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Vandalismus an StraßenschildernMutmaßliche Fans des 1. FC Köln „stickern“ Widdersdorf zu

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Thomas Langmann vor dem zugeklebten Verkehrsschild an der Feuerwehrzufahrt.

Thomas Langmann vor dem zugeklebten Verkehrsschild an der Feuerwehrzufahrt.

Im Kölner Westen wurden zahlreiche Straßenschilder mit FC‑Aufklebern überklebt. Ein Anwohner wundert sich über den Ort und kritisiert die Aktion.

Auf dem rot gerahmten Verkehrsschild ist so einiges zu lesen: Der „1. FC Köln“ ist per Aufkleber dort verewigt. Für das „Müngersdorfer Stadion“ wird geworben und die Polizei verschmäht, mit der Abkürzung „ACAB“ für „all cops are bastards“, zu Deutsch: „alle Polizisten sind Bastarde“.

Hinter den Stickern lugen noch die Buchstaben „hrzuf“ hervor. Um zu verstehen, dass sie Teil des Wortes „Feuerwehrzufahrt“ sind, benötigt der Betrachter schon einige Fantasie. So hat das Schild seine Aussagekraft verloren und ist der Rettungsweg am Jakobsplatz regelmäßig durch parkende Autos blockiert. Das hat der Widdersdorfer Thomas Langmann bemerkt. Gerade jetzt, wo das Wetter wieder ein wenig besser ist, sagt er, würden Autofahrer gerne einmal bei der Eisdiele halten, und zwar auf der Feuerwehrzufahrt, die nicht mehr wirklich als solche gekennzeichnet ist.

Aufkleber auf etlichen Verkehrsschildern

Und nicht nur das: Langmann hat etliche Aufkleber auf zahlreichen Verkehrsschildern in einem geringen Umkreis in Widdersdorf ausfindig gemacht. Am Kreisverkehr auf der Kreuzung Unter Linden/Unter Sandkaul sind die Verkehrszeichen zugeklebt, welche Autofahrer auf die Fußgängerüberwege aufmerksam machen. Direkt in der Nähe befindet sich eine Grundschule, deren Schülerinnen und Schüler die Überwege nutzen.

Vor der Schule sind die Schilder, die Autofahrer vor über die Straße laufenden Kindern warnen, bis zur Unkenntlichkeit überklebt. Am Spielplatz in der Nähe ist ein Schild mit Aufklebern so zugepflastert, dass die dort angegebene Rufnummer für Notfälle nicht mehr zu lesen ist. Auf dem Schild an der Bushaltestelle sind nicht mehr die Nummern aller Buslinien, die dort halten, zu erkennen.

Thomas Langmann kritisiert das und wundert sich über die Aufkleberattacke fern vom Stadion. Denn bei den mutmaßlichen Täterinnen und Tätern könne es sich laut Langmann um FC-Fans handeln: Die „wilde Horde“ hat sich mit einigen Aufklebern verewigt. Zeilen wie „Ganz Köln hasst die Polizei“ und „Hass und Tod dem VFL“ deuten ebenfalls auf „Ultras“ unter den Fußballfans hin. Zudem ist „Stickern“ in der Fußball-Fanszene weit verbreitet. Die Aufkleber dienen meist dazu, das Revier der Fans zu markieren.

Zukleben von Straßenschildern kann strafbar sein

Warum das in Widdersdorf liegt, weiß die Polizei auch nicht: Die Schilder seien möglicherweise beim Derby des FC gegen Borussia Mönchengladbach und/oder bei einem Rhein-Ruhr-Derby der Regionalliga West gegen den VFL Bochum zugeklebt worden, vermutet eine Sprecherin der Polizei. „Uns liegt aber keine Anzeige vor“, betont sie. Normalerweise zeige die Stadt als Eigentümerin der Straßenschilder die Sachbeschädigung an. Allerdings könnten je nach Einzelfall auch andere Straftatbestände durch das Schilderbekleben erfüllt sein. Es könnte einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr darstellen, wenn Menschen dadurch konkret gefährdet würden. Zudem könnten Hassbotschaften Beleidigungstatbestände erfüllen. Welches Delikt konkret vorliegt, prüft nach Anzeige und Ermittlungen die Staatsanwaltschaft.

Widdersdorfer Aufkleberflut ist kein Einzelfall

Die Stadtverwaltung verfolgt nach dem Hinweis auf die zugeklebten Schilder aber eher eine pragmatische Lösung: „Die Stadt wird die Aufkleber im Rahmen einer Priorisierung entfernen“, schreibt Sprecher Robert Baumanns. Dass Verkehrsschilder mit Aufklebern beklebt werden, sei leider kein Einzelfall. Sie würden regelmäßig bei Straßenkontrolldiensten überprüft.

Landmann bezweifelt allerdings, dass sich die Aufkleber so einfach entfernen lassen. Er befürchtet, dass einzelne Straßenschilder ausgetauscht werden müssen, und ärgert sich über die dadurch verursachten Kosten aus Steuergeldern. Vor allem möchte er, dass die „stickernden“ Fans einmal nachdenken, über die mögliche Gefahr, die von nicht erkennbaren Schildern ausgeht, und darüber, ob es hilfreich sei, Hass auf Menschen und Vereine oder sogar Todeswünsche zu verbreiten.

„Man kann auch mit einem Sticker auf der Jacke für den Verein werben“, sagt er. Wenn man unbedingt einen Aufkleber loswerden wolle, sei der Pfosten der bessere Ort als das Schild. Am besten sei es aber, die Fans würden kreativ und sich etwas Schönes einfallen lassen.