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Nach erneuter SperrungSchneeproblem der Leverkusener Rheinbrücke wird nur schwer zu lösen sein

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Ulrich van Acken, Leverkusener Brückenbauingenieur, steht auf dem Radweg der Leverkusener Brücke an einem der Tragseile. Das Schneeproblem wird schwer zu lösen sein.

Ulrich van Acken, Leverkusener Brückenbauingenieur, steht auf dem Radweg der Leverkusener Brücke an einem der Tragseile. Das Schneeproblem wird schwer zu lösen sein.

Die Konstruktionsweise birgt Probleme, findet auch ein Leverkusener Brückenbauingenieur.

Die Autobahn GmbH ist nach der erneuten Sperrung schwer unter Druck geraten – man will jetzt doch noch einmal über Änderungen an der Brücke nachdenken. Ein Sprecher sagt: „Klar, machen wir etwas.“ Im Herbst hatte die Autobahn GmbH noch auf Anfrage mitgeteilt, dass an der Konstruktion nichts geändert werden soll, allenfalls Kameras zur Beobachtung der Schnee- und Eislage in der Höhe wollte man anbringen. Bisher sind sie aber noch nicht installiert worden, am Eisabfall am Rosenmontag hätten sie aber auch nichts geändert.

Auch über eine leichte Beheizung der Pylone wird offenbar noch einmal nachgedacht, deutete der Sprecher an. Aber das brauche Zeit. Inzwischen weiß die Autobahnbehörde etwas genauer, auf welchen Bauteilen Schnee gehaftet hat: Der Schnee pappte nämlich nicht nur auf den schrägen Flächen auf den Oberseiten der stählernen Pylone, sondern auch auf den Seilen. Wahrscheinlich sei in diesem Winter kein hartes Eis, sondern nur Schneematsch heruntergefallen, aber der könne ja auch schwer sein, sagte der Sprecher.

Leverkusener Brücke, Autobahnbrücke. Bild: Ralf Krieger

Die Autobahn GmbH ist nach der erneuten Sperrung der Rheinbrücke schwer unter Druck geraten

Die zweite Sperrung einer der wichtigsten Brücken im Autobahnnetz wegen Schneefalls war offenbar auch dieses Mal keine Kleinigkeit. Die Polizei ist damit nur am Rande beschäftigt gewesen, aber auch dort hat sich eine größere Akte gefüllt, sagt ein Sprecher. Die erste Meldung über eine Beschädigung durch Eis oder Schnee kam demnach von einem Pkw in Fahrtrichtung Saarbrücken. Kurz darauf habe es einen zweiten Vorfall gegeben: Dieses Mal sei eine Eisplatte auf ein Auto gefallen, das in der Gegenrichtung Leverkusener Kreuz auf der zweiten Spur unterwegs war. Genauere Informationen zu den Schäden an den Autos haben weder Polizei noch Autobahn GmbH.

Ein Mitarbeiter der Straßenmeisterei soll nach einer Inspektion angeregt haben, die Brücke zu sperren; eigene Kräfte der Autobahn GmbH setzten den Entschluss um, ab 1.20 Uhr blieb die Brücke zu.

Laut der polizeilichen Aufzeichnungen engagierte die Autobahn GmbH eine Firma, deren Piloten Enteisungsmittel mit Drohnen auf gefrorene Problemstellen sprühen können. Das wollte man im Morgengrauen versuchen. Es sei aber nicht mehr nötig gewesen: „Als die Drohnen zum Einsatz kamen, hatten wir vier Grad plus“, sagt ein Sprecher der Autobahn GmbH. Die Sperrung wurde aufgehoben.

Leverkusener Brückenbauingenieur rät: Erst einmal eine Dachreling

Der Leverkusener Ulrich van Acken ist ein in der Stadt bekannter Brückenbauingenieur. Er hat ab 1978 im Leverkusener Bauamt viele Brücken gebaut und saniert, die natürlich alle kleiner waren als die Autobahnbrücke.

Von einer Fehlkonstruktion will er nicht sprechen, auch wenn man die Probleme durch eine herkömmlichere Konstruktion wahrscheinlich nicht hätte. Van Acken sagt, er kenne die Brücke recht gut, er konnte beim Bau gelegentlich auf die Baustelle. „Die Brücke an sich finde ich eigentlich gelungen, Ingenieurbauten dürfen auch gut aussehen.“

Der erfahrene Ingenieur regt an, dass an den schrägen Oberseiten auf den Pylonen je eine Dachreling angebaut werden sollte, dann könne da schon einmal kein Eis mehr herunterrutschen. So eine kleine Änderung führe auch nicht zum Verlust der Genehmigung, sagt der Ingenieur. Eine Heizung, mit der die Pylone schnee- und eisfrei gehalten werden können, dürfte ziemlich teuer sein, sagt van Acken. Der Stahl, aus dem die Pylone gemacht sind, der beheizt werden müsste, soll oben acht Zentimeter dick sein, erinnert sich van Acken. Auch wenn man zum Schluss kommt, die vier Pylone zu beheizen, ist das Problem noch nicht gelöst, dass auch Schnee von den Tragseilen herunterfallen kann, wogegen auch eine Dachreling nichts nützt.

Geschehen müsse etwas, sagt van Acken, „man könne jetzt nicht jedes Jahr auf den Pappschnee warten“.