Im Wald bei Morsbroich haben Waldbesitzer auf ihrem Grundstück eine riesengroße und offenbar ziemlich professionell angelegte Cross-Bahn für Mountainbikes vorgefunden.
Im Wald bei MorsbroichUnbekannte erbauen in Leverkusen einen riesigen Fahrradparcours

Eine der Steilkurven der illegalen Biker-Landschaft im Wald bei Morsbroich führt am Bahndamm entlang - oben im Bild ist eine gelbe Lokomotive zu sehen.
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„So etwas habe ich in meiner gesamten Zeit als Förster noch nicht gesehen“, sagt Nikolai Cramer am Telefon. Seine Aussage bezieht sich auf eine Entdeckung, die er vor Kurzem als Forstverwalter mehrerer privater Wälder in Leverkusen gemacht hat: Beim Fällen einiger Bäume neben der Eisenbahnstrecke in einem Waldstück bei Morsbroich fand er einen Mountainbiker-Parcours, mit riesigen Ausmaßen.
Waldbesitzer, vor allem von Wäldern in Siedlungsnähe, kennen das: Versteckt liegen kleinere Fahrbahnen, vielleicht mit einer aus Lehm geformten Sprungschanze. Meistens stecken Kinder aus der Nachbarschaft dahinter. Waldbesitzer und Naturschützer ärgert das – im besten Fall wächst irgendwann Gras über die Sache. Ob es aber nur Kinder waren, die den Parcours im Waldwinkel zwischen der Gustav-Heinemann-Straße, der Dhünn und der Güterzugstrecke gebaut haben, ist angesichts der Größe und der Ausführung fraglich.

Auf dieser plastischen Darstellung der Geländeformen ist die Bahn gut zu sehen. (schwarzes Oval links). Zur Orientierung: Die breite Linie am linken Bildrand ist die Eisenbahnstrecke, die Linie unten die Gustav-Heinemann-Straße, die die Dhünn in der Mitte unten überquert. Der Kreis rechts ist die Oberfläche des Schlossparks Morsbroich mit dem Wassergraben.
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Die Größe lässt sich auf Bildern schwer darstellen.
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Dieses Bauwerk dient als Startrampe.
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Auf mindestens einem dreiviertel Hektar in einer Niederung gibt es Sprungschanzen in Reihe hintereinander, daneben weitere Fahrwege. Die Anlage ist so groß, dass sie gut auf einer plastischen Abbildung der Geländeoberfläche sichtbar ist, die mit Hilfe von Satellitendaten hergestellt wird.

Die Fahrradstrecke im Wald bei Morsbroich für Mountainbiker.
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Etwas abseits der Sprungschanzen findet sich ein mehrere Meter hohes Podest, wahrscheinlich der Startpunkt der Crossstrecke, mit einer anschließenden Beschleunigungsbahn. Von der aus führt die Strecke in einer imposanten Steilkurve in die Niederung mit den Sprungschanzen. Die Steilkurve ist besonders sauber gearbeitet, glatt wie eine verputzte Wand. Kurve, Wege und Sprungschanzen sind aus Lehm geformt, der dort in großer Mächtigkeit unter der Humusschicht liegt. Unklar ist, wie lange schon an der Bike-Bahn gearbeitet wurde. Es sieht so aus, dass ältere Abschnitte der Bahn schon eine Weile wenig befahren worden sind.

Die Bahndamm-Steilkurve von oben.
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Förster Cramer sagt, er habe gemeinsam mit Bahnmitarbeitern den Wald begangen, um die Bäume zu begutachten, die entlang der Eisenbahnstrecke gefällt werden mussten. Man habe die Vermutung, dass die Erbauer des Parcours für ihre Steilkurve auch im Bahndamm gegraben haben könnten. Die Bahnmitarbeiter seien darüber nicht gerade begeistert gewesen, sagt Cramer. Möglicherweise könnte die Trasse beschädigt sein.

In diese ältere Grube wurden Äste geworfen.
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Die nicht standsicheren Bäume, die der Bahnstrecke zu nah gestanden hätten, seien in dem Wald inzwischen gefällt worden. Dazu ließ der Förster einen Vollernter oder Harvester anfahren. Cramer: „Ein paar von den geschädigten Bäumen waren nicht mehr standsicher, weil sie durch die Bauarbeiten am Parcours beschädigt worden sind.“ Andere Bäume wurden um den Stamm von den Erbauern der Crossstrecke hoch mit Lehm zugebaut. Laut Cramer dürften diese Bäume deshalb kaum überleben.
Tiefe Lehmgruben und kleine Sickerschächte
Die Erbauer haben mehrere tiefe Lehmgruben ausgehoben, um ihren hohen Bedarf an Baumaterial zu decken. Auf dem gesamten Baufeld sind viele Kubikmeter Lehm bewegt worden. Die Mulden zwischen den Sprungschanzen sind so tief ausgeschachtet, dass sie jeweils eigene kleine Sickerschächte haben, wohl damit nach Regenschauern das Wasser abfließen kann. Cramer vermutet, dass angesichts der Ausmaße auch durchaus ein Kleinbagger im Einsatz gewesen sein könnte. Unmöglich ist das nicht, denn der Waldwinkel liegt trotz seiner Lage in der Stadt abgeschieden. Kein Durchgangsweg führt dort entlang, es gibt nur einen Zugang von der Gustav-Heinemann-Straße aus.
Cramer hat das Ordnungsamt informiert. Ob die Inhaber des Waldes Anzeige erstatten, ist offen. Der Winkel gehört derselben Erbengemeinschaft, der auch der Bürgerbusch gehört. Der Schaden auf dem Grundstück sei groß, sagt Cramer, ein möglicher Rückbau wäre extrem teuer. Was ihn besonders ärgert, ist die großflächige Beschädigung des Bodens und der Humusschicht. Unklar ist noch, wie man weiter verfahren will.
In dem Dreieck liegt die Grabstätte der Familie von-Diergardt, ein in Leverkusen einzigartiger Mini-Friedhof. An den Gräbern sind keine Beschädigungen zu erkennen.


