Seit elf Jahren ist Thelonious Herrmann mit seinem Klavier auf Straßen in der ganzen Welt unterwegs. Jetzt hat er seine erste eigene Tour geplant.
„Hätte das nie für möglich gehalten“Kölner Straßenmusiker „Stadtgeklimper“ geht erstmals auf Tour

Thelonius Herrmann bei seinem ersten Konzert im Gloria im August vergangenen Jahres.
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Der Kölner Straßenmusiker Thelonious Herrmann, auch bekannt als „Stadtgeklimper“, hat seine erste eigene Tour angekündigt. Vom 6. bis zum 15. Mai spielt der Pianist Konzerte in Leverkusen, Wuppertal, Koblenz, Oberhausen, Bonn und Düsseldorf. Zusätzlich gibt es am 20. Juni ein Konzert in der Kölner Philharmonie, das unter dem Motto „Stadtgeklimper & Friends“ steht.
„Ich habe letztes Jahr mein erstes eigenes Konzert im Gloria gespielt und das hat so viel Spaß gemacht, dass ich das gerne häufiger machen möchte“, sagt der Musiker im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ich auch Konzerte drinnen spielen kann“, sagt der 27-Jährige. „Das wünscht man sich natürlich als Musiker. Aber ich habe nie den Mut gehabt, davon zu träumen.“

Der Kölner Straßenmusiker Thelonious Herrmann alias Stadtgeklimper, als er im April 2025 die Redaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“ besucht hat (Archivbild)
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Thelonious Herrmann: seit elf Jahren als Straßenmusiker unterwegs
Seit elf Jahren ist Herrmann mit seinem mobilen Klavier als Straßenmusiker unterwegs. Sein erstes Konzert gab er laut eigener Aussage im Alter von 16 Jahren in der Südstadt. Später begann Herrmann ein klassisches Klavierstudium an der Kölner Musikhochschule. Die Semesterferien nutzte er zum Reisen, sodass er inzwischen mehr als 36 Länder mit seinem Klavier besucht hat.
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„Auf der Straße ist alles immer sehr spontan, da kann alles passieren – im Guten wie im Schlechten“, sagt Herrmann. Man wisse nie, ob man vielleicht in eine Demo gerät, ob es regnet oder einen das Ordnungsamt wegschickt. „Das Gute ist, dass man ein ehrliches und direktes Feedback von den Leuten bekommt.“
Andererseits müsse man sich die Aufmerksamkeit auf der Straße erst erarbeiten. Das sei im Konzertsaal anders: „Das Publikum weiß, worauf es sich einlässt, und ist viel offener und wohlwollender“, sagt Herrmann.
Stadtgeklimper: „Straßen-Vibe in die Locations bringen“
Bei der Planung der Tour sei für ihn vieles neu gewesen: „Es gibt viele Sachen, die ich noch nicht so kenne, zum Beispiel, wie man am besten Promo macht und die Konzertsäle voll bekommt.“ Die Tour trage deshalb den Titel „RanTasten“. „Nach elf Jahren taste ich mich an etwas Neues ran“, sagt der Musiker.
Neu ist dabei auch, dass er nicht mehr allein unterwegs ist, sondern zusammen mit befreundeten Musikern auf der Bühne steht. Zudem erhält er Unterstützung von einer Tourplanerin, Tontechnikern und seiner Schwester.
Musikalisch erwartet das Publikum ein durchmischtes Programm aus Pop, Jazz und Klassik. Sein Klavier sei zwar vor Kurzem kaputtgegangen, erzählt Herrmann, dennoch will er für die Tour ein eigenes Klavier mitnehmen und das, wenn irgend möglich, mitten im Publikum platzieren. „Ich versuche, diesen Straßen-Vibe auch in die Locations zu bringen“, sagt er. Die klassischen Stücke möchte er hingegen auf den Klavieren spielen, die es in den Konzertsälen gibt, da die meist besser seien.
Im vergangenen Jahr hat Herrmann sein Klavierstudium an der Musikhochschule abgeschlossen. Die Tour sei daher für ihn der perfekte Übergang ins „richtige Leben“. „Vom Zeitpunkt her könnte das gar nicht besser laufen“, so der Musiker.
Tickets für die Tour sind ab 29,90 Euro erhältlich. Für das Konzert in der Kölner Philharmonie gibt es noch wenige Karten ab 20 Euro.

