der Messerverbotszonen in Köln? Aus Sicht der Polizei ist dies „nur ein zusätzlicher Mosaikstein“, der zu dem Rückgang beigetragen haben könnte, so Christoph Gilles, Sprecher der Polizei. „Bei Betrachtung der Fallzahlen ist dies jedoch durchaus noch kein Grund, aufzuatmen.“

Zahl der tatverdächtigen Jugendlichen in Köln ist gesunken

Positiv ist ebenfalls die Entwicklung bei der Jugendkriminalität. Die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren sank um 9,5 Prozent auf 8.384 Personen. „Die Zahlen zeigen, dass Kinder und Jugendliche nicht überproportional als Tatverdächtige auftreten“, betonte Esser. Bei einem Anteil von 19 Prozent an der Gesamtbevölkerung stellten sie lediglich 17,9 Prozent aller Tatverdächtigen. „Der Blick in bestimmte Deliktsbereiche – etwa Diebstahl, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Rauschgiftkriminalität – zeigt, wie wichtig frühe Prävention ist“, so Esser.

Das Bild zeigt Michael Esser, Leitender Kriminaldirektor der Kölner Polizei, neben Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer bei einer Pressekonferenz. (Archivbild)

Das Bild zeigt Michael Esser, Leitender Kriminaldirektor der Kölner Polizei, neben Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer bei einer Pressekonferenz. (Archivbild)

Den einen Grund für die in vielen Bereichen rückläufigen Zahlen gibt es allerdings nicht, sagt Polizeisprecher Christoph Gilles. „Sicherlich ist die positive Entwicklung nicht als Erfolg einer einzelnen Maßnahme, sondern auf das Zusammenspiel unterschiedlicher Komponenten wie zum Beispiel intensivierter Kontrollmaßnahmen zurückzuführen.“

Deutlich mehr Handel mit harten Drogen in Köln

Auf den ersten Blick positiv scheint auch die Entwicklung bei Rauschgiftdelikten zu sein: Fast ein Viertel weniger Fälle von Erwerb, Besitz oder Handel mit Drogen hat die Polizei im vergangenen Jahr registriert. Das dürfte zu großen Teilen auch noch ein Effekt der Teillegalisierung von Cannabis sein. Denn: Insbesondere der Handel mit Heroin (Plus 82,1 Prozent) und Kokain/Crack (30,2 Prozent) bereitet der Polizei weiterhin erhebliche Sorgen. Die Folgen sieht man in Köln nicht nur in der offenen Drogenszene, etwa auf dem Kölner Neumarkt, wo Crack die Verelendung der Süchtigen beschleunigt. Kokain ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, auch bei Jugendlichen, wie zuletzt die Betreiber der Jugend-Suchtberatung dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichteten.

Sorgen bereitet der Polizei auch der Anstieg von Sexualstraftaten: Um 6,8 Prozent auf 2.624 Fälle stiegen die Zahlen im vergangenen Jahr. Besonders auffällig: 21 Prozent mehr Vergewaltigungen oder sexuelle Nötigungen sowie 16,4 Prozent mehr Fälle von Kinderpornographie in Köln und Leverkusen. „Diese Entwicklung nehmen wir sehr ernst. Wir verstehen dies als Auftrag und Verpflichtung, Opfer konsequent zu schützen, Hinweise ernst zu nehmen und Sexualdelikte mit Nachdruck zu verfolgen“, betonte Esser. Der Anstieg sei allerdings zumindest teilweise darauf zurückzuführen, dass Sensibilität und Anzeigebereitschaft in den vergangenen Jahren zugenommen hätten – eine grundsätzlich positive Entwicklung.

Während die Kriminalität in fast allen Kölner Polizeiinspektionen rückläufig ist, bleibt die Polizeiinspektion 6, die die Bezirke Kalk und Porz umfasst, eine Ausnahme. Hier stieg die Zahl der Straftaten um 1,6 Prozent. Insbesondere gab es mehr Fälle von Betrug (plus 5 Prozent), Sachbeschädigung (3,1 Prozent) und Körperverletzung (1,3 Prozent).