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Spott vom SteuerzahlerbundWirtschaftsministerium kauft 15 teure Designer-Lampen

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Die neuen Designer-Lampen im NRW-Wirtschaftsministerium haben einen stolzen Preis

Die Lampen kosten 3500 Euro pro Stück. Der Steuerzahlerbund sieht es närrisch und hofft auf „erhellende Erkenntnisse“.

Vom 21. Stock des Wirtschaftsministeriums hat man einen großartigen Blick über ganz Düsseldorf. Aber auch drinnen gibt es einiges zu sehen: In den neu gestalteten Besprechungsräumen gibt es schicke Möbel, viele Pflanzen – und sehr teure Designerlampen. Wie das Ministerium bestätigte, hängen alleine an den Decken 15 Pendelleuchten für je 3500 Euro. Es handelt sich dabei um das Modell „Mito sospeso“ des deutschen Herstellers „Occhio“.

Das Unternehmen bewirbt die Leuchte mit den Worten: „Wie ein Schmuckstück kunstvoll gearbeitet, wird Mito sospeso zum ausdrucksstarken Gestaltungselement im Raum.“ Laut dem Ministerium von Mona Neubaur (Grüne) wurden die Edel-Leuchten „im Zuge notwendiger Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen auf der Konferenzetage“ beschafft. Die alte Ausstattung aus dem Jahr 2013 sei überholt gewesen.

Ministerium: „Technische Kriterien“ ausschlaggebend

Aber warum Lampen für 3500 Euro das Stück? Eine Ministeriumssprecherin sagte dazu: „Ausschlaggebend für die Auswahl waren funktionale und technische Kriterien, insbesondere eine gleichmäßige und blendfreie Ausleuchtung von Konferenzsituationen, Dimmbarkeit, Energieeffizienz, Kompatibilität mit der vorhandenen Gebäude- und Steuerungstechnik sowie eine lange Lebensdauer und ein geringer Wartungsaufwand.“

Die Beschaffung sei „über einen bestehenden Rahmenvertrag“ des Landesbetriebs IT.NRW abgewickelt worden: „Der darüber zur Verfügung stehende Anbieter hat im Rahmen eines Gesamtkonzepts für die Sanierung der Konferenzetage einen einheitlichen Ausstattungsvorschlag unterbreitet.“

Teure Leuchten: Erinnerungen an Sanierung der Staatskanzlei

Das erinnert an die Leuchtenauswahl bei der Sanierung der Staatskanzlei, die sogar den Staatsanwalt auf den Plan gerufen hatte. Es besteht der Verdacht, dass der Regierungszentrale besonders teure Modelle angedreht wurden – die Ermittlungen dazu sind noch nicht abgeschlossen. Im Fall der Regierungszentrale hatte unter anderem eine Designerleuchte für „nur“ 1000 Euro für Aufsehen gesorgt – die laut einem Prüfbericht allerdings für einen Abstellraum geordert worden war.

Die teuer beleuchteten Räume im Neubaur-Ressort werden laut der Sprecherin „von allen Mitarbeitenden des Ministeriums und der Hausleitung für interne Arbeitsbesprechungen, Personalauswahlgespräche sowie für externe Gespräche mit Staatsgästen und Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik genutzt.“

Wenn die Gespräche in den neuen Räumen zu erhellenden Erkenntnissen führen, die dem Preis der Lampen entsprechen, können die Steuerzahler sich auf gute politische Entscheidungen freuen
Rik Steinheuer, Chef des Steuerzahlerbunds in NRW

Rik Steinheuer, Chef des Steuerzahlerbunds in NRW, sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Im Interesse der Steuerzahler erwarten wir, dass bei Beschaffungen grundsätzlich Alternativen geprüft werden und dass Verwaltung und Politik jeden Euro zweimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben. Um es in Worten zu sagen, die der jecken Jahreszeit entsprechen: Wenn die Gespräche, Konferenzen und Besprechungen in den neu ausgeleuchteten Räumen zu erhellenden Erkenntnissen führen, die dem Preis der Lampen entsprechen, können die Steuerzahler sich in den nächsten Jahren auf gute politische Entscheidungen freuen.“