Seit einem Jahrzehnt warten die Mülheimer auf das angekündigte Wohn- und Gewerbeviertel „Cologneo I“. Doch die angefangene Baustelle ruht seit langer Zeit.
Theater-DemoAktivisten protestieren gegen Baustillstand in Mülheim

Livia Toblerone, gespielt von Boris Sievert, ein älterer Herr, dargestellt von Rainer Kippe, und Kalle Gerigk als der Mann vom Wohnungsamt unterzeichnen den Mietvertrag.
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Stadtführer Boris Sieverts trägt eine schwarze Langhaarperücke, denn für die Theaterszene ist er in die Rolle von Livia Toblerone aus der Schweiz geschlüpft. Sie hat in Köln eine günstige Wohnung bekommen und unterschreibt ihren Mietvertrag, genauso wie der ältere Herr neben ihr. „Aber warum sitzen wir hier auf dem Parkplatz?“, wundert sich Toblerone. Der Mann vom Wohnungsamt, gespielt von „Mietrebell“ Kalle Gerigk, hat eine Erklärung: „Die Wohnung ist noch nicht ganz fertig“, sagt er und deutet auf nackte Betonwände neben dem staubigen Platz an der Deutz-Mülheimer Straße. Es ist eine Bauruine. Neben ihr klaffen tiefe Baugruben in dem Areal. Dahinter steht ein verfallendes Denkmal, der „eckige Rundbau.“
Auch das Betongerippe hat einen neuen Namen: Es ist das „Haus Tatenlos“. So haben es die Menschen es getauft, die heute gegen den Stillstand auf dem Areal protestieren. Etliche Initiativen sind dabei, darunter die Geschichtswerkstatt Mülheim und das Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung.

Demonstranten passieren das verfallende Denkmal „eckiger Rundbau“.
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Die Theaterszene ist Teil der Demo, ein passendes Lied ein anderer: Den Song „Hotel California“ von den Eagles haben die Demonstranten umgedichtet: „Willkommen im Haus Tatenlos. Wir denken gerne groß, legen die Hände in den Schoß“. Schon vor einiger Zeit haben die Demonstranten an der Deutz-Mülheimer-Straße ein Schild aufgehängt, das diese als „Straße der Spekulanten“ ausweist.
Es ist absurd viel schief gegangen, seitdem 1997 der Weltkonzern Klöckner-Humboldt-Deutz an der Deutz-Mülheimer Straße dicht machte. Er hatte dort seine Zentrale und wichtige Produktionsstätten und hinterließ ein riesiges Areal. In einer Rettungsaktion für den bedrohten Konzern und die Arbeitsplätze hatte die Stadt bereits 1992 ein Teil des Werksgeländes erworben. Dazu gehört das 6,7 sieben Hektar große Areal, zwischen der Zoobrücken-Rampe, der Deutz-Mülheimer Straße und der ICE-Trasse, auf dem heute das Haus Tatenlos steht. Die Stadt verkaufte es vor zehn Jahren an die CG-Group.
500 Wohnungen und 13.000 Quadratmeter Gewerbefläche
Deren Inhaber Christoph Gröner, schmiedete dort unter dem Titel „Cologneo I“ ansprechende Pläne: drei Wohnblöcke mit 500 Wohnungen nebst rund 13.000 Quadratmeter Gewerbefläche. Den „eckigen Rundbau“, wollte er erhalten, ebenso die denkmalgeschützten „Schwebebahnhallen“. 2018 fand er bereits einen Abnehmer: den Immobilienkonzern Swiss Life Asset Managers. Er sollte die Gebäude aber erst nach Fertigstellung übergeben bekommen. Zwischenzeitlich verkauft Christoph Gröner aber seine CG Gruppe an die Consus AG. Diese ging wiederum später in der Adler Group auf, die nun allerdings in Schieflage geriet. Und so kam die Baustelle zum Erliegen.

Die Bauruine an der Deutz-Mülheimer Straße haben die Aktivisten „Haus Tatenlos“ getauft.
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Im September 2022 übernahm schließlich die Swiss Life selbst die Baustelle – und Mülheim hofft weiter auf den Neubau. Der Konzern verspricht, sich zu kümmern: „Selbstverständlich sind wir weiterhin an einer Fortführung des Projektes interessiert“, schreibt eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage. „In diesem Zusammenhang sind wir 2025 in die Erschließungsverpflichtungen eingetreten und habe planungs- und baurelevante Aktivitäten angestoßen.“ Abstimmungen zu offenen Themen würden voranschreiten.
