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Zahl der Vergewaltigungen gestiegen„Wer seine Triebe nicht im Griff hat, hat auf unseren Straßen nichts zu suchen“

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Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, hat die Kriminalstatistik für 2025  vorgelegt.

Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, hat die Kriminalstatistik für 2025 vorgelegt.  

Herbert Reul hat die neue Kriminalstatistik für NRW vorgestellt. Bei den Sexualdelikten gibt es keine Entwarnung. 

Die Zahl der Vergewaltigungen ist in NRW um 8,5 Prozent angestiegen – das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die NRW-Innenminister Herbert Reul am Montag (2. März) in Düsseldorf vorgelegt hat. „3784 Menschen sind im vergangenen Jahr Opfer dieser abscheulichen Taten geworden“, sagte der CDU-Politiker.

Rund ein Drittel der Vergewaltigungen geschah innerhalb von Ehe oder Partnerschaft. Insgesamt nahm die Zahl der registrierten Sexualdelikte um 5,2 Prozent zu. „Was früher verschwiegen wurde, wird heute öfter gemeldet“, sagte Reul. Niemand müsse Übergriffe ertragen: „Nicht vom Partner. Nicht vom Chef. Nicht vom Lehrer. Wer betroffen ist, soll sich melden.“

Häusliche Gewalt hat in NRW leicht zugenommen

Bei Sexualstraftaten hatten rund 27 Prozent keinen deutschen Pass.  „Vorne dabei sind Tatverdächtige aus Syrien, der Türkei, Afghanistan und aus dem Irak. Auch das gehört zur Wahrheit“, erklärte Reul. „Wer vergewaltigt, wer sexuell übergriffig ist, wer nicht weiß wohin mit seinem Testosteron und seine Triebe nicht im Griff hat, hat auf unseren Straßen nichts verloren“, fügte der NRW-Innenminister hinzu.

Die registrierten Fälle häuslicher Gewalt sind im Jahr 2025 leicht um 0,8 Prozent auf rund 62.000 Taten gestiegen. „Traditionelle Rollenbilder gewinnen wieder an Einfluss, vor allem bei jungen Männern“, sagte Reul 59 Menschen starben durch Gewalt ihres Partners oder eines Familienmitglieds.

Insgesamt ist die Zahl der Straftaten 2025 gesunken

2025 hat die Polizei in NRW knapp 1,36 Millionen Straftaten registriert – ein Minus von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Aufklärungsquote liegt bei 53,7 Prozent. Insgesamt gab es 508 Fälle von Mord und Totschlag. Oft blieb es beim Versuch, aber 130 Menschen mussten ihr Leben lassen. „93 Prozent dieser Taten werden aufgeklärt. Aber das Leid bleibt“, erklärte der NRW-Innenminister.

Beim Ladendiebstahl gibt es ein Minus von rund acht Prozent auf rund 92.000 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt bei über 90 Prozent. Aber das Dunkelfeld ist hoch. „Nicht jeder Diebstahl wird entdeckt oder angezeigt. Und nicht jedes geklaute Brötchen führt zur Anzeige. An Selbstbezahlkassen wird nicht immer jeder Artikel gescannt“, sagte der NRW-Innenminister.

Nichtdeutsche Tatverdächtige sind laut Reul überrepräsentiert

Auch beim Wohnungseinbruch geht der Trend mit einem Minus von drei  Prozent nach unten. Die Fallzahl liegt bei 27.500 und hat sich seit 2016 fast halbiert. „Der Rückgang hat Gründe: mehr Homeoffice, öfter jemand zu Hause. Und viele Häuser sind heute besser gesichert“, ist sich der NRW-Innenminister sicher.

Insgesamt konnten im vergangenen Jahr rund 479.000 Tatverdächtige ermittelt werden. Hier ist ein Rückgang um drei Prozent festzustellen. Der Anteil der Tatverdächtigen ohne deutschen Pass um 3,3 Prozent gesunken. „Bei einem Bevölkerungsanteil von etwa 16 Prozent an der Gesamtbevölkerung machen nichtdeutsche Tatverdächtige aber rund ein Drittel der Tatverdächtigen insgesamt aus und sind damit weiter statistisch deutlich überrepräsentiert“ so Reul.  

„Integrationsfragen und Sicherheitsfragen lassen sich nicht voneinander trennen“

Bei Tatverdächtigen im Bereich Mord und Totschlag haben fast die Hälfte aller Täter keinen deutschen Pass, im Bereich Raub sind es 48 Prozent, bei Einbruch 50,8 Prozent und bei Ladendiebstahl 49,5 Prozent.

Seit dem Sommer 2025 kann die Polizei bei jeder Straftat zudem auswerten, ob der oder die Tatverdächtige neben der deutschen auch noch eine zweite Staatsangehörigkeit hat. Eine erste Auswertung ergab, dass jeder sechste deutsche Tatverdächtige noch mindestens eine weitere Staatsangehörigkeit besitzt. „Die drei häufigsten weiteren Staatsangehörigkeiten sind Türkisch, Polnisch und Russisch“, erklärte Reul.

Bei Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit – also Raub und Körperverletzung – hatten rund 20 Prozent der deutschen Tatverdächtigen eine zweite Staatsangehörigkeit. „Integrationsfragen und Sicherheitsfragen lassen sich nicht voneinander trennen“, bilanzierte der Politiker aus Leichlingen.

Christina Kampmann, Innenexpertin der SPD, erklärte, die vorgestellten Zahlen seien „kein Grund zur Entwarnung“. In der Amtszeit von Innenminister Reul habe es keine signifikanten Verbesserungen gegeben. „Geredet wurde viel, getan dagegen zu wenig“, hieß es. Marcel Hafke, innenpolitischer Sprecher der FDP, zeigte sich besorgt über den hohen Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger: „Wer in Deutschland bleiben will, muss mitmachen. Wer unsere Gesetze missachtet, darf nicht mit Schulterzucken rechnen.“