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Strom für 4000 Haushaltee-regio baut bei Kall-Scheven einen neuen Solarpark

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Im Hintergrund sind die Vorrichtungen für die Solarmodule und im Vordergrund die Bahnlinie bei Kall-Scheven zu sehen.

Unmittelbar an der Bahntrasse Köln-Tier entsteht der Solarpark bei Scheven.

Der neue Solarpark der e-regio ist eine von zwei Anlagen, die in der Nähe von Scheven gebaut werden. Im Herbst soll er in Betrieb gehen. 

Auf einer 10,5 Hektar großen Fläche in einem Korridor von 200 Metern entlang der Bahnlinie Köln-Trier bei Scheven hat die e-regio jetzt mit dem Bau eines Solarparks begonnen. Im Herbst soll die Anlage in Betrieb gehen und nach Angaben des Unternehmens rund 14 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Damit könnten bis zu 4000 Haushalte versorgt werden.

In Scheven waren und sind noch weitere Solarparks geplant, was für Unmut im Ort gesorgt hatte. „Die Schevener fühlen sich von Photovoltaikanlagen regelrecht umzingelt“, hatte Ortsvorsteher Hans Reiff (FDP) gewarnt. Man dürfe den Ort nicht überfordern.

Arbeitsgruppe „Erneuerbare Energien“ in Kall tagt am 5. Mai

Die Gemeinde Kall hatte im vergangenen Jahr die maximale Gesamtfläche für die Ansiedlung von PV-Freiflächenanlagen von 100 auf 66 Hektar reduziert. In einem Kriterienkatalog wurde zudem festgelegt, dass der Abstand zu Waldflächen von 30 auf 50 Meter erhöht, die Mindestgröße von Solarparks von 7,5 auf 5 Hektar verringert und der Mindestabstand zwischen zwei Solarparks von einem Kilometer auf 750 Meter Luftlinie reduziert wird.

Zu Ortslagen sollen 200 Meter, zu bewohnten Außenbereichssiedlungen 100 Meter und zu prägenden touristischen Einrichtungen wie dem Eifelsteig und dem Römerkanalwanderweg 250 Meter Abstand eingehalten werden. 300 Meter muss der Abstand zum Nationalpark Eifel und je 1000 Meter zu Eifelblicken und landschaftsprägenden Kulturdenkmälern wie dem Kloster Steinfeld betragen.

Blick auf das gelagerte Material neben der Baustelle.

Noch viel Material muss verbaut werden, ehe der neue Solarpark in Betrieb genommen werden kann.

Bei interkommunalen Solarparks soll zunächst eine ganzheitliche Betrachtung vorgenommen und dabei die Ausstrahlung auf das Gebiet der Nachbarkommune berücksichtigt werden.

„Die neu eingerichtete Arbeitsgruppe ,Erneuerbare Energien' wird am 5. Mai zum ersten Mal tagen und dann alle Anfragen für Solarparks sichten und bewerten“, erklärte Bürgermeister Emmanuel Kunz auf Anfrage. In der Arbeitsgruppe müsse auch noch einmal über die Festlegung der Gesamtfläche auf 66 Hektar gesprochen werden: „Das ist vielleicht auch noch zu viel.“ Zumal die finanziellen Vorteile für die Gemeinde bei solchen Projekten sehr begrenzt seien, so Kunz.

Zweiter Solarpark entsteht links und rechts der Straße nach Dottel

Einige Vorhaben im Umfeld von Scheven werden nach Einschätzung von Ortsvorsteher Reiff wahrscheinlich nicht umgesetzt: „Planungen, beispielsweise an der Bundesstraße zwischen Wallenthal und Scheven Solarparks zu errichten, sind im Gemeinderat wohl nicht mehrheitsfähig.“ Das gelte auch für eine Fläche oberhalb des jetzt im Bau befindlichen Parks der e-regio. Weil diese Flächen nicht an der Bahn liegen, muss die Gemeinde erst einmal Baurecht schaffen.

Realisiert wird dagegen neben dem Vorhaben der e-regio wohl ein Solarpark links und rechts von der Straße nach Dottel. „Im Herbst soll mit dem Bau des rund zehn Hektar großen Parks begonnen werden“, berichtete Reiff. Das Projekt liegt ebenso wie das der e-regio in einem Korridor von 200 Metern entlang der Bahntrasse und ist deshalb privilegiert. Deshalb muss die Gemeinde dafür auch keinen Bebauungsplan aufstellen.

Gewerbesteuereinnahmen für Mechernich und Kall

Der neue PV-Park Scheven-Kalenberg befindet sich auf Flächen der Gemeinde Kall (gut sechs Hektar) und der Stadt Mechernich (gut vier Hektar). „Die Bauausführung übernimmt unser Partner F&S aus Euskirchen“, teilte e-regio-Pressesprecherin Ilona Schäfer mit. Mehr als 18.000 Module mit einer Leistung von 12.916 Kilowatt-Peak werden installiert.

Der neue Solarpark wird nach Angaben von Schäfer naturverträglich ausgestaltet und bietet Habitate für Flora und Fauna. Auch eine Beweidung sei möglich. „Die Flächen werden künftig nicht mehr so intensiv bewirtschaftet wie vorher. Deshalb wird die Biodiversität höher sein als zuvor.“ Die Inbetriebnahme des Parks sei für Herbst 2026 geplant.

„Die Gewerbesteuereinnahmen kommen zu 90 Prozent den Standortkommunen Kall und Mechernich zugute“, so Schäfer. Darüber hinaus erhalten die Kommunen 0,2 Cent pro Kilowattstunde für die erzeugten Strommengen auf den Gemeindegebieten, für die eine finanzielle Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gezahlt werde.

„Damit fließen Mittel aus dem Park direkt in die Haushalte der Standortkommunen und kommen so den Bürgern zugute“, so die Pressesprecherin. Nach Inbetriebnahme werde auch eine Beteiligung der Kommunen und Bürger angestrebt.