Das Kölner Schuldezernat prüft die Öffnung von Schulhöfen so umständlich, dass Zweifel am echten Willen aufkommen, meint unsere Autorin.
Nachbarstädte machen es vorWieso kann die Stadt Köln nicht einfach ihre Schulhöfe öffnen?


Nach der Schule können sich Kölner Kinder nicht mehr auf dem Schulhof treffen – dann sind sie abgeschlossen. (Symbolfoto)
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Schulhöfe können nicht nur Pausenareale sein. Sie können Sportflächen für Jugendliche und Erwachsene sein, nahe an ihrem Wohnort. Sie können Spielplätze für Kinder sein, die sich nicht an vielen Orten in der Stadt so gut vom Straßenverkehr gesichert verabreden können. Und Schulhöfe können Treffpunkte für die Familien in einer Nachbarschaft sein.
Nur sind sie in Köln all das nicht, sondern verschlossene Flächen, die nach Schulschluss leer bleiben. Und das, obwohl in der sich verdichtenden Stadt frei zugängliche Orte rar sind. Gerade Kinder in der Innenstadt können nicht auf ihren Wohnstraßen spielen. Köln liegt mit 1,2 Quadratmetern Spielfläche pro Einwohner deutlich unter dem Richtwert von zwei Quadratmetern, den der Stadtrat bereits im Jahr 2018 festgelegt hat.
Robert Voigtsberger, als Dezernent verantwortlich für Bildung, Jugend und Sport, hatte im Januar 2025 zur damals neuen kommunalen Spielraumplanung gesagt: „Ansprechende Bewegungsräume sind unabdingbar für Kinder und Jugendliche.“ Die Stadt wolle „qualitativ hochwertige Orte der Entfaltung und der Freizeit“ schaffen. Zwischen diesen schönen Worten und der Realität liegen allerdings Welten. Denn in Köln gibt es bereits mehr als 270 dieser Orte: an den stadteigenen Schulen. Nur liegen die verborgen hinter Zäunen, weil die Stadt sie nicht öffnet.
Die 200 Seiten umfassende Spielraumplanung liegt in ihren komplizierten Formulierungen weit entfernt von der lebensnahen Forderung der Politik, einfach und schnell neun Schulhöfe zu öffnen. Wieso das in Köln nicht geht, ist den Kindern nicht zu vermitteln, die Ende 2024 mit ihrem Fußball ein Schild am Zaun der Grund- und Hauptschule Baadenberger Straße lesen mussten, dass sie hier nicht mehr spielen dürfen. Die Kinder und Jugendlichen – bekanntlich ohne große Lobby – sind die vordersten Leidtragenden der leeren Stadtkasse.
Dabei muss die Lösung gar nicht so viel kosten. Die Kölner Sporthallen – viele über die Schulhöfe zu erreichen – sind ohnehin komplett ausgebucht von Vereinen, die abends hinter sich abschließen. Dass man keine halbe Million Euro braucht, machen Städte wie Bonn, Düsseldorf und Essen vor. Das Kölner Schuldezernat prüft hingegen derart lange, umständlich und ergebnislos, wie es gelingt, die eigenen Schulhöfe zu öffnen, dass man sich fragt, ob es das überhaupt will.

