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GlasfaserausbauWeilerswister Politiker kritisieren teils mangelhafte Ausführung der Arbeiten

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Das Bild zeigt eine aufgeschnittene Glasfaserleitung, im Hintergrund sieht man ein Einfamilienhaus.

Seit 2024 werden die Glasfaserleitung in der Gemeinde Weilerswist verlegt. 

14-Millionen-Euro-Projekt sorgt für Unmut: In Weilerswist läuft beim Bau von 63 Kilometer Glasfasertrassen nicht alles rund.

Die Frage nach dem Stand des Glasfaserausbaus in der Gemeinde brannte den Politikern im Ausschuss für Infrastruktur und Mobilität  sichtlich unter den Nägeln. Sie klagten über spontane Hausbesuche von Firmen, die die Kabel verlegen, über unsaubere Fräsarbeiten und insgesamt über fehlende Information.

Der Unmut ist indes nicht neu: Bereits im Mai 2025 hatte die UWV auf Probleme aufmerksam gemacht. Mit Bürgermeister Dino Steuer und Vertretern der zuständigen Unternehmen wurde das Thema nun erneut diskutiert. Zuständig für den Glasfaserausbau in Weilerswist sind Netcologne und Westconnect. Für den Tiefbau ist gemäß der Webseite von Netcologne die Firma Infratech zuständig.

Die Glasfaserkabel werden nach dem Tiefbau in die Rohre eingeblasen

Im Ausschuss gaben die  Vertreterinnen von Netcologne einen Überblick über den Stand des Ausbaus  in der Gemeinde. Nach Angaben von Eva-Maria Ritter, Marketing und Kommunikation, und Vertriebsmanagerin Paula Schneider plant Netcologne den Tiefbau von Glasfasertrassen über eine Gesamtstrecke von 63 Kilometern im Gemeindegebiet.

„Die Glasfaserkabel werden nach dem Tiefbau durch technische Montagetrupps in Rohre eingeblasen“, erläuterte Stefan Engelberth, Manager für regionale Kooperationen bei Westconnect. Dazu parallel oder nachträglich werden die Hausanschlüsse für diejenigen installiert, die dazu ihre Einverständniserklärung abgegeben haben, führte Engelberth aus. Ritter verglich den Wechsel von Kupfer- auf Glasfaserleitungen mit dem Abschalten analoger Fernsehsignale: „Kupferanschlüsse werden ihr Ende erblicken.“

Das Investment für den Netzausbau in Weilerswist entspricht laut Schneider 14 Millionen Euro, wobei die Aktivtechnik noch nicht mitgerechnet sei. Als Aktivtechnik werden Netzkomponenten bezeichnet, die Strom benötigen, etwa Glasfaserumsetzer. Die Kabel hingegen gehören zur Passivtechnik.

Die Kommunikation mit den Bürgern sei optimierungsbedürftig

Weiter sprach Schneider von drei Kommunikationsphasen: der Vor-, Bau- und Nachvermarktung. Die erste Phase mit Infoveranstaltungen und Pressemeldung sei 2023/24 gestartet. Seit 2024 befinde man sich, während des Netzausbaus, in der zweiten Phase. Diese sei unter anderem durch Anschreiben, Info-Kampagnen und den Direktvertrieb geprägt. In der Nachvermarktung, geplant ab 2027, sei etwa vorgesehen, Werbematerial an Hauseigentümer  zu schicken.

„Die Bürger beschweren sich über unzureichende Infos“, sagte Uwe Wegner (UWV): Die Kommunikation von Netcologne und Westconnect sei, nett gesagt, optimierungsbedürftig. Teils werde viel zu kurzfristig Bescheid gegeben über anstehende Arbeiten, so Wegner. Engelberth entgegnete, dass die Mitarbeitenden angewiesen seien, die Anschlusstermine mit Vorlauf anzukündigen. Aber: „Falls ein Anschluss nicht möglich ist wie vorgesehen, geht ein Ingenieur manchmal zur Nachbarwohnung und versucht, dort den Anschluss anzubringen“, so Engelberth. „Bestimmten Einzelfällen gehen wir auch nach“, warf Ritter ein. Ein vollständiger Überblick sei im Massenprozess aber schwierig.

