Mit der 500 Jahre alten Klöppeltechnik interpretierten die Teilnehmerinnen des Kurses ein Werk des Künstlers Luigi Tomasello neu.
Kurs der VHS LeverkusenSpitzenklöpplerinnen präsentieren Kunstwerk im Museum Morsbroich

Der Klöppelkurs der VHS Leverkusen präsentiert sein Kunstwerk im Schloss Morsbroich
Copyright: Anne Philipp
121 Klöppelspitzen – das ist die Anzahl der „Klötzchen“, aus denen die Teilnehmerinnen des Klöppelkurses der Volkshochschule ein neues Kunstwerk geschaffen haben. Inspiriert ist es von einem Werk des Künstlers Luigi Tomasello.
Die Klöppelspitzen wurden von den Teilnehmerinnen des Kurses alle in Handarbeit angefertigt, etwa ein bis zwei Stunden brauche man, je nach Erfahrung mit der Klöppeltechnik, erklärt die Dozentin des Kurses, Barbara Luderich. Klöppeln, das ist eine 500 Jahre alte Technik zur Herstellung von Spitze, so Luderich, wobei vier Fäden gekreuzt und gedreht werden. „Das ist wie stricken“, findet die Dozentin. Die von den Künstlerinnen geklöppelte Spitze mit verschiedenen Mustern wurde dann so gefaltet, dass dreidimensionale geometrische Formen entstanden sind. Durch den Einsatz von gelber Farbe sei zudem die Reliefstruktur betont worden. Entstanden sind dann die 121 „Klötzchen“.
Zu Beginn haben sich die beiden Dozentinnen des Kurses, Barbara Luderich und Liesel Steber, im Schloss Morsbroich auf die Suche nach einer Inspiration für ihr Kunstwerk begeben. Erst beim Rausgehen, nachdem sie die Suche eigentlich schon aufgegeben hatten, fanden sie dann das Werk „Atmosphère chromoplastique“ des argentinischen Bildhauers Luis Tomasello (1915 bis 2014), der auch mit seinem italianisierten Vornahmen Luigi bekannt ist. „Man muss ja auch gucken, dass es zum Kurs passt“, erklärt Luderich die lange Suche.
In dem Werk von Tomasello werden vor allem das Licht und das damit verbundene Schattenspiel genutzt, denn durch abstehende Plättchen kann man das Werk aus unterschiedlichen Perspektiven komplett neu betrachten. „Wir haben durch die verschiedenen Muster Veränderung“, erklärt die Dozentin den Unterschied zum Kunstwerk des Kurses der Volkshochschule.
Auch die Kursteilnehmerinnen konnten ihr fertiges Kunstwerk nun bei der Enthüllung im Schloss Morsbroich zum ersten Mal betrachten. Eine der Teilnehmerinnen ist Barbara Schinnerl. Seit fast einem Jahr geht die Kölnerin zu dem Kurs, der seit 2019 regelmäßig stattfindet. „Ich brauche keine Tischdecken mehr“, so Schinnerl, ein Kunstwerk hingegen könne man an eine Wand hängen – „das ist modern“, findet die 38-Jährige.
Das frisch enthüllte Kunstwerk begeistert sie sichtlich: Sie sei schon mehrmals um das Werk herumgelaufen und trotzdem entdecke man immer wieder neue Perspektiven, so die Künstlerin. Schinnerl war in einer Zeitschrift zufällig auf den Kurs aufmerksam geworden. Warum es ihr so Spaß macht? „Es sind nette Leute, es ist entspannend und man ist mit den Händen beschäftigt.“ Außerdem sei die Klöppeltechnik etwas, was man als Anfängerin oder Anfänger machen kann und sofort klappt, findet Schinnerl. Nun kann sie gar nicht mehr damit aufhören.
Lucia Riemenschnitter ist für die Kunstvermittlung im Museum Morsbroich zuständig. Sie betont: „Das soll der Start gewesen sein.“ Denn auch in Zukunft solle es eine Zusammenarbeit zwischen der Volkshochschule und dem Museum Morsbroich geben. Und wer weiß, vielleicht können Interessierte dann irgendwann auch eine Ausstellung besuchen, in der verschiedene Werke aus der Zusammenarbeit zu sehen sind. Vielleicht dann ja auch mit den 121 Klöppelspitzen.

