Als Trump Spanien bedroht, schweigt Kanzler Merz. In Madrid ist man auch eine Woche danach nicht gut auf den CDU-Politiker zu sprechen.
Kanzler-Anruf unbeantwortet„Keine Ahnung“ und „Vasall“ – Spanien kritisiert Merz scharf

Friedrich Merz (CDU) bei einer Pressekonferenz. Aus Spanien gibt es weiterhin scharfe Kritik am Bundeskanzler. (Archivbild)
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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat mit seinem Verhalten bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in der letzten Woche die spanische Politik nachhaltig verärgert. In Spanien herrsche auch eine Woche nach dem Schweigen des Kanzlers zu Trumps Drohungen gegen Madrid große Verärgerung mit Blick auf Merz, berichtet „Politico“ nun.
Der Bundeskanzler gehöre zu einer Gruppe aktueller EU-Politiker, die „keine Ahnung haben, wie sie mit dem historischen Moment, den wir gerade erleben, umgehen sollen“, kritisierte die stellvertretende Ministerpräsidentin Yolanda Díaz den CDU-Politiker am Montag im Gespräch mit dem US-Medium. „Was Europa heute benötigt, ist Führungsstärke, keine Vasallen, die Trump huldigen“, fügte sie hinzu.
Friedrich Merz nach Treffen mit Donald Trump in der Kritik
Merz war zuvor in Spanien in die Kritik geraten, weil er während einer Pressekonferenz im Weißen Haus am 3. März geschwiegen hatte, als Trump damit drohte, ein Embargo gegen Spanien zu verhängen. Madrid hatte zuvor US-Flugzeugen die Nutzung spanischer Luftwaffenstützpunkte für Angriffe auf den Iran untersagt.
Nach dem Treffen behauptete der Kanzler, er habe im Oval Office geschwiegen, weil er nicht riskieren wollte, die Situation durch eine öffentliche Zurechtweisung Trumps zu „verschärfen“. Er habe dem US-Präsidenten später hinter verschlossenen Türen jedoch gesagt, dass wirtschaftliche Sanktionen nicht gegen einzelne EU-Länder verhängt werden können, hieß es vom Kanzler.
„Feigling“: Spanische Presse geht auf Kanzler Merz los
Beruhigen konnte Merz die Gemüter in Spanien damit aber offenbar bisher nicht. Die spanische Presse ging in den vergangenen Tagen hart mit dem CDU-Politiker ins Gericht. Merz sei ein „Feigling“, der es versäumt habe, „einen europäischen Partner zu verteidigen, wie es ein grundlegendes Gefühl der Solidarität verlangt hätte“, hieß es dort mitunter.
Auch von Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez gibt es laut „Politico“ derzeit die kalte Schulter für Merz. Die beiden Staatschefs hätten seit Merz’ Besuch in Washington nicht mehr miteinander gesprochen, räumte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Montag gegenüber „Politico“ ein.
Funkstille zwischen Friedrich Merz und Pedro Sánchez
Zweimal habe der Kanzler versucht, seinen spanischen Amtskollegen anzurufen – ohne Erfolg. Schließlich habe Merz eine Sprachnachricht hinterlassen und warte nun auf einen Rückruf, berichtete Kornelius.

US-Präsident Donald Trump empfängt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Weißen Haus. (Archivbild)
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Aus Spanien hieß es wenig später dann, Sanchez habe auf die Anrufe nicht reagiert, da Merz eine veraltete Telefonnummer angerufen habe. Der spanische Ministerpräsident wechsle seine Nummer aus Sicherheitsgründen regelmäßig, hieß es weiter aus Madrid. Mittlerweile seien die korrekten Kontaktdaten nach Berlin übermittelt worden, hieß es weiter. Ein Gespräch habe jedoch dennoch bisher nicht stattgefunden.
„Die Beziehungen sind überhaupt nicht angespannt“
In Berlin ist man indessen um Schadensbegrenzung bemüht. „Die Beziehungen sind überhaupt nicht angespannt“, hieß es von Regierungssprecher Kornelius. Zuvor hatte bereits Außenminister Johann Wadephul in der letzten Woche betont, dass Spanien „stets auf europäische und damit auch auf deutsche Solidarität zählen“ könne. „Wir stehen in engster Einigkeit zusammen“, erklärte Wadephul.
Auch Spaniens stellvertretende Ministerpräsidentin Diaz erklärte am Montag, dass sie nicht mit einem bleibenden Schaden bei den deutsch-spanischen Beziehungen rechne – machte aus ihrem Ärger über Merz jedoch kein Geheimnis. „Artikel 1 der Charta der Vereinten Nationen definiert eindeutig, was einen unrechtmäßigen Krieg ausmacht“, sagte sie. „Von jedem EU-Politiker sollte erwartet werden, dass er sich klar für das Völkerrecht ausspricht“, betonte Diaz.
Klare Worte aus Spanien: „Müssen unsere eigene Seele besitzen“
Dass der Bundeskanzler Trump mit Samthandschuhen angefasst habe, führte Diaz derweil auf eine „extrem schwache wirtschaftliche Position“ Deutschlands zurück, die symbolisch für Europas zu große Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten sei.
„Wir brauchen strategische Autonomie, wir brauchen unsere eigene europäische Industrie“, forderte Diaz. „Und wir müssen unsere technologische, finanzielle und energetische Abhängigkeit sowohl von den Vereinigten Staaten als auch von Peking verringern. Wir müssen unsere eigene Seele besitzen.“