Die Fräskanten bilden derzeit eher die Nordseewellen nach.
Uwe Wegner (UWV) über mangelhafte Arbeiten

Myriam Kemp (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, dass die familiäre Vorfreude auf schnelleres Internet durch mangelnde Infos beeinträchtig werde. Sie schilderte, dass ein Netcologne-Mitarbeiter ohne Vorwarnung vor ihrer Haustür gestanden habe. Da keine offizielle Ankündigung der Arbeiten vorgelegen habe, sei sie verunsichert gewesen, ob es sich um einen echten Mitarbeiter handele. Wozu Schneider versicherte, dass die Mitarbeiter sich ausweisen können und in der Regel eine entsprechende Firmenweste tragen.

Die Ausschussmitglieder bemängelten weitere Punkte. Florian Leonhard (AfD) wies auf abweichende Angaben zur geplanten Fertigstellung in Lommersum hin: Auf der Webseite von Netcologne stehe 2026, auf den Folien 2028. Dies erklärte Engelberth mit der Dynamik derartiger Projekte. Und: „Wir wollen am Ende ein gutes Netz in Weilerswist in Betrieb nehmen.“ Ritter sicherte zu, dass geprüft werde, ob das Kundenportal auf dem neuesten Stand sei.

Wegner bezweifelte, dass die Kabelverlegung in manchen Orten bereits abgeschlossen sei. „Es kann zu Rohrbeschädigungen kommen“, so Engelberth. Die Fehler nehme man auf und übergebe sie gesammelt an die Tiefbauer. Ritter fügte an, dass man sich darum bemühe, die Bauarbeiter qualifizierter auszubilden.

„Die Fräskanten bilden derzeit eher die Nordseewellen nach“ , kommentierte Wegner. Bezüglich auftretender Mängel versicherte Engelberth, dass man diese bei der Abnahme kontrolliere. Dino Steuer fügte an, das mindestens ein Mitarbeiter die Strecken abfahre, Mängel festhalte und gebündelt weiterleite. Martin Reichwaldt, Fachbereichsleiter Planen und Bauen der Gemeinde: „Wir sind noch lange nicht fertig. Alles wird festgehalten und kontrolliert.“ Über die Servicenummer 02254/9600401 können der Verwaltung Mängel beim Glasfaserkabelausbau gemeldet werden.


Stand des Ausbaus in Weilerswist

In der Ausschusssitzung für Infrastruktur und Mobilität stellten Netcologne und Westconnect die aktuellen Zahlen des Glasfaserkabelausbaus in der Gemeinde vor. Die Anschlussquote in Weilerswist-Süd ist gemäß der Präsentation am höchsten (79 Prozent). Seit dem Baubeginn im Sommer 2024 wurden 8,7 Kilometer Leitungen verlegt.

In den anderen Orten sieht es demnach folgendermaßen aus: Kleinvernich (Gebäude zu 57 Prozent angeschlossen), Baubeginn Frühjahr 2024, 3,7 Kilometer Leitungslänge verlegt (100 Prozent); Großvernich (47 Prozent angeschlossen), Baubeginn: Frühjahr 2024, 5,7 von 5,9 Kilometern verlegt; Ottenheim (47 Prozent angeschlossen), Baubeginn: Erstes Quartal 2026; Kern und Swisterberg (40 Prozent angeschlossen), Baubeginn: Frühjahr 2024, 17,8 von 22,1 Kilometern verlegt; Lommersum (35 Prozent angeschlossen), Baubeginn: Herbst 2024, 1,8 von 11,9 Kilometern verlegt.

Vor dem Netzanschluss des jeweiligen Gebäudes muss Netcologne zufolge eine Grundstückseigentümererklärung (GEE) abgegeben werden. Hierfür müssen sich Mieter an die Eigentümer wenden. Ein nachträglicher Anschluss ans Glasfasernetz ist nach Angaben von Netcologne möglich, aber kostenpflichtig. Für die entsprechenden Anfragen solle man sich direkt an die Westconnect wenden.