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Ein Jahr Papst LeoDer erste US-Pontifex legt sich offen mit Donald Trump an

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Papst Leo XIV.

Papst Leo XIV. ist seit bald einem Jahr im Amt.

Ein Jahr nach seiner Wahl profiliert sich Papst Leo XIV. als Gegenspieler von Donald Trump, bremst aber bei Reformen.

Seit seiner Wahl vor einem Jahr profiliert sich Leo XIV. als Kontrahent von Donald Trump. Gleichzeitig enttäuscht er mit seinem zögerlichen Kurs bei kircheninternen Veränderungen.

An diesem Freitag jährt sich die Wahl von Robert Francis Prevost zum Papst zum ersten Mal. Als Leo XIV. erschien er damals sichtlich nervös auf der zentralen Loggia des Petersdoms. Seine erste Äußerung als Pontifex, «La pace sia con tutti voi» («Friede sei mit Euch allen»), las er von einem Zettel ab. Die Menge, die sich nach dem weißen Rauch, der aus der Sixtinischen Kapelle aufstieg, auf dem Petersplatz versammelt hatte, reagierte mit großem Beifall.

Die globale Lage hat sich seitdem jedoch nicht befriedet, trotz wiederholter Aufrufe des Papstes. In Krisenherden wie der Ukraine und dem Iran bleibt der diplomatische Einfluss des Vatikans gering. Innerkirchlich konnte Leo XIV. allerdings nach den turbulenten Jahren, die von seinem Vorgänger Franziskus geprägt waren, für eine Beruhigung sorgen. Die Konflikte zwischen traditionalistischen und reformorientierten Kräften haben nachgelassen. Kardinal Reinhard Marx, der im Konklave für ihn stimmte, sagt über ihn: «Er ist eine andere Person. Ein Brückenbauer. Einer, der Gräben zuschüttet.»

Theologisch wenig Neues, aber äußerliche Veränderungen

Bedeutende theologische Impulse hat der neue Pontifex bisher nicht gesetzt. Das erste wichtige Lehrdokument – voraussichtlich über Künstliche Intelligenz (KI) und die damit verbundenen Auswirkungen – steht noch aus. Ebenso verhält er sich bei personellen Neubesetzungen bisher abwartend. Stattdessen rücken bei Leo XIV. vor allem äußere Aspekte in den Fokus: Seine Kleidung ist traditioneller, er nutzt im Gegensatz zu Franziskus wieder den Apostolischen Palast als Wohnsitz und verbringt Zeit in Castel Gandolfo, der päpstlichen Sommerresidenz bei Rom.

Neuer Papst Leo XIV.

Papst Leo XIV. am Tag seiner Wahl. (Archivbild)

Ein Aspekt, der bei Leos Antrittsrede zunächst kaum beachtet wurde, erhält nach einem Jahr eine größere Wichtigkeit: Der erste Pontifex aus den Vereinigten Staaten nutzte zwar Italienisch und Spanisch (Leo besitzt aufgrund seiner Tätigkeit in Peru als Missionar und Bischof auch die dortige Staatsangehörigkeit), vermied aber die englische Sprache vollständig. Heutzutage wird dies als Signal interpretiert, dass er eine Vereinnahmung durch sein Herkunftsland ablehnt.

Ein Pontifex aus Amerika als Gegenspieler Trumps

Ganz im Gegenteil: Der aus Amerika stammende Papst stellt sich Donald Trump, dem US-Präsidenten, so klar entgegen wie nur wenige andere an der Spitze von Staaten oder Regierungen. Er tadelt dessen «Allmachtsfantasien», die Ankündigung, im Iran zuzulassen, dass eine «ganze Zivilisation sterben» würde, sowie den Umgang mit Zuwanderern. Als symbolische Geste ernannte er kürzlich in den USA einen Bischof, der selbst ohne gültige Dokumente als Flüchtling ins Land kam. Der Kirchenhistoriker Massimo Faggioli kommentiert: «Er ist der gute Amerikaner, wie man ihn aus Filmen kennt.»

Auf den kürzlichen Vorwurf von Trump, er würde eine atomare Bewaffnung des Irans billigen und damit «viele Katholiken und viele Menschen» gefährden, erwiderte Leo XIV. lediglich, dass die kirchliche Mission darin bestehe, das Evangelium und den Frieden zu verkünden. Zudem positioniere sich die Kirche schon seit langer Zeit gegen Nuklearwaffen. Die Bezeichnung «Anti-Trump» für Leo XIV. wird noch häufiger verwendet, besonders nachdem der republikanische Politiker mit einer Schmährede über den Papst und der Veröffentlichung eines kitschigen Gemäldes, das ihn als Jesus darstellt, für Aufsehen sorgte. Leo XIV. stellte klar, dass er nicht an einer Konfrontation mit Trump interessiert sei, jedoch auch die US-Regierung nicht fürchte.

US-Präsident Trump

US-Präsident Donald Trump überzog den amerikanischen Papst mit einer Schimpftirade. (Archivbild)

Aus dem Vatikan wird verlautbart, man denke dort in weitreichenderen Zeiträumen, als es aktuell im Weißen Haus der Fall ist. Eine persönliche Begegnung zwischen Leo XIV. und Trump hat es bisher nicht gegeben, und es existieren auch keine Anzeichen für ein solches Treffen. Allerdings empfing der Papst an diesem Donnerstag den Außenminister der USA, Marco Rubio, der ebenfalls katholischen Glaubens ist, zu einer Audienz. In seiner Funktion als Oberhaupt des Vatikans ist es für Leo XIV. einfacher, Trump zu konfrontieren als für andere, da dessen typische Drohgebärden mit Zöllen oder militärischen Maßnahmen wirkungslos bleiben. Ein weiterer Vorteil ist sein Alter: Der Pontifex ist mit 70 Jahren beinahe eine Dekade jünger als der Präsident.

Deutsche Reformkräfte zeigen sich unzufrieden

Während Leo XIV. für seine deutliche Haltung gegenüber dem US-Präsidenten international Anerkennung findet, herrscht insbesondere in Deutschland Enttäuschung über seine Position zu kircheninternen Angelegenheiten. Er bremst bei der Debatte um die Weihe von Frauen zu Diakoninnen – ein Amt, das innerhalb der römisch-katholischen Kirche ebenso wie das Priesteramt bisher Männern vorbehalten ist. Auch Segnungen für homosexuelle Paare, die in einigen deutschen Diözesen stattfinden, lehnte er bei seiner Rückkehr von einer langen Reise durch Afrika mit den Worten «nicht einverstanden» ab.

Für den weiteren Jahresverlauf sind Reisen nach Südamerika geplant, darunter auch ein Besuch in seiner zweiten Heimat Peru. Einen Besuch in den Vereinigten Staaten lehnt er jedoch ab, wie er verlauten ließ. Er folgte nicht der Einladung von Trump, an den Feierlichkeiten teilzunehmen, die am 4. Juli zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung stattfinden. Stattdessen wird der Pontifex an diesem Tag, wie es bereits sein Vorgänger Franziskus tat, die Mittelmeerinsel Lampedusa besuchen, um dort auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam zu machen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.