Mahjouba Yasmine hat sich in Euskirchen an der Berliner Straße den Traum vom eigenen Café erfüllt. Dort gibt es aber viel mehr als nur Kaffee und Kuchen.
Spielecke für KinderDas „Café Casa“ in Euskirchen ist ein Zuhause für Vielfalt und Shopping

Dass das Wasser aus einer gewissen Höhe in die Tasse fällt, ist laut Café-Chefin Mahjouba Yasmine wichtig für den Geschmack.
Copyright: Tom Steinicke
Der warme Duft von frischem Kaffee liegt in der Luft. Kinder spielen in der Spielecke. Zwischen orientalischen Fliesen und sanften Rottönen steht Mahjouba Yasmine hinter der Theke ihres neuen Cafés an der Berliner Straße in der Euskirchener Innenstadt – und lächelt. „Ich wollte einen Ort schaffen, an dem sich alle willkommen fühlen“, sagt die 31-Jährige.
Bis vor kurzem arbeitete die Nettersheimerin noch in der Ausländerbehörde in Kerpen – im Bereich Migration und Integration. Zuvor war sie unter anderem beim Deutschen Roten Kreuz und als Integrationsbeauftragte der Stadt Euskirchen tätig und kennt die Herausforderungen, die Menschen mit Migrationshintergrund im Alltag erleben, genau.
Ich habe immer davon geträumt, einen Ort zu schaffen, an dem positiv über Integration gesprochen wird.
„Ich habe immer davon geträumt, einen Ort zu schaffen, an dem positiv über Integration gesprochen wird. Wo sich Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte einfach begegnen können“, erzählt sie.
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Doch in den Behörden, sagt sie, habe sie diesen Traum nicht verwirklichen können: „Verwaltung ist oft langsam. Man sieht, was man verändern möchte, aber es passiert zu wenig. Ich wollte etwas Positives tun – mit direkter Wirkung.“
Der Name Café Casa ist Programm
So entstand die Idee für das „Café Casa“ – ein Ort, der mehr ist als ein gewöhnliches Café. Der Name ist Programm: Casa bedeutet „Zuhause“ – und ist zugleich eine Anspielung auf Casablanca, die Herkunftsstadt ihrer Eltern.
„Unsere Produkte sind vegetarisch oder halal, wir verkaufen keinen Alkohol“, erklärt Yasmine: „Für viele muslimische Familien ist das wichtig – selbst Alkohol in einer Vitrine ist eine Hürde, überhaupt essen zu gehen.“
Gleichzeitig sollen sich aber alle Menschen wohlfühlen, betont sie: „Bei uns sitzen Familien, ältere Ehepaare, Sportler, junge Mütter – einfach alle.“

Für den Nachwuchs hat Mahjouba Yasmine eine Spielecke geschaffen.
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Mit viel Liebe zum Detail hat die Nettersheimerin ihr Café in Euskirchen eingerichtet.
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Das Café ist Teil eines ungewöhnlichen Mischkonzepts: Neben Frühstück, einer Proteinbowl, hausgemachtem Kuchen und Spezialitäten wie marokkanischem Minztee und hausgemachtem Matcha gibt es auch Mode – von alltagstaugliche, etwas bedecktere Mode. „Ich wollte zeigen, dass Stil und kulturelle Vielfalt sich wunderbar verbinden lassen“, sagt die alleinerziehende Mutter.
Besonders stolz ist Yasmine auf die Kinderecke. „Ich habe selbst einen dreijährigen Sohn. Mir war wichtig, dass Kinder hier Platz haben, dass sie rennen dürfen und nichts kaputtgeht. Eltern sollen sich hier fühlen wie zu Hause.“
Café soll Kulturraum werden und zum Shoppen animieren
Doch die Eifelerin mit marokkanischen Wurzeln denkt weiter: Das Café soll auch Kulturraum und Bühne werden. In den kommenden Monaten sind Lesungen, Filmabende und Begegnungsformate geplant. „Ich möchte Menschen eine Bühne geben, die sonst kaum Gehör finden – Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte, Künstlerinnen, die keine großen Netzwerke haben“, sagt sie: „Es soll ein Ort werden, an dem man nicht nur bedient wird, sondern auch etwas mitnimmt.“
Die Umsetzung ihres Traums war kein leichter Weg. Yasmine ist alleinerziehende Mutter, hat ohne Geschäftspartner und mit viel Eigenleistung das Ladenlokal umgebaut – vom Streichen bis zur Einrichtung. Unterstützt wurde sie dabei auch von der Stadt Euskirchen, die das Projekt über ein Förderprogramm mit Mietzuschuss begleitete.

Neben Kaffee, Tee und Kuchen gibt es auch Frauenmode im „Casa“.
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Wer es gemütlicher mag – es gib auch Sofas.
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„Ich bin sehr dankbar, dass man mir die Chance gegeben hat“, sagt sie: „Viele haben anfangs gezweifelt – aber wenn man etwas mit Herz macht, dann spüren die Menschen das.“
Geboren wurde Mahjouba Yasmine in Speyer, ihre Eltern stammen aus Marokko. „Früher habe ich gesagt: Ich bin deutsch, mit marokkanischen Wurzeln. Aber in den vergangenen Jahren, als der Ton in der Gesellschaft härter geworden ist, denke ich oft: Ich bin Marokkanerin, die in Deutschland geboren ist“, sagt sie nachdenklich: „Ich bin beides – und genau das will ich mit dem Café zeigen: dass man in zwei Welten zuhause sein kann.
Besucherin brachte Spiegel aus der Heimat der Café-Chefin mit
Nach nur zwei Wochen ist das „Café Casa“ schon zu einem kleinen Treffpunkt geworden. Viele Gäste kommen regelmäßig, bringen Freunde mit oder erzählen von ihren eigenen Erinnerungen an Marrakesch. Eine ältere Dame brachte sogar einen Spiegel aus den 1970ern mit – ein Souvenir aus Marokko.
„Sie meinte, der gehört hierher“, erzählt Yasmine lächelnd, die den Spiegel an die große lange Wand gehängt hat. Ihr Ziel ist klar: „Ich möchte, dass die Menschen hier für einen Moment abschalten, sich gesehen fühlen – und spüren, dass Vielfalt etwas Schönes ist.“
Übrigens: Direkt neben dem „Casa“ verschwindet in wenigen Tagen ein weiterer Leerstand. In der ehemaligen Apotheke steht eine Balkan-Bäckerei kurz vor der Eröffnung.
Geöffnet hat das Café Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr.

