Am Montag, 23. März, soll der Stadtrat den Fahrplan für die Stellenbesetzung absegnen.
VerwaltungsspitzeLeverkusen soll bis August einen neuen Kämmerer haben

Wer soll Nachfolger von Michael Molitor werden? Dafür gibt es seit Mittwochnachmittag wenigstens einen genauen Fahrplan.
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Der Plan, einfach ein Jahr auszusetzen und den Job des Kämmerers auf Stadtdirektor Marc Adomat und Oberbürgermeister Stefan Hebbel aufzuteilen, hat nicht die Zustimmung der Bezirksregierung gefunden. Das hat die Stadtverwaltung am vorigen Freitag, 13. März, noch einmal schriftlich aus Köln bekommen. Konfrontiert mit dieser Nachricht hat die Stadtspitze schnell gehandelt: Am Mittwochnachmittag wurde eine neue Vorlage für die nächste Sitzung des Stadtrats am Montag, 23. März, präsentiert. Ihr Inhalt: das Stellenprofil für den suspendierten Michael Molitor und ein detaillierter Fahrplan, wie der künftige Kämmerer gefunden werden soll. Mitte Mai soll der Stadtrat die Berufung aussprechen; der Dienstantritt ist für den 1. August 2026 geplant.
Ein Punkt im Anforderungsprofil kann angesichts der gigantischen Verschuldung der Stadt Leverkusen nicht verwundern: „Sie setzen einen besonderen Schwerpunkt auf die Haushaltskonsolidierung und entwickeln tragfähige Strategien zur finanziellen Stabilisierung der Stadt.“ Ansonsten gilt das in Artikel 33, Absatz 2, des Grundgesetzes enthaltene „Prinzip der Bestenauslese nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung“. Dies gelte auch „bei der Besetzung des im Grenzbereich zwischen politischer Willensbildung und fachlicher Verwaltung angesiedelten Amtes einer oder eines Beigeordneten“, führt der Oberbürgermeister aus.
Zwei Ressorts wandern vorübergehend zum OB
Ungeachtet dessen sind die derzeit amtierenden Dezernenten alle Mitglieder einer politischen Partei: Stadtdirektor und Interims-Kämmerer Marc Adomat ist in der CDU, Alexander Lünenbach in der SPD. Einzig die wie Christdemokrat Michael Molitor suspendierte Beigeordnete Andrea Deppe war bis zuletzt nicht Mitglied der Grünen. Aber sie wurde als ihnen nahestehend betrachtet. Dass Fraktionen ein Vorschlagsrecht haben bei der Besetzung von Spitzenposten im Rathaus, ist eherner Grundsatz der kommunalen Selbstverwaltung, wird aber im Ergebnis oft kritisiert.
Um Adomat zu entlasten, werden die Fachbereiche 30 – das sind Recht und die Vergabestelle – sowie 36 (Ordnung und Straßenverkehr) bis zur Nachbesetzung vorübergehend dem Dezernat I zugeschlagen, also Oberbürgermeister Stefan Hebbel. Denn der bisherige Interims-Kämmerer soll nun ab dem 1. April offiziell und vorübergehend den anspruchsvollen Job des Finanzdezernenten übernehmen.
Ein minutiöser Plan
Adomat kann sich aber – wie der gesamte Stadtrat – auf einen nunmehr minutiös ausgearbeiteten Plan stützen, mit dem der neue Leverkusener Kämmerer gefunden werden soll. An der Spitze der Stadtverwaltung soll eine Findungskommission eingerichtet werden. Sie besteht einerseits aus politischen Vertreterinnen und Vertretern und dem Oberbürgermeister sowie dem Vorsitzenden des Personalrats, der Vertrauensperson der schwerbehinderten Mitarbeitenden und der Leiterin des Gleichstellungsbüros in der Stadtverwaltung als Berater.
Wer sich auf den derzeit wohl schwierigsten Kämmerer-Job in Deutschland bewirbt, wird sich einem strukturierten Interview stellen und eine Vorbereitungsaufgabe präsentieren müssen. Das Interview, so heißt es in der Ratsvorlage vom Mittwochnachmittag, „ist das Standardauswahlverfahren der Stadt Leverkusen.“ Aber wenn eine Stelle „mit Führungsverantwortung und Repräsentationscharakter im Top-Management“ zu besetzen sei, „empfiehlt es sich zudem, das Auswahlverfahren durch eine strategische Vorbereitungsaufgabe anzureichern. Ziel ist es, vertiefende Einblicke in die Arbeitsweise und Präsentationskompetenz der sich vorstellenden Bewerbenden zu erhalten“, heißt es weiter.
Sie verbinden fachliche Exzellenz mit strategischem Weitblick und politischer Souveränität
In Frage kommen sollen nur Personen mit mehrjähriger Berufs- und Führungserfahrung sowie fundierten Kenntnissen in der Finanz-, Haushalts- und Verwaltungssteuerung. „Sie verbinden fachliche Exzellenz mit strategischem Weitblick und politischer Souveränität“, steht außerdem im Anforderungsprofil. „Mit Mut, Innovationskraft und ausgeprägtem Gestaltungswillen treiben Sie notwendige Veränderungsprozesse voran.“
Unmittelbar nach dem Ratsbeschluss am kommenden Montag soll die Stellenausschreibung vorbereitet und zwischen dem 6. und 26. April veröffentlicht werden. Um die besten vier auszuwählen, will sich die Verwaltung drei Tage nehmen. Bis zum 4. Mai könnte das Bewerberfeld noch vom Stadtrat vergrößert werden. Am 5. Mai sollen die Bewerber in der Stadtverwaltung vorsprechen, am 11. oder 12. sich zusätzlich der Findungskommission vorstellen. Einen Tag später könnten sie die Ratsfraktionen und den Einzelkämpfer Benedikt Rees besuchen. Unmittelbar darauf soll die Ratsvorlage geschrieben und der künftige Kämmerer oder die künftige Kämmerin der Stadt Leverkusen am Montag, 18. Mai, vom Rat gewählt werden.

