Giuseppe Promenzio liebt ein für seine Heimat nicht unbedingt typisches Lebensmittel: Lakritz. Jetzt hat er einen Laden in Lindenthal eröffnet.
Lakritz-Laden in LindenthalEin Italiener verkauft den Geschmack seiner Kindheit

Giuseppe Promenzio füllt eine Tüte mit Lakritz aus dem Pick'n'mix-Regal.
Copyright: Susanne Hengesbach
Wie vielseitig und wandlungsfähig ein einziges Lebensmittel sein kann, merkt man manchmal erst, wenn jemand den Mut hat, ein Geschäft zu eröffnen, in dem das gesamte Sortiment um ausschließlich eine Sache kreist. Ein solcher Mensch ist Giuseppe Promenzio und das, worum sich alles in seinem Laden dreht, geht ursprünglich auf eine Wurzel zurück, die uns als Süßholz bekannt ist.

Die lackierten runden Lakritze gehören auch zum Sortiment.
Copyright: Susanne Hengesbach
Ohne seine italienische Herkunft hätte Promenzio womöglich nie seine Leidenschaft für Lakritz entdeckt. Doch das Schicksal wollte es, dass seine damals in Stuttgart lebenden Eltern beschlossen, die Sommerferien wie üblich in ihrer ursprünglichen Heimat, in Kalabrien zu verbringen, obwohl die Geburt ihres ersten Kindes unmittelbar bevorstand. So erblickte Giuseppe vor knapp vierzig Jahren in Rossano das Licht der Welt, jenem Ort, der aufgrund der dort ansässigen Firma Amarelli ähnlich berühmt sein dürfte wie ein Bonner Unternehmen, das zunächst mit Goldbären weltbekannt wurde; beim Lakritz aus Sicht von Promenzio aber nicht wirklich zur ersten Liga zählt.
In seinem Geschäft auf der Dürener Straße findet man demzufolge auch keine Colorados; dafür jedoch Kompositionen und Geschmackskombinationen, die einen gleichermaßen staunen wie schwelgen lassen und einem schnell bewusst machen, dass eine geschmackliche Einordnung der Süßholz-Abkömmlinge extrem schwierig ist. In dem aus rund 400 verschiedenen Produkten bestehenden Sortiment ist von salzig und sehr salzig über bitter, scharf, beißend und rauchig natürlich auch liebliches und mild-süßes Lakritz vertreten.
Chips mit Lakritz-Geschmack und Bitterschokolade mit Lakritz
Kunden, die etwas ganz Besonderes suchen, kann der 39-Jährige unter anderem schwedische Kartoffelchips mit Lakritz-Geschmack sowie Bitterschokolade mit Lakritz-Splittern oder Zahnpasta mit Lakritz-Geschmack bieten. Es gibt Lakritz-Sauce, Lakritz-Marmelade, Lakritz-Cola, Lakritz-Likör und im Sommer wahrscheinlich auch Lakritz-Eis.
Promenzio selbst liebt vor allem seine weichen „Morette all’Arancia“ oder die wie lackiert wirkendenden Kugeln mit Cappuccino-Aroma. Dass der 39-Jährige seine jahrelange Tätigkeit als Kostümbildner für Fernsehserien an den Nagel hängte, war keine Blitz-Entscheidung, sondern im Grunde der Tatsache geschuldet, dass Lakritz für ihn von Kindheit an „mit einem wohligen Gefühl verbunden“ war.
Oma hatte immer Lakritz in der Handtasche
Seine Oma, erzählt er, habe „immer reines Lakritz in der Handtasche“ gehabt – als schnelle Hilfe bei einem entzündeten Hals oder einem verstimmten Magen. Und nun kämen, und das sei das Schöne, Menschen zu ihm ins Geschäft und erzählten von ihren mit Lakritz verbundenen Kindheitserinnerungen.
Selbst wenn diese verschüttet sind, tauchen sie schnell wieder auf, wenn man in der „Pick&Mix“-Wand die Schnecken, die Salmiakpastillen, die Veilchenblüten und die unterschiedlichsten Stäbchen sieht. Der Nostalgie-Faktor sei sehr hoch, aber ebenso der Überraschungseffekt wie etwa bei jener Sorte, die einen bei geschlossenen Augen an Schwarzwälder Schinken denken lässt.
Ein kleines Ladenlokal in Lindenthal zu finden, war für Giuseppe Promenzio die Erfüllung eines Traums. In anderen Stadtteilen sei es vergleichsweise laut. „Hier gibt es noch Tradition und Wertschätzung“, sagt der Mann, der sich gerne viel Zeit für seine Kundschaft nimmt und letztlich weniger eine Ware als Leidenschaft verkauft.
Lakritzio, Dürener Straße 98, Lindenthal. Öffnungszeiten: Dienstags bis freitags 11-19, samstags 10-16 Uhr

