Der Wahlsieger von Baden-Württemberg ist laut einer Umfrage in ganz Deutschland beliebt und kam unerwartet im INSA-Ranking nach vorne.
Spott für SöderDieser Grüne Wahlgewinner schießt in Politiker-Ranking unerwartet nach oben

Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) ist Wahlsieger in Baden-Württemberg.
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Cem Özdemir hat mit seiner Partei nicht nur die Landtagswahlen in Baden-Württemberg gewonnen, er hat offenbar auch bundesweit in der Wahrnehmung schnell zugelegt. Das legt zumindest eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA nahe, die im Auftrag der „Bild“-Zeitung entstanden ist. Der Grünen-Politiker schoss quasi aus dem Nichts im Ranking der beliebtesten Politiker nach vorne auf Platz zwei und ist damit Aufsteiger der Woche.
Özdemir wurde allerdings zum ersten Mal von den Meinungsforschern abgefragt, so dass ein direkter Vergleich zu vorherigen Werten nicht möglich ist. Erstaunlich ist dies dennoch, denn während des gesamten Wahlkampfes hatte sich der 60-Jährige auf Baden-Württemberg konzentriert. Sein Auftreten war – inklusive ausgeprägtem schwäbischem Dialekt – auf seine Heimat zugeschnitten, zur Bundespartei hatte Özdemir eher Distanz gehalten. Dieses eher konservative Auftreten kam im „Ländle“ an, die Grünen lagen am 8. März mit 30,2 Prozent knapp vor der CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Manuel Hagel.
Boris Pistorius ist unangefochtene Nummer eins bei der Beliebtheit
Aber nicht nur im drittgrößten Bundesland konnte Özdemir mit seiner besonnenen Art punkten, er sammelte offensichtlich in ganz Deutschland Sympathiepunkte. Nur an einem Politiker konnte er nicht vorbeiziehen: SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius ist Spitzenreiter seit seinem Amtsantritt im Januar 2023. Bereits in der Ampel-Koalition hatte er das Amt inne und blieb auch in der Schwarz-roten Koalition. Er verteidigte seinen ersten Platz im Ranking trotz SPD-Krise und Bruch der Ampel-Koalition.
Überholen konnte Cem Özdemir jedoch in der aktuellen INSA-Umfrage aus dem Stand CSU-Chef Markus Söder. Dieser lag in den Monaten zuvor auf dem zweiten Platz des Beliebtheitsrankings und musste sich nun dem vermutlich künftigen Ministerpräsidenten Özdemir „geschlagen“ geben. Allerdings war Söder auch immer nur bei INSA so erfolgreich, im ZDF-Politbarometer lag der bayerische Ministerpräsident immer auf schlechteren Plätzen. Auf Platz vier bei INSA rangiert NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, der auch bei anderen Forschungsinstituten regelmäßig gut abschneidet. Özdemir wurde bei diesen bislang noch nicht abgefragt.
Beim ARD-Talk „Maischberger“ am Mittwochabend waren der Aufstieg Özdemirs und das Abrutschen Söders ebenfalls Thema und wurden in der Runde spöttisch kommentiert. Autorin Amelie Fried sagte direkt zu Beginn der Sendung: „Oh mein Gott, das wird schrecklich werden! Der arme Markus Söder!“ Sie mutmaßte, die Herabstufung werde den Bayern „sehr schmerzen“. Er müsste vermutlich „eine ganze Schlachteplatte essen“, um die Schmach zu verwinden, spielte Fried auf die bekannten #söderisst-Postings an.
Dass Söder ausgerechnet gegen einen Grünen, auf denen er so gerne herumhackt, das Nachsehen habe, müsse ihn schon schmerzen, so Fried. Der Baden-Württemberger verkörpert ihrer Meinung nach genau die Mischung aus Bodenständigkeit und Fortschrittlichkeit, die Söder gerne für sich in Anspruch nehme.

