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Olympischer MomentVučko, das tragische Wölfchen von Sarajevo

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Der kleine Wolf Vučko, Maskottchen der Olympischen Winterspiele in Sarajevo 1984.

Der kleine Wolf Vučko, Maskottchen der Olympischen Winterspiele in Sarajevo 1984.

Während der Winterspiele Milano Cortina stellen wir olympische Museumsstücke aus Köln vor – diesmal das Maskottchen von 1984.

Vučko blickt mit seinem leichten Silberblick schmachtend zu Katarina Witt herüber – der kleine Wolf und die große Eiskunstläuferin. An dieser Anordnung des Maskottchens der Olympischen Winterspiele in Sarajevo 1984 in seiner Glasvitrine und des DDR-Stars auf einer Plakatwand ihm gegenüber hat Kai Hilger, der Kurator des Deutschen Sport- und Olympiamuseums in Köln, sichtlich Spaß.

Er hat einige olympische Maskottchen zu bieten. Aber Vučko ist das einzige Raubtier. Abgesehen von den Polarbären Hidy und Howdy (Calgary 1988), aber die zählen nicht so richtig, weil der Bär nun wirklich als Kuscheltier bekannter ist denn als Räuber. Trotzdem ist Vučko auch das knuddeligste Olympia-Maskottchen. Und das tragischste, findet Hilger. „Die olympische Utopie und die harte Realität spiegeln sich in den traurigen Augen des kleinen Wolfes“, sagt der Kurator.

Erst Olympia, dann Krieg – in Sarajevo ist nicht viel vom olympischen Glanz geblieben

Die Spiele von Sarajewo, bei denen Katarina Witt ihre erste olympische Goldmedaille gewann, fanden nur wenige Jahre vor den Balkankriegen von 1991 bis 2001 statt, die mit dem Zerfall des Staates Jugoslawien verbunden waren. Die Großschanze Malo Polje und viele weitere olympische Sportstätten wurden im Krieg schwer beschädigt und werden heute nicht mehr genutzt. Vom olympischen Glanz ist nichts geblieben als eine vage Erinnerung.

Aktuell geht es bei den Winterspielen Milano Cortina 2026 für Athletinnen und Athleten aus aller Welt um Höchstleitungen auf Schnee und Eis. Bei uns geht es 17 Tage lang um Ausstellungsstücke, die im Kölner Sport- und Olympiamuseum in der Sonderausstellung „Höher, schneller, kälter!“ zu sehen sind. In unserem „Olympischen Moment“ blicken wir in die Historie der Winterspiele.

Das Wölfchen Vučko (Verkleinerungsform von vuk, serbokroatisch für Wolf) soll dem Vernehmen nach in der Region um Sarajevo besänftigenden Einfluss auf das schlechte Image des als furchterregend und blutrünstig geltenden Wolfs gehabt haben. Die freundliche Olympia-Version hat der slowenische Maler Jože Trobec entworfen. Vučko stand zusammen mit fünf weiteren Maskottchen in der finalen Auswahl durch Leser der größten jugoslawischen Zeitungen. Schneeball, Bergziege, Lamm, Igel und Wiesel hatten keine Chance gegen den kleinen Wolf.

Abgesehen von Vučko bestimmten die Athletinnen und Athleten der DDR die Winterspiele von Sarajevo. Sie holten 24 Medaillen, neun davon in Gold. Für die Sowjetunion gab es 25 Medaillen, aber nur sechs Mal Gold. Neben Katarina Witt siegte damals etwa Skispringer Jens Weißflog für die DDR – noch im Parallelstil. Karin Enke gewann zweimal Eisschnelllauf-Gold. Für die BRD holten lediglich zwei Athleten einen Sieg: Biathlet Peter Angerer und die Rodler Hans Stanggassinger und Franz Wembacher im Doppelsitzer.