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WohnraumGemeinnütziger Bauverein Opladen will mehr als 200 neue Wohnungen errichten

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Eine Baubrache an der Manforter Straße

Auf diesem Areal an der Manforter Straße will die GBO einen Neubau mit mehreren Dutzend Wohnungen errichten.

Der Wohnungsmarkt ist sehr angespannt. Zugleich könnte der „Bauturbo“ Neubauten beschleunigen. Der GBO will mehrere große Projekte realisieren.

Leverkusen hat ein massives Problem bei bezahlbarem Wohnraum. Diejenigen, die das feststellen, wissen, wovon sie sprechen. Meral Tosun und Alexander Dederichs, kaufmännischer und technischer Vorstand des Gemeinnützigen Bauvereins Opladen (GBO), warnen, dass sich diese Lage weiter verschärfen wird, wenn nichts passiert. „Von 85.000 Wohnungen in Leverkusen sind aktuell noch 4700 in der Mietpreisbindung“, sagte Dederichs bei einer Präsentation der GBO-Projekte für die kommenden Jahre am Dienstag. Das heißt, sie stehen Leverkusenerinnen und Leverkusenern mit Wohnberechtigungsschein zur Verfügung.

Aber: Bis zum Jahr 2035 fällt die Hälfte dieser Wohnungen aus Mietpreisbindung heraus. Vermieter erhöhen dann in aller Regel die Mieten. Für Mieter mit kleinem Geldbeutel kommen sie dann relativ schnell nicht mehr in Betracht.

Meral Tosun und Alexander Dederichs, die kaufmännische Leiterin und der technische Leiter der GBO

Meral Tosun und Alexander Dederichs, die kaufmännische Leiterin und der technische Leiter der GBO

Den Mangel an bezahlbarem Wohnraum bekommen die Mitarbeiter der genossenschaftlich organisierten GBO täglich zu spüren. Die Warteliste der Genossenschaft umfasst 3500 Wohnungssuchende. Die Fluktuation im GBO-Bestand, also frei werdende Wohnungen, beläuft sich jährlich aber nur auf 120 Wohneinheiten. Dederichs: „Wir haben damit ein riesiges gesellschaftliches Problem. Zugleich aber haben wir hier in der Stadt das Privileg, dass wir die Situation positiv gestalten können, weil wir genügend Flächen für den Neubau von Wohnungen haben und weil wir nachverdichten können.“

Die GBO hat im 126. Jahr ihrer Existenz aktuell einen Bestand von mehr als 2100 Wohnungen. Sie will in den kommenden fünf Jahren 230 Wohnungen neu bauen und weitere 180 sanieren und barrierefrei umbauen.

Quartier Quettingen

Das Projekt an der Breslauer und Stettinger Straße vereint die Aspekte Sanierung und Neubau, weil dort 130 Wohnungen in 17 Häusern der GBO energetisch saniert und mit Aufzügen barrierefrei ausgebaut werden. Statt einer Quadratmetermiete von durchschnittlich 6,19 Euro sollen es nach der Modernisierung 7,25 Euro sein. Die Wohnungen, die bereits aus der Mietpreisbindung herausgefallen sind, kommen für 30 Jahre in diese zurück. Zusätzlich werden auf dem Gelände in Dachgeschossen sechs zusätzliche Wohnungen gebaut, in einem Neubau entstehen 12 zusätzliche Wohneinheiten.

Fritz-Henseler-Straße/Ewald-Flamme-Straße

Im Westen des Stadtteils Opladen will die GBO Altbauten im Bestand abreißen und neu bauen. Das sei eine Situation, in der der Wohnungsbau „polarisiert“, wie Dederichs sagt. Mit Blick auch auf eine vergleichbare Situation bei den Sternhäusern in Rheindorf-Nord, die die Wohnungsgesellschaft Leverkusen durch größere Neubauten mit mehr Wohnungen ersetzen will, befand der technische GBO-Leiter: „Natürlich sind die betroffenen Mieter nicht amüsiert. Aber ich finde es richtig, dass diese Entscheidungen so getroffen werden.“ An der Fritz-Henseler-Straße sollen zwei etwa 100 Jahre alte, niedrige Altbauriegel der Neubebauung weichen. 

Wohnhäuser an einer Straße

Müssen Neubauten weichen: Die niedrigen Gebäuderiegel an der Fritz-Henseler-Straße rechts und links der Durchfahrt zum Torhaus.

Dass man das auch unter den Mitgliedern der GBO durchaus anders sieht, zeigt eine Wortmeldung von Roland Hölzer, laut eigener Auskunft langjähriges Mitglied der Genossenschaft. Er schreibt dem „Leverkusener Anzeiger“, er distanziere sich von der Haltung der GBO, die sich mit Blick auf die Sternhäuser in einem Brief an diese Zeitung für Abriss und Neubau ausgesprochen hatte. Hölzer kritisiert, „bewahren alter Substanz stehe für Stillstand, Neubau für Fortschritt“. Am Ende bleibe von dem beschworenen verantwortungsvollen Umgang mit Mietern und Beständen nichts übrig, so Hölzer. 

Mietwohnungsblöcke an einer Wohnstraße

Die beiden etwa 50 bis 60 Jahre alten Mietwohnungsblöcke rechts und links im Hinterland der Fritz-Henseler-Straße sollen gleichfalls abgerissen werden.

Für das Neubauprojekt sollen auch zwei später hinzugefügte Wohnhausquader mit Kunstschieferverkleidung abgerissen werden. An der Fritz-Henseler-Straße will die GBO einen Neubau mit 73 Wohnungen und fast der doppelten Wohnfläche wie bisher errichten. 70 Prozent davon sollen geförderter Wohnraum sein. Zudem soll eine vierzügige Kindertagesstätte für etwa 100 Kinder gebaut werden.

Manforter Straße

In Wiesdorf sollen in einem Neubau kurz vor der Einmündung Leipziger Straße 14 Wohnungen entstehen, zu „100 Prozent öffentlich gefördert“, wie die GBO schreibt. Das Projekt hat ein Investitionsvolumen von 4,5 Millionen Euro und umfasst auch 15 Stellplätze für Autos. Aktuell ist das künftige Baugelände mit Zäunen zur Straße hin abgeschirmt.

Bracknellstraße/Kanalstraße

An der Ecke Bracknellstraße/Kanalstraße in Opladen will der Bauverein im Hinterland bestehender Wohnbebauung gleich sieben Gebäude neu errichten, in denen etwa 50 Wohnungen entstehen sollen. Auch dieses Bauprojekt mit einem Volumen von 17 Millionen Euro soll „größtenteils öffentlich gefördert“ werden. Die GBO spricht hier von „Nachverdichtung von aktuell untergenutzten Flächen“. Ein Blick auf das Bauareal zeigt, was damit gemeint ist: Hinter den Wohnhäusern auf diesem Areal erstrecken sich diverse Garagenhöfe und Grünflächen.

„Für dieses Bauprojekt wäre normalerweise ein Bebauungsplanverfahren nötig“, sagt Dederichs. „Wenn hier der Bauturbo angewendet würde, hätten wir eine Zeitersparnis von drei bis fünf Jahren. Das liegt aber im Ermessen der Kommune.“