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„Verunstalten eigene Stadt“Großes Leverkusener Problem: OB Hebbel hadert mit Müllsündern

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Wilder Müll in Wiesdorf.

Wilder Müll, wie hier im Februar 2025 in Wiesdorf, ist nicht nur Oberbürgermeister Stefan Hebbel ein Dorn im Auge.

Im März zieht es einmal mehr Tausende Leverkusener auf die Straßen, um den Abfall vieler Übeltäter zu beseitigen.

Den ersten Müllgipfel hat Stefan Hebbel schon hinter sich, bereits im Wahlkampf kündigte der CDU-Politiker an, im Falle der Wahl zum Oberbürgermeister einiges in Leverkusen anpacken zu wollen, um die Stadt sauberer zu machen.

Eines der Projekte, bei dem verschiedene Stellen in der Stadt gemeinsam anpacken, erbt er aber von seinem Vorgänger – die Putzaktion „Wir für unsere Stadt“. Neben der Stadt sind noch die Avea, der Job-Service Leverkusen und das Naturgut Ophoven daran beteiligt.

Gerade um Wertstoffinseln werden die Probleme deutlich

Allesamt hoffen sie darauf, vom 12. bis zum 14. März die 7000-Teilnehmenden-Marke knacken zu können. Das Ziel gab Alexander Lünenbach aus, dessen Dezernat für Bürger, Umwelt und Soziales die Veranstaltung organisiert.

Was rund um das zweite März-Wochenende auf die Beine gestellt wird, ist im Grunde ein großangelegter Frühjahrsputz. Dabei geht es allerdings nicht nur darum, die eigenen vier Wände und vielleicht Garten und Garage zu säubern – in diesem Falle wird ganz Leverkusen zu den „eigenen vier Wänden“.

Wir müssen feststellen, dass die Stadt durch den wilden Müll schmutziger wird
Avea-Geschäftsführerin Anika Hagt

Im vergangenen Jahr sammelten die Teilnehmenden so 6,24 Tonnen Abfall im Stadtgebiet auf. Einen maßgeblichen Teil trugen hierbei Kinder und Jugendliche bei. Bei dem erzieherischen Aspekt im Umgang mit Müll ist das Naturgut federführend. Bereits 41 Schulen und Kitas haben sich für die Aktion angemeldet, hier rechnet die Naturgut-Verantwortliche Britta Demmer aber auch noch damit, den Vorjahreswert (48 beteiligte Schulen und Kitas) zu toppen. Noch bis Freitag, 6. März, können sich Interessierte anmelden. Für Schulen und Kitas geht es bereits ab Montag, 9. März, los – sie engagieren sich über die komplette Woche.

Es wird angepackt, das erfreut OB Hebbel natürlich – auch er schwingt nicht nur für das Foto zum Projekt den Besen. Durch die vergangenen Jahre habe er gesehen, dass „Wir für unsere Stadt“ vielen eine „Herzensangelegenheit“ ist, ein „Zusammenkommen mit hoher Identitätsstiftung“. Es wird nun einmal etwas gemacht für die Stadt, die die Leverkusenerinnen und Leverkusener lieben – die aber wiederum viele Bürgerinnen und Bürger durchaus verkommen lassen.

Anika Hagt von der Avea, OB Stefan Hebbel sowie Dezernent Alexander Lünenbach gemeinsam mit der Naturgut-Verantwortlichen Britta Demmer und Angelika Orttmann von der JSL.

Anika Hagt von der Avea, OB Stefan Hebbel sowie Dezernent Alexander Lünenbach packen gemeinsam mit der Naturgut-Verantwortlichen Britta Demmer und Angelika Orttmann von der JSL (v.l.n.r.) für eine sauberere Stadt an.

„Wir müssen feststellen, dass die Stadt durch den wilden Müll schmutziger wird“, erklärt Avea-Geschäftsführerin Anika Hagt. Angesprochen darauf, wo die größten (ungewollten) Müllberge der Stadt lauern, nennt sie als Beispiel den Friesenweg. Dort machen sich immer wieder Leute zunutze, dass der Bereich um die Wertstoffinsel „gut mit dem Auto“ zu erreichen sei – und Personen gerade „abends schnell ohne Zeugen“ Müll entladen könnten, um dann zu verschwinden. Das ist nicht nur den Verantwortlichen von Stadt und Avea ein Dorn im Auge.

Denn wie Hebbel herausstellt: „Die Leute verunstalten ihre eigene Stadt.“ Wie groß das Müllproblem in der Stadt ist, zeigt eine Stadt die Angelika Orttmann von der JSL ergänzt: Im vergangenen Jahr habe allein ihr Fahrradteam, das mobil unterwegs ist, 28 Tonnen Müll eingesammelt. Insgesamt gab es laut Avea-Geschäftsführerin Hagt 899 Tonnen wilden Müll in Leverkusen. Bei dem zu Anfang thematisierten Müllgipfel ging es nicht zuletzt um die Pläne für die kommenden Monate, wie die Stadt dem Müllproblem begegnen will. Der OB betont noch einmal die Wichtigkeit der Prävention. Es könne nicht nur darum gehen, denjenigen, die den Müll nicht angemessen entsorgen, hinterherzuräumen: „Dann bekämpfen wir die Folgen, nicht die Symptome.“

An Stellen, an denen Pkw oder Kleintransporter unbemerkt mal schnell halten können, liegt oft Müll.

Gerade am Rande der Straßen Leverkusens gibt es immer wieder Müllprobleme.

Einerseits sei daher die Erziehung der Heranwachsenden bei dem Thema so wichtig, als weiteren Aspekt nennt er die Öffentlichkeit, die Aktionen wie „Wir für unsere Stadt“ generieren, wenn mehrere Tausend Bürgerinnen und Bürger durch die Straßen ziehen, um für Sauberkeit zu sorgen. Als eine weitere Aktion steht im September dann noch die Leverkusener Teilnahme am „World Cleanup Day“ an.

Abseits dessen, was die Engagierten im März und September aufsammeln können, ärgern sich zahlreiche Leverkusenerinnen und Leverkusener nach wie vor über Beschmierungen und die große Anzahl an Aufklebern in der Stadt. Auch hierzu bestätigt Hebbel: „Das habe ich auf dem Schirm, auch das ist eine Verunstaltung.“

Im Falle von Graffiti kommt noch hinzu, dass den Tätern strafrechtliche Konsequenzen drohen. Letztlich fasst es Britta Demmer vom Naturgut in einem Satz gut zusammen, wenn sie in Bezug auf Müll und Verunstaltung sagt: „Es ist eine Sache des Nutzers, nicht des Materials.“ Einmal mehr ist Leverkusen bemüht, dafür zu werben, täglich die Stadt so sauber wie möglich zu hinterlassen.