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JubiläumMuseum Morsbroich feiert seinen 75. Geburtstag mit drei besonderen Kunsttagen

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Ein Mann und vier Frauen stehen vor dem Witches Cottage im Park von Schloss Morsbroich

Lucia Riemenschnitter, Fritz Emslander, Thekla Zell und Mila Reifenschneider vom Museum (v. r.) sowie Susanne Wedewer-Pampus vom Kunstverein (l.), hier am Witches Cottage, präsentierten das Programm der Kunsttage.

1951 eröffnete das Museum Morsbroich als erstes Museum für zeitgenössische Kunst im Nachkriegsdeutschland. Das Jubiläum wird groß gefeiert.

Die Zeiten sind hart, gerade für die Kultur und die Bildung in Leverkusen, aber das hält das Team um den kommissarischen Leiter Fritz Emslander nicht davon ab, den 75. Geburtstag des deutschlandweit und international renommierten Museums Morsbroich am zweiten Maiwochenende groß zu feiern: mit drei Morsbroicher Kunsttagen, die es in sich haben.

Dabei bleibt es sich treu und präsentiert auch zum Jubiläum junge, zukunftsweisende Künstler und Künstlerinnen. Bereits ab 15 Uhr sind am Freitag, 8. Mai, die Ausstellungen im Schloss Morsbroich kostenfrei geöffnet. „Wir starten die Kunsttage am Abend traditionell im Kunstverein“, so Emslander. Dort ist ab 19.30 Uhr die Eröffnung der Ausstellung „Gestalt“ mit Skulpturen der Belgierin Katleen Vinck, die sich „zwischen historischem Relikt und Weltraummüll bewegen“, wie die Kunstvereinsvorsitzende Susanne Wedewer-Pampus erläuterte (eine ausführliche Vorstellung ihrer Arbeit folgt).

Dann geht’s hinüber in den Schlosshof, wo ab 20.30 Uhr der Poetry Slam des Klub M steigt, wie der Kunstklub für Jugendliche heißt. „2025 sind zunächst acht Jugendliche gegeneinander angetreten, später kamen noch zehn weitere auf die Bühne“, berichtete Museumspädagogin Lucia Riemenschnitter. Wer selbst etwas vortragen möchte beim Poetry Slam, kann sich noch bis Mittwoch, 6. Mai, bei Riemenschnitter per E-Mail anmelden.

Das Kunstmuseum Morsbroich

Das Museum Morsbroich wird 75.

Bildende und Bühnenkunst, Skulpturen und gereimte – oder auch nicht – Sprachgebilde: Die Kunsttage machten genau das aus, so Wedewer-Pampus, die Begegnung zwischen verschiedenen Kunstformen und das Gemeinschaftliche.

Der Samstag, 9. Mai, ist dann der „offizielle“ Jubiläumstag. Wiederum sind ab 15 und bis 22 Uhr die Ausstellungen im ganzen Haus frei und ohne Eintritt zugänglich. Ab 16 Uhr freuen sich die „Fliegenden Kunstvermittler:innen“ auf Fragen der Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung „Chained to the Rhythm“. Einige der Künstlerinnen und Künstler, die Arbeiten zur Ausstellung beigetragen haben, sind auch anwesend.

Auch wenn die Zeichen auf Sparen stehen, hält das das Museum in keiner Weise davon ab, seine Sammlung zu erweitern. Das ist sozusagen die mitlaufende Bildunterschrift unter der ab 18 Uhr im Schauraum im Erdgeschoss laufenden Aktion. Dort stellt der Konzept- und Videokünstler Mischa Kuball seine Edition aus seinem Videokunstwerk „Platon’s Mirror“ vor, die 2021 im Kunstmuseum in der Mischa-Kuball-Retrospektive „Referenzräume“ zu sehen war. „Das ist eine sehr wichtige Arbeit. Es war uns von Anfang an klar, dass wir sie gerne ankaufen würden. Das ist seit zwei, drei Jahren in der Pipeline“, so Emslander. Und soll auf den Kunsttagen über den Verkauf der Edition zum erfolgreichen Abschluss kommen.

