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ImmobiliendealsEine Million von der Leverkusener Großfamilie

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Wohn- und Geschäftshaus in der Maybachstraße in Köln

Zu dem beachtlichen Immobilienportfolio, das sich der Bergisch Gladbacher in kurzer Zeit zusammenkaufte, gehört auch ein Wohn- und Geschäftshaus in der Kölner Maybachstraße.

Im Prozess um Geldwäsche und Betrug steht weiterhin ein Bauunternehmer aus Bergisch Gladbach im Fokus. Er sieht sich eher als Opfer.

Täter oder eher Opfer? Dem Bauunternehmer und Immobilieninvestor aus Bergisch Gladbach, der sich – neben einem Spross der Leverkusener Großfamilie – derzeit in einem Revisionsprozess wegen Geldwäsche ein weiteres Mal vor dem Landgericht verantworten muss, fällt die Antwort nicht schwer: Jedenfalls vergleicht er sich am Freitag mit einem Ehepaar aus Frechen, das vor rund zehn Jahren von Michael G. um fast eine Million Euro gebracht wurde. Die betagten Leute sind also ganz klar Opfer.

Was diesen Leuten widerfahren ist, war vor fünfeinhalb Jahren Gegenstand des ersten Prozesses in der Sache. An dessen Ende wurde Michael G. wegen Betrugs und Geldwäsche zu acht Jahren Haft verurteilt, der Bergisch Gladbacher bekam 13 Monate.

Der mittlerweile 62-jährige Vater dreier Töchter schildert seine Sicht der Dinge am dritten Prozesstag vor der 9. Großen Strafkammer recht ausführlich. So hatte er es auch schon 2018 gehalten. Binnen weniger Jahre hatte er ein beachtliches Immobilienportfolio zusammengekauft. Dazu zählt das Haus in der Von-Ketteler-Straße, in dem ein Teil der Leverkusener Großfamilie wohnt: neben Michael G. auch sein Sohn, der gerade neben dem Bergisch Gladbacher auf der Anklagebank sitzt.

Woher stammt das Geld?

Die zentrale Frage in diesem Geldwäsche-Prozess ist, woher jeweils das Geld für die Immobilien-Deals stammte. Aus der Großfamilie, die nachweislich mit groß angelegten Betrügereien an ihr Vermögen gekommen ist, weil ihre Mitglieder ansonsten durchgängig von Sozialhilfe leben und sich im Amt als mittellos darstellen? War der Bergisch Gladbacher also ein Strohmann, der durch Immobilienkäufe – und nebenbei den Erwerb eines Aufsehen erregenden Mercedes SLS AMG – half, illegal beschafftes Geld zu waschen? Im ersten Prozess war das vom Gericht bejaht worden, auch wenn längst nicht alle Vorwürfe nachgewiesen werden konnten. Aus Sicht des Unternehmers sind gegen Ende des damaligen Prozesses „98 Prozent der Vorwürfe gegen mich fallen gelassen“ worden.

Das war für mich freies Kapital
Der Angeklagte über die Million vom Leverkusener Clan

Aber: Er streitet gar nicht ab, dass er vor gut zehn Jahren ein Darlehen vom Oberhaupt des Clans angenommen habe: eine Million Euro. „Das war für mich freies Kapital.“ Und habe dazu gedient, Schnäppchen auf dem Immobilienmarkt auch tatsächlich machen zu können. Schließlich dauere es in der Regel „Monate, bis die Bank eine Finanzierung gemacht hat“.

Sparkasse Leverkusen leiht 6,5 Millionen Euro

Eine dieser Banken ist die Sparkasse Leverkusen. Eine Zeit lang war sie Hauptfinanzier des Bergisch Gladbachers bei seinen Immobiliengeschäften. Die Darlehen summierten sich schließlich auf 6,5 Millionen Euro.

Von der Clan-Million habe er allerdings nicht sehr lange profitieren können, so der Unternehmer: Immer wieder seien Mitglieder der Großfamilie „überfallweise“ aufgetaucht, hätten einmal 30.000, einmal 70.000 und einmal 100.000 Euro aus dem Darlehen gefordert, um irgendwelche Geschäfte zu machen. Er selbst habe das Darlehen korrekt und regelmäßig bedient; im Oktober 2016 sei dann Schluss damit gewesen. Die Leverkusener Großfamilie habe den gesamten Betrag zurückgefordert.

Michael G. kommt in diesen Tagen frei

Der Unternehmer streitet seine engen Beziehungen zu dem Leverkusener Roma-Clan auch gar nicht ab. „Michael G. war für mich ein außerordentlich wichtiger Geschäftspartner.“ In kurzen Abständen habe der Leverkusener ihm Immobilien angeboten – auch wenn längst nicht alles gepasst habe. Insgesamt aber habe Michael G., der in diesen Tagen wieder auf freien Fuß kommt, „immer wieder Methoden gefunden, dass ich investiere“.

Es sei, so fasst er es zusammen, aber auch immer so gewesen, dass Geld von Michael G. nie lang bei ihm geblieben sei. „Wenn man 10.000 Euro von ihm bekam, dann flossen die kurze Zeit später über einen anderen Weg wieder zurück.“ Es ist diese Wahrnehmung, die den 62-Jährigen Michael G. so charakterisieren lassen: „Ich habe ihn immer für einen sehr guten Diplomaten gehalten.“