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Von Fuhrleuten errichtetKnapp 300 Jahre altes Heiligenhäuschen in Kall saniert

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Das Foto zeigt das Heiligenhäuschen mit zwei Blumentöpfen und einer Sitzbank.

Das Heiligenhäuschen auf dem Büchel ist jetzt wieder ein Blickfang.

Ehrenamtler haben das rund 300 Jahre alte Heiligenhäuschen auf dem Büchel instandgesetzt. Originalfigur steht in der Pfarrkirche.

Es ist wohl das älteste Heiligenhäuschen in Kall und wurde vor knapp 300 Jahren von Fuhrleuten auf dem Büchel aufgestellt. Doch zuletzt war das Häuschen samt der Madonnenfigur im Inneren in keinem guten Zustand. Ehrenamtler um den zweiten Vorsitzenden der Kaller Ortsgruppe des Eifelvereins, Wolfgang Röhrig, haben viel Zeit geopfert und das Häuschen nun wieder auf Vordermann gebracht.

Das Foto zeigt die neu bemalte Figur. Maria trägt ein dunkelblaues Gewand, das Jesuskind ein weißes.

Für die farbliche Gestaltung der Marienfigur diente die originale Figur aus der Nikolauskirche als Vorlage.

Bildstöcke wurden als religiöse Denkmäler vorwiegend an Wegen, Straßen oder Gabelungen errichtet. Sie dienen als Andachtsstätte, Erinnerungszeichen an Unglücksfälle oder Ausdruck der Volksfrömmigkeit, oft als Dank oder Sühne. Bildstöcke sollen zum Gebet oder Innehalten anregen.

Das Heiligenhäuschen war laut Inschrift 1734 auf dem Büchel errichtet worden. Lange Zeit war aber nicht bekannt, wer die Madonna mit dem Jesuskind dort aufgestellt hatte und woher die Figur stammte. In dem Buch „Kall – Spiegel der Geschichte“ von Hubert Büth ist nachzulesen, dass der Heimatforscher Franz Sistig herausgefunden hatte, dass die Figur von Fuhrleuten aufgestellt worden war, die in früherer Zeit Eisen mit ihren Fuhrwerken nach Lüttich brachten. Eine gleiche Madonna stehe auch in der St.-Lambertus-Kathedrale in Lüttich.

Mutter Gottes sollte für ein sicheres Geleit sorgen

Auf ihrem Weg nach Lüttich waren die Fuhrleute laut Sistig oft Gefahren ausgesetzt. Ein Gebet zur Mutter Gottes sollte für sicheres Geleit sorgen. Damals war der Weg über den Büchel die einzige Verbindung nach Schleiden und weiter nach Belgien.

Zu sehen ist die Figur mit Farbresten.

Verblasst und abgeblättert waren die Farben bei der Figur von Maria und ihrem Jesuskind.

Eine gleiche Madonna soll laut Sistig auch über dem Eingang der Wirtschaft Keller unterhalb der Kirche gestanden haben. Dort war die Relaisstation untergebracht, an der für die schwere Eisenfracht zwei Zugpferde zusätzlich vorgespannt wurden, um die Last bis zum Heiligenhäuschen zu ziehen. Dort wurden die zusätzlichen Zugpferde dann wieder ausgespannt. Dabei hatten die Fuhrleute auch Zeit zum Beten.

Nach dem Krieg wurde die wertvolle Figur aus dem Heiligenhäuschen dann in der Pfarrkirche aufgestellt. Für das Häuschen fertigte Sistig eine Ersatzfigur an.

Anforderungen des Denkmalschutzes wurden berücksichtigt

„Wolfgang Röhrig hat die Initiative für die Sanierung ergriffen und sich auch um die Abstimmung mit der zuständigen Verwaltung gekümmert“, erzählte der Kaller Ortsvorsteher Dieter Pütz, der bei der Aktion mithalf. Aufgrund der Gespräche seien ein abgestimmter Sanierungsablauf festgelegt und Materialien ausgewählt worden, die den Anforderungen des Denkmalschutzes entsprechen. „Die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung war unkompliziert und vorbildlich. So sollte die Unterstützung des Ehrenamtes sein“, sagte der Ortsvorsteher.

„Die Reinigungsarbeiten erwiesen sich als umfangreich und zeitintensiv“, berichtete Pütz. Dabei sei   auch ein Hochdruckreiniger zum Einsatz gekommen. Wasser- und Strom habe dankenswerterweise ein Anwohner aus der unmittelbaren Nachbarschaft bereitgestellt.

Nach der Reinigung seien ein Haftgrund und anschließend ein Deckanstrich aufgebracht worden: „Auf diese Weise konnte das aus Naturstein errichtete Häuschen fachgerecht instandgesetzt werden.“ Für die farbliche Gestaltung der Marienfigur habe schließlich die originale Figur aus der Nikolauskirche als Vorlage gedient. „Ich hoffe jetzt nur, dass das Häuschen nicht, wie in der Vergangenheit geschehen, als Klettergerüst genutzt wird“, sagte der Ortsvorsteher.