Ein Investor will das Erbbaurecht erwerben. Nach 99 Jahren soll das Grundstück dann wieder an die Stadt Köln zurückgehen.
Exklusives UrlaubszielStadt will ehemaliges Schullandheim auf Insel Föhr an Investor abgeben

Das ehemalige Schullandheim der Stadt Köln in Wyk auf Föhr
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Die Stadt Köln besitzt seit rund 100 Jahren eine Immobilie auf der nordfriesischen Insel Föhr, die sie früher als Schullandheim benutzte. Weil die Gebäude seit langer Zeit nur noch Unterhaltskosten produzieren, aber im Gegenzug nichts einbringen, versucht die Stadt, das Grundstück samt Bebauung zu verkaufen – bislang vergeblich. Doch jetzt ist ein Durchbruch in Sicht: Ein Investor will zumindest das Erbbaurecht erwerben, nach 99 Jahren soll das Grundstück dann wieder an die Stadt Köln zurückgehen.
Föhr liegt 550 Kilometer von Köln entfernt
Dass der Stadt Köln überhaupt eine Immobilie gehört, die 550 Kilometer entfernt ist, hat historische Gründe: In den 1920er-Jahren war es für viele Kommunen üblich, in weiter entfernten Regionen Grundstücke zu kaufen und darauf Schullandheime zu bauen, um auch Kindern aus einkommensschwachen Familien Ferien zu ermöglichen. Die Stadt Köln kaufte damals eine 3266 Quadratmeter große Fläche in Wyk auf der Insel Föhr, die ihr bis heute gehört. Alle Versuche, diese zu verkaufen, waren in den vergangenen 16 Jahren fehlgeschlagen.
Dabei befindet sich das Grundstück am Amselweg in bester Lage, der Südstrand liegt gerade einmal 400 Meter entfernt. Föhr gehört grundsätzlich zu den teuersten Ferienimmobilien-Standorten in Deutschland und gilt als exklusives Urlaubsziel. Warum war es für die Stadt Köln also so schwierig, einen Käufer zu finden? Das dürfte vor allem mit dem Bebauungsplan zusammenhängen, der festlegt, dass das Grundstück ausschließlich zur Betreuung von Kindern und Jugendlichen genutzt werden darf.
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Die Luftaufnahme zeigt die Insel Föhr vor der Nordseeküste von Schleswig-Holstein. (Archivbild)
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Nach dem Ende des Schullandheims vermietete die Stadt Köln es zunächst an die Jugendhilfe Köln. Der ursprüngliche Plan, dort sogenannte schwer erziehbare Jugendliche aus Köln unterzubringen und zu betreuen, um für sie einen Milieuwechsel zu realisieren, wurde jedoch nicht weiterverfolgt. Die Jugendhilfe Köln vermietete die Immobilien daher an zwei örtliche soziale Träger unter. Sie betrieben dort eine Kindertagesstätte sowie ein Wohnheim für Kinder von den Halligen, die in Wyk eine weiterführende Schule besuchten.
Gebäude auf Föhr sind sanierungsbedürftig
Die Stadt Köln bot die Immobilie zunächst den beiden sozialen Trägern sowie der Stadt Wyk zum Kauf an, doch daraus wurde nichts. Die Mieter kündigten später zwar ihre Mietverträge, die Kindertagesstätte zog aber zunächst nicht aus und führte den Betrieb ohne gültigen Vertrag, aber gegen Zahlung eines Nutzungsentgelts fort. „Die Stadt Köln erzielt mit dem Objekt keine Überschüsse, vielmehr können mit den Einnahmen gerade die laufenden Kosten und notwendigsten Reparaturen beglichen werden“, teilte die Stadt bereits im Mai 2018 mit. Inzwischen ist die Kindertagesstätte ausgezogen.
Die Gebäude sind in die Jahre gekommen und bedürfen einer Sanierung. Das Haupthaus und das zugehörige Hausmeisterhaus (beide sind im norddeutschen Stil mit Backsteinfassade und Krüppelwalmdach gehalten) stammen aus den 1930er-Jahren, ein Anbau mit Flachdach aus den 1970er-Jahren.
Die Stadt Köln hatte die Vergabe im Erbbaurecht gegen Höchstgebot im Juni 2025 bekannt gegeben. Der Verkehrswert soll bei rund anderthalb Millionen Euro liegen. Dem Vernehmen nach soll ein möglicher Investor, der an dem Erbaurecht interessiert ist, ein Seniorenzentrum eröffnen wollen. Den Bebauungsplan muss die örtliche Politik auf Föhr ändern, damit dort auch etwas anderes als ein Angebot für Kinder und Jugendliche entstehen kann.
Der Stadtrat soll in seiner nächsten Sitzung am 5. Februar die Vergabe des Erbbaurechts beschließen.

