Der Kölner Telekommunikationsanbieter will neue Geschäftskunden gewinnen – und unterzieht deren Systeme intensiven Sicherheitstests.
Netcologne-Chef Timo von Lepel„Wir brechen auf ausdrücklichen Wunsch bei unseren Kunden ein“

Timo von Lepel ist seit zehn Jahren Geschäftsführer von Netcologne.
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Herr von Lepel, Netcologne erzielte 2024 ein Rekordergebnis beim Umsatz und Gewinn. Können Sie schon sagen, wie es im vergangenen Jahr gelaufen ist?
2025 war für uns wieder ein wirtschaftlich erfolgreiches Geschäftsjahr. Wir konnten Umsatz und Ergebnis weiter steigern und haben insgesamt rund 90 Millionen Euro in unsere Infrastruktur investiert – die größte Summe, seit ich bei Netcologne bin.
Konnten Sie auch beim Kundenstamm wachsen? Zuletzt hatten Sie 550.000 Kunden vermeldet.
Wir haben vor allem bei den Kundinnen und Kunden, die unsere eigene Glasfaser-Infrastruktur nutzen, deutlich zugelegt. Auch die Gesamtzahl der Kunden wächst weiter.
Zur Person
Timo von Lepel ist seit 2016 Geschäftsführer von Netcologne. Der Jurist verantwortet das Privat- und Firmenkundengeschäft, Marketing und Kommunikation, Technik und IT sowie den Netzbau. Seit 2019 ist Timo von Lepel zudem Geschäftsführer der Stadtwerke Köln. In weiteren Stationen arbeitete er unter anderem bei der Deutschen Telekom und Telefónica.
Netcologne ist im Großraum Köln, Bonn und Aachen mit den umliegenden Kreisen und Gemeinden tätig und bietet dort Privat- und Geschäftskunden Internet, Telefon, Fernsehen und Mobilfunk an. Der Umsatz betrug 2024 342,4 Millionen Euro. Die Geschäftszahlen für das vergangene Jahr werden im Sommer veröffentlicht.
Wie viele Unternehmenskunden haben Sie?
Wir betreuen rund 30.000 Geschäftskunden, von Start-ups bis hin zu großen Unternehmen wie der Kölnmesse. Besonders stark sind wir im Mittelstand vertreten.
Sie haben für diesen Geschäftsbereich jetzt eine neue Marke gegründet, Netcologne Business. Warum gehen Sie diesen Schritt?
Netcologne ist seit 30 Jahren im Geschäftskundensegment unterwegs und wir erzielen rund 40 Prozent unseres Umsatzes dort. Wir stellen aber immer wieder fest, dass wir vor allem mit Glasfaser in Verbindung gebracht werden. Dabei bieten wir Unternehmen das Komplettpaket an: Wir haben vier hochsichere, moderne und digital souveräne Rechenzentren, in denen wir auch unsere eigene kritische Infrastruktur betreiben. Wir verfügen über umfassende Cyber-Security-Services und komplette Büro-IT-Lösungen. Die neue Marke haben wir gegründet, um diese Wahrnehmung zu stärken. Ich bin überzeugt, dass der Ausbau der digitalen Infrastruktur eine Grundbedingung für Kölns wirtschaftliches Wachstum ist. Und genau dort wollen wir uns auch für Geschäftskunden noch stärker engagieren.
Welches Wachstumspotenzial sehen Sie da?
Ein sehr großes. Wir stellen zum Beispiel immer häufiger fest, dass sich viele unserer Geschäftskunden fragen, ob ihre Daten sicher sind und wer Zugriff darauf hat. Diese Sensibilität führt dazu, dass insbesondere unsere Rechenzentren stark nachgefragt werden. Unser Angebot reicht vom klassischen Housing, bei dem Kunden ihre eigene IT in unserem Rechenzentrum betreiben, bis hin zum Hosting, bei dem nur die Rechenleistung bei uns eingekauft wird und wir die gesamte Infrastruktur bereitstellen und betreiben.
Solche Komplettpakete wie von Ihnen skizziert gibt es von vielen Anbietern. Warum glauben Sie daran, dass Unternehmen zu Ihnen wechseln werden?
Bei uns gibt es alles aus einer Hand, aber wir haben auch die Nähe zu unseren Kunden. Bei den großen internationalen Anbietern sind Unternehmen oft nur eine Nummer. Bei uns haben sie direkte Ansprechpartner, die sie persönlich kennen. Diese Verlässlichkeit spielt für Unternehmen heute eine große Rolle.
Wie integrieren Sie Künstliche Intelligenz, etwa Sprachmodelle, in Ihre Angebotspakete?
Wir schauen uns den Markt gerade sehr genau an und prüfen geeignete Partner, um das Leistungspaket für unsere Geschäftskunden gezielt zu erweitern. Auch hier ist uns Transparenz darüber, wo die Daten verarbeitet werden und wo die Rechenzentren stehen, besonders wichtig.
Wie nutzen Sie bei Netcologne selbst Künstliche Intelligenz?
Vor allem dort, wo große Datenmengen verarbeitet werden, kommt KI zum Einsatz. Unser Ziel ist es, Kundenprozesse zu verbessern – nicht, das Gespräch mit den Menschen zu ersetzen. KI unterstützt unsere Kolleginnen und Kollegen im Service beispielsweise, indem sie Inhalte aus Kundengesprächen automatisch strukturiert zusammenfasst. Das hilft, Anliegen schneller und präziser zu lösen.
