Abo

„Zirkus ist für jedes Alter“Artistin Geraldine Philadelphia jongliert mit sechs Reifen gleichzeitig

4 min
23.04.2026 Köln. Artistin Geraldine Philadelphia ist die Tochter des Roncalli-Betriebsleiters und mit dem Zirkus aufgewachsen. Foto: Alexander Schwaiger

Artistin Geraldine Philadelphia ist die Tochter des Roncalli-Betriebsleiters Patrick Philadelphia und mit dem Zirkus aufgewachsen.

Geraldine Philadelphia wurde quasi in den Roncalli-Circus hineingeboren. Wir haben sie zum Gespräch getroffen.

Drei Tage Zeit hatte die kleine Geraldine Philadelphia, um das Jonglieren einzuüben. Beim Circus Roncalli war damals eine Familie mit einer Jonglage-Nummer engagiert. Sie brauchten noch ein Kind. Das war offenbar der richtige Anreiz, um endlich selbst in der Manege zu stehen. „Ich war sieben oder acht und hatte natürlich schon mit vier, fünf spielerisch angefangen, im Zirkus etwas zu lernen. Spagat zum Beispiel. Jeder muss ja erst einmal herausfinden, wo das eigene Talent liegt“, sagt die Artistin, die wir bei strahlendem Wetter am Neumarkt treffen. Hier gastiert Roncalli noch bis zum 25. Mai, und hier wirbelt die 30-Jährige derzeit bei jeder Show bis zu sechs Hula-Hoop-Reifen gleichzeitig durch die Luft.

Auf dem Höhepunkt ihrer Nummer drehen sich an jedem Arm und Bein jeweils neonleuchtende Reifen in der abgedunkelten Manege. Kraftbetonte Nummern hätten ihr nicht gelegen. „Meine Mama hat das sofort gesehen: Die wird in der Luft nichts machen.“ Ihre Begabung zeigte sich schnell im Jonglieren, und als eine Artistin zu Roncalli kam, die mit den Reifen arbeitete, wusste sie: Das ist es. Mögliche Vorbehalte, weil es sich bei Hula-Hoop um ein Spielzeug handle, habe sie mit viel Training und sehr guten Leistungen kompensiert, so Geraldine Philadelphia. Das sei ihren Eltern auch sehr wichtig gewesen. Ebenso, dass sie das Abitur macht, um sich weitere berufliche Optionen offenzuhalten.

10.04.2026, Köln: Geraldine Philadelphia – Ringjonglage bei der Premiere beim Gastspiel 2026 des Zirkus Roncalli („Circus-Theater“) auf dem Neumarkt. Foto: Arton Krasniqi

Geraldine Philadelphia – Ringjonglage bei der Premiere beim Gastspiel 2026 des Zirkus Roncalli („Circus-Theater“) auf dem Neumarkt.

Im Roncalli-Zirkus aufgewachsen

Die Liebe zum Zirkus wurde ihr und ihrem Bruder Justin, ebenfalls im aktuellen Programm zu sehen, quasi in die Wiege gelegt. Gerade einmal einen Monat alt, kamen Vater Patrick und Mutter, die Kunstturnerin Eliza, zu Roncalli. Patrick Philadelphia ist Betriebsleiter und entstammt einer Zirkusfamilie. „Mittlerweile sind es neun Generationen von Papas Seite. Einer meiner Vorfahren war Magier und hat sich von Mayer in Philadelphia umbenannt. Der Name steht in meinem Pass, viele denken, es sei ein Künstlername“, erzählt die Artistin. Ihre Mutter war Sportlerin.

Für Geraldine Philadelphia ist der Circus Roncalli wie Heimkommen, dort wuchs sie mit Familie Paul und den Kindern Vivian, Adrian und Lili auf. „Wir sind wie Geschwister alle zusammen großgeworden. Vor zwölf Jahren war ich das letzte Mal Part des Roncalli-Programms, und dennoch sind wir in den letzten Jahren immer wieder hier dazugekommen“, sagt Philadelphia, die ihre Basis in Burscheid hat. 

Zuletzt ist die Artistin eigene Wege gegangen. Bis vergangenen Sommer war sie etwa über drei Jahre in Las Vegas, wo sie in einer Westernshow auftrat. Doch am Ende sagte es ihr nicht mehr zu. „Es war schön und eine Erfahrung, aber irgendwann hatte ich keine Lust mehr. Es war mehr eine sexy Show. Nach Las Vegas kommen die Leute, um zu feiern, entsprechend ist das Feedback manchmal nicht das, was man sich erhofft.“ Der Tourismus stehe mehr im Zeichen von Unterhaltung und Party, davon abgesehen habe die Stadt auch nicht so viel zu bieten. Philadelphia ist froh, wieder in Europa zu sein.

Zukunft des Zirkus: Ohne Tiere, mehr Jugend

In Köln sei die Verbindung zwischen Publikum und Zirkus besonders. „Das hat man vor allem bei der Premiere bemerkt.“ Doch an spielfreien Tagen meidet sie die Innenstadt, um dem Trubel auch mal zu entkommen. „Nach der Show gehen wir ab und zu etwas trinken, aber da wir sonntags und montags frei haben, kann man nicht gut ausgehen.“ Doch viel länger als ein paar Monate ist Geraldine Philadelphia nie am Stück hier. Was sie einmal nach ihrer aktiven Artistenzeit beruflich machen möchte, weiß sie noch nicht. „In manche Bereiche hinter der Bühne muss ich noch hineinschnuppern.“

Der Zirkus der Zukunft? Auf jeden Fall ohne Tiere, sagt Philadelphia. Roncalli hat es 2018 vorgemacht. Dass das nicht mehr zeitgemäß ist, sei noch nicht bei allen angekommen. „Viele führen immer noch Tiere in der Manege vor.“ Auch ihr Großvater habe noch mit Pferden gearbeitet. Sie wünscht sich auch, dass noch mehr junge Menschen in den Zirkus kommen. „Ich glaube, Zirkus ist etwas für jedes Alter. Teenager sind sich vielleicht erst mal zu cool, aber wenn sie sich mehr trauen, dann ändern sie bestimmt ihre Meinung.“