Ohne den Verein wären wir aufgeschmissen. Das muss man mal erwähnen
Thekla Zell, Museumskuratorin

25 Ansichten aus dem Video zum Preis von je 1500 Euro hat Kuball erstellt. Wer im Förderverein des Museums Mitglied ist, hat bis 8. Mai ein Vorkaufsrecht. Welche Bedeutung der Museumsverein für die Existenz des Hauses hat, macht die Kuratorin Thekla Zell unumwunden klar: „Ohne den Verein wären wir aufgeschmissen. Das muss man mal erwähnen.“

Um die unkonventionelle Einwerbung von Drittmitteln geht es auch eine Stunde später. Um 19 Uhr können Gäste „Einzigartiges“ aus dem Museum ersteigern, wie etwa signierte Plakate von Candida Höfer, ein Modell des Witches Cottage von Mark Dion, Modelle auch der aus Wellpappe geformten Ja-Nein-Großskulpturen von Andrea Wolfensperger. Sogar ein signiertes aktuelles Trikot des Bayer-04-Teams ist zu ersteigern. Das Geld aus der Auktion wird dringend benötigt mit Blick auf die zum Jahresende geplante Ausstellung unter dem Titel „Das Schlafzimmer der Baroness“. Emslander: „Die Finanzierung ist noch nicht auskömmlich gesichert. Deshalb haben wir gesagt, alles, was wir einnehmen, geben wir da hinein.“

Programm auch für Familien mit Kindern

Daran an schließt sich im Spiegelsaal die offizielle Eröffnung der Kunsttage, deren Schirmherrschaft Kulturministerin Ina Brandes übernommen hat. Um 20.30 Uhr laden Schauspielerinnen und Schauspieler des Jungen Theaters Leverkusen auf dem Schlosshof zu einem Spaziergang durch die Geschichte des Schlosses ein. Und um 22 Uhr steigt der Hauptact des Abends ebenfalls im Schlosshof: ein Live-Lichtkonzert an der Außenfassade von Laurenz Theiner am Visual Piano und Fried Dähn am Cello.

Höhepunkt am Sonntag, 10. Mai, ist um 12 Uhr die Eröffnung der Ausstellung „Helen Brecht. Liegenschaften“. Brecht ist die sechste Preisträgerin des Flinta*-Kunstpreises der Kölner Kunsthochschule für Medien. Die „Fliegenden Kunstvermittler:innen“ sind ebenso wieder dabei wie das Junge Theater Leverkusen. Um 13 Uhr bietet sich im zweiten Obergeschoss des Museums die Möglichkeit, mit vier Künstlern und Künstlerinnen des fünf Jahre währenden Projektes Werkstatt Morsbroich unter dem Motto „It’s great when activated“ ins Gespräch zu kommen. Helen Brecht wiederum ist um 14 Uhr beim Künstlergespräch dabei.

Für Familien mit Kindern bietet das Museum am Sonntag ebenfalls ein umfangreiches Programm. In den Werkräumen gibt es offene Workshops, ebenso wie im Freien. Im Schlosspark gibt es eine „Einladung zum Hobby Horsing“: Wer noch nie ein Steckenpferd geritten hat, kann sich ansehen, wie das Team Dansweiler seine Steckenpferde in den Disziplinen Dressur, Springen und Gelände durch den Park reitet. Und natürlich auch selbst mal aufs Steckenpferd aufsteigen. Und wem das alles zu wild ist, der ist vielleicht am Hexenhaus, am Witches’ Cottage, gut aufgehoben. Dort stellt die Künstlerin Corinna Düschl den neu angelegten Kräutergarten vor.

kunstundbildung@museum-morsbroich.de