Sie betonen immer wieder, wie wichtig es ist, dass Daten in Sicherheit sind. Wie steht es um das Telekommunikationsnetz in Köln – ist dieses sicher gegenüber Angriffen und Sabotage?
Als Teil der kritischen Infrastruktur unterliegen wir hohen Sicherheitsanforderungen, die wir vollständig erfüllen. Wir stehen im ständigen Austausch mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sowie mit der Bundesnetzagentur. Wir investieren viel Geld in Zertifizierungen und in die Qualifikation unserer Mitarbeitenden. Absolute Sicherheit gibt es jedoch nirgendwo – das gilt auch für uns. Unsere Aufgabe ist es, alles zu tun, um Angriffen bestmöglich standzuhalten.
In Berlin wurden Stromkabel über der Erde verlegt und konnten so sabotiert werden. Gibt es solche Schwachstellen auch im Telekommunikationsnetz in Köln und der Region?
Wir halten uns an die geltenden Sicherheitsstandards und verlegen Leitungen mindestens 80 Zentimeter tief. Es gibt immer wieder die Diskussion, über geringere Tiefen, um Kosten zu sparen. Wir tun es bewusst nicht, weil wir wissen, welche Risiken damit verbunden wären. Zudem bauen wir auch immer in Ringstrukturen: Wenn eine Störung aufkommt oder eine Leitung beschädigt wird, kann der Datenverkehr dadurch besser umgeleitet werden.
Wie entwickelt sich die Gefahr durch Cyberkriminelle für Ihr Unternehmen und Ihre Kunden?
Die Angriffe nehmen zu – sei es über Phishing-Mails oder über sogenannte DDoS-Attacken. Wir positionieren uns mit Netcologne Business in diesem Bereich als Dienstleister für Unternehmen und bieten umfassende Penetrationstests an. Wir führen hier im Auftrag unserer Kunden Test-Attacken auf ihre IT-Architektur durch – immer mit dem Ziel, sie sicherer zu machen. Digital und auch physisch.
Sie brechen bei Ihren Kunden ein?
Ja, auf deren ausdrücklichen Wunsch. Unternehmen wollen wissen, wo ihre Schwachstellen sind und wie sie sich vor Angriffen schützen können. Wir haben bei Netcologne Experten, die auf Anforderung mit einer – im positiven Sinn – kriminellen Energie versuchen, in die Serverräume oder Systeme unserer Kunden einzudringen. Es gelingt uns regelmäßig. Darüber hinaus prüfen wir in klassischen Tests systematisch, ob wir über die Website oder auf anderen Wegen in die IT-Infrastruktur eindringen können. Vor Kurzem haben wir das ganze Testprogramm für eine sehr bekannte Bank durchgeführt.
Bislang gilt die Deutsche Telekom bundesweit als marktbeherrschend und muss Wettbewerber wie Netcologne zu staatlich festgelegten Mietpreisen auf ihr Kupfernetz lassen. Die Bundesnetzagentur will jetzt den Wettbewerb in einigen Städten deregulieren, auch in Köln. Hat Netcologne die Telekom-Marktmacht in Köln tatsächlich gebrochen?
Wir haben uns zum Ziel gesetzt, in Köln führender Anbieter für Glasfaser zu sein – und das ist uns trotz großer Wettbewerber wie Telekom und Vodafone gelungen. Rund zwei Drittel aller Haushalte in Köln können wir heute mit Glasfaser versorgen. Die reine Abdeckung ist hier aber gar nicht so relevant. Wichtiger ist, die Migration von Kupfer- auf Glasfasernetz zu beschleunigen. Das ist der entscheidende Hebel für Wirtschaftswachstum in Köln und Deutschland – nicht, ob einzelne Städte wie Köln, München, Ingolstadt und Wolfsburg aus der Regulierung entlassen werden.
Werfen Sie der Bundesnetzagentur Micromanagement vor?
Darauf möchte ich mich nicht fokussieren. Aus meiner Sicht gibt es wichtigere Themen für die Branche.
Wird es teurer für Ihre Kunden, wenn Sie die Netzmiete mit der Telekom künftig frei verhandeln müssen?
Das lässt sich, Stand heute, nicht seriös sagen. Die gesetzlich festgelegten Mieten waren bereits nicht niedrig und es kann sein, dass sie noch teurer werden.
Wie ist Ihr Blick auf den Standort Köln?
Es ist positiv, dass wir mit Torsten Burmester einen Oberbürgermeister haben, der klar sagt, dass Wirtschaftspolitik für ihn absolute Priorität hat. Das ist wichtig, denn ich glaube, dass der Standort Köln enormes Potenzial hat – insbesondere im Bereich digitaler Technologien. Mit über 60 Hochschulen und Universitäten in der Region verfügen wir über ein unglaubliches Know-how. Ich nehme in vielen Gesprächen mit Wirtschaftsvertretern wahr, dass sie für den Standort und für Köln eintreten und daran arbeiten wollen, ihn weiterzuentwickeln. Das ist gut, denn es hilft uns nicht, zu jammern. Wir müssen mit den weltpolitischen Lagen umgehen, aber auch dafür sorgen, dass wir den Standort und das Image der Kölner Wirtschaft aktiv stärken.

