Am Sonntag steht im Freudenthaler Sensenhammer Europa im Vordergrund, ebenso wie Leverkusens Partnerstadt Oulu.
OpladenOGV lädt zum Europäischen Frühschoppen ein – Partnerstadt aus Finnland ist Kulturhauptstadt 2026

Michael Gutbier (l.), Guido von Büren und Jürgen Mittag (r.) von den Geschichtsvereinen Jülich und Leverkusen präsentierten ihr Programm für 2026, am Sonntag folgt das Europäische Frühschoppen.
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Ein Sonntagvormittag, ein altes Hammerwerk und die Frage, was Europa eigentlich bedeutet. Am 10. Mai (11 Uhr, Eintritt frei) lädt der Opladener Geschichtsverein e. V. gemeinsam mit der Europa-Union Leverkusen, dem Förderverein Freudenthaler Sensenhammer, der Volkshochschule Leverkusen sowie dem Jülicher Geschichtsverein 1923 e. V. zum Europäischen Frühschoppen in den Freudenthaler Sensenhammer ein – und der Ort ist dabei Programm. Denn das Industriemuseum steht selbst für das, worüber an diesem Morgen gesprochen werden soll: Wandel, Kontinuität und die Frage, wie Vergangenheit und Zukunft sich berühren.
Anlass ist der Europatag am Samstag
Der Anlass ist der Europatag, der jährlich am 9. Mai gefeiert wird. Seit Jahren baut der Verein ein europäisches Netzwerk auf, das unter dem Projektnamen „Stadträume / Urbanspaces“ Städte und ihre historischen Entwicklungen miteinander ins Gespräch bringt. Das steht auch am Sonntag im Fokus. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr Leverkusens finnische Partnerstadt Oulu – die älteste Partnerschaft der Stadt, bestehend seit 1968. Zugleich ist Oulu Europäische Kulturhauptstadt 2026. „Das haben wir uns zum Anlass genommen, uns dieser Thematik zu nähern“, sagte OGV-Vorsitzender Michael Gutbier beim Pressegespräch.
Unter dem Motto „Kultureller Klimawandel“ präsentiert Oulu nicht nur die Stadt selbst, sondern eine ganze Region: 39 Gemeinden aus Oulu-Land, Südlappland und dem nördlichen Finnland gehören zum Programm, das mit über tausend Veranstaltungen aufwartet.
Bernhard Marewski, Vorsitzender der Deutsch-Finnischen Gesellschaft und Vorstandsmitglied des OGV, kennt Oulu seit 1969 – ein Jahr nach Gründung der Städtepartnerschaft war er erstmals dort. Was ihn damals beeindruckt hat, hat ihn seitdem nicht losgelassen. „Wir können von ihnen lernen, wie man Probleme angeht. Die Stadt liegt weit im Norden, im arktischen Bereich. Die Innovationsfreudigkeit der Finnen und die Beharrlichkeit, Dinge anzupacken und zu Ende zu führen – das war für mich immer auch ein Beispiel für meine Politik hier in Leverkusen“, sagte er im Gespräch mit der Redaktion. „Arktisch denken“, so nennt Oulu das selbst – gemeint ist die Haltung, sich den Lebensbedingungen zu stellen, statt vor ihnen zurückzuweichen.
Dass Finnland trotz einer Fläche, vergleichbar mit Deutschland, nur rund 5,5 Millionen Einwohner hat – ein Drittel von Nordrhein-Westfalen –, sieht Marewski als strukturellen Vorteil: „Was in Finnland an Innovationen kommt, lässt sich dort aufgrund der geringen Bevölkerungszahl viel schneller umsetzen und evaluieren.“
Schäperclaus neuer Vorsitzender der Europa-Union Leverkusen
Den inhaltlichen Kern des Frühschoppens bildet ein Festvortrag von Jürgen Mittag, stellvertretender Vorsitzender des OGV und Experte für europäische Integration. Sein Fazit: „Oulu ist durchaus typisch und dann doch wieder besonders.“ Warum die nordfinnische Stadt 2026 an der Reihe ist, was sie von anderen Kulturhauptstädten unterscheidet und wo sich Parallelen zu Leverkusen ziehen lassen – das plant Mittag in seinem Vortrag auszuführen. „Ich kann Ihnen versprechen: ein sehr interessantes, sehr spannendes Projekt.“
Dass die Wahl auf den Freudenthaler Sensenhammer fiel, ist kein Zufall. Jens Schäperclaus, neuer Vorsitzender der Europa-Union Leverkusen und Vorstandsmitglied des Fördervereins Sensenhammer, wies beim Pressegespräch auf eine wenig bekannte Tatsache hin: „Was nicht jeder weiß, ist, dass der Sensenhammer gar nicht existieren würde ohne ein Förderprogramm der Europäischen Union. Anfang der 90er-Jahre sind europäische Gelder an den Förderverein geflossen, der überhaupt erst den Erwerb der Liegenschaften und der Gebäude ermöglicht hat.“
Schäperclaus sieht darin mehr als eine finanzielle Fußnote: „Das ist der starke Kontext und Konnex zu Europa, den der Sensenhammer hat – ganz davon abgesehen, dass die Produkte weltweit, aber natürlich insbesondere in Europa vertrieben worden sind.“ Prof. Mittag ergänzte: „Der Sensenhammer ist gelebte Kulturhauptstadt – er spiegelt wider, wie sich die Initiative verändert hat, auch in Bezug auf die Transformation von Technik und Kultur.“
Musikalisch begleitet wird der Frühschoppen vom Klarinetten-Ensemble Duodezim. Die Veranstaltung öffnet sich zugleich digital. Aus mehreren Partnerstädten haben Vertreter angekündigt, sich per Zoom dazuzuschalten. Aufgezeichnet wird der Frühschoppen ebenfalls – und anschließend auf dem YouTube-Kanal des OGV bereitgestellt.

