Die KVB testet Musik in zwei U-Bahnhaltestellen. Das kann gutgehen, meint unser Autor – muss aber nicht. Eine Glosse.
„Der Zug hat keine Bremse“Musik in Kölner U-Bahn kann auch Angst machen

Hören Sie mal genau hin, wenn Sie in diesen Tagen an den unterirdischen KVB-Haltestellen Rudolfplatz und Venloer Str./Gürtel unterwegs sind. Hitparaden-Moderator Dieter Thomas Heck hätte gesagt: „Musik liegt in der Luft.“ Kluger Mann.
Köln: Warten auf die KVB mit passenden Liedern
Wie berichtet, lässt die KVB im Rahmen eines Pilotprojekts für vier Wochen ruhige Hintergrundmusik an den beiden Haltestellen abspielen. Welche Melodien die Fahrgäste jedoch zu hören bekommen, verschweigt das Unternehmen. Dabei wäre der Kunde wirklich König, wenn er sich Lieder wünschen dürfte. Gerade das kölsche Liedgut hat da einiges zu „beaten“: Der Bläck-Fööss-Klassiker „Die Drei vun dr Linie 2“ macht ebenso Laune wie Marie-Luise Nikutas Vorschlag nach ausgiebigem Feiern: „Weißte wat, mer fahre met d'r Stroßebahn noh Hus.“ Sollte das Partyvolk so richtig eskalieren, verkommt Udo Lindenbergs „Sonderzug nach Pankow“ zur Kurzstrecke, und auch Vicky Leandros will mit ihrem Theo nicht bloß bis nach Lodz fahren. Dann gibt es nur noch eine Parole: „Heute fährt die 18 bis nach Istanbul.“
Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin – sagt die KVB – dass Musik im öffentlichen Raum das wahrgenommene Sicherheitsempfinden erhöhen kann. Die Betonung muss jedoch auf „kann“ liegen, denn beim Mallorca-Hit „Der Zug hat keine Bremse“ wären die Forschenden schnell zum Umkehrschluss gekommen. Über Kinofans, die dabei den Thriller „Unstoppable“ mit Denzel Washington vor Augen haben, in dem ein Güterzug außer Kontrolle gerät, reden wir hier gar nicht. Auch nicht vom „Wackelkontakt“.
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Vielmehr ist es der KVB-Alltag, der sich in der Musik niederschlägt. „Dieser Weg wird kein leichter sein“, ist ganz ohne Geschwurbel von Xavier Naidoo einfach Fakt. Fahrgäste können mehr als ein Lied davon singen, wenn sie nur noch die Rücklichter sehen: „Sie ist weg! Und ich bin wieder allein, allein.“ Nicht nur die Fantastischen Vier dürften dann auf Howard Carpendales Ratschlag allergisch reagieren: „Nimm den nächsten Zug.“ Vielleicht ist dem guten Howie ja entgangen, dass auch schon mal ein Zug nach Nirgendwo gegangen ist?
Daliah Lavi fragt zunehmend genervt: „Oh, wann kommst du?“, Andrea Berg blickt zur Anzeigentafel: „Du hast mich tausendmal belogen“, während sich Roland Kaiser und Maite Kelly ärgern, dass sie nicht Nein gesagt haben. Jürgen Zeltinger platzt irgendwann der Kragen und er droht: „Ich fahr' schwatz met de KVB!“ Bis zu gewalttätigen Auseinandersetzungen ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Am Ende muss es Nicole wieder richten: „Ein bisschen Frieden …